Gerd Müller bleibt Rekordtorschütze der Fußball-Bundesliga. Imago/Lackovic

Fußball-Legende Gerd Müller ist tot. Der einstige Weltklasse-Torjäger, der Deutschland 1974 zur Weltmeisterschaft schoss und mit dem FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft viele Erfolge feierte, ist am Sonntagmorgen im Alter von 75 Jahren in einem Pflegeheim bei München gestorben. Das teilte sein Herzensverein mit.

Gerd Müller war eine deutsche Fußball-Legende

Die Karriere des Gerd Müller war eine der ganz Großen im Weltfußball, obwohl er „nur“ 1,75 Meter maß und ihn sein erster Trainer beim FC Bayern, der noch kleinere Jugoslawe Zlato Cajkovsky, „kleines dickes Müller“ nannte.

Der 1945 im bayerischen Nördlingen geborene Mittelstürmer schnürte von 1964 bis 1979 die Fußballschuhe für den FC Bayern München und prägte maßgeblich die erfolgreichen 1970er Jahre des Vereins. Er gewann jeweils viermal die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Zudem setzte er sich und seinem Verein dreimal die europäische Krone mit dem Sieg im Pokal der Landesmeister (heute Champions League) auf.

Diese Torsammlung von Gerd Müller veröffentlichte der FC Bayern anlässlich seines 70. Geburtstags.

Mit 365 Toren in 427 Bundesligaspielen ist Müller, der auf kleinstem Raum der gegnerischen Abwehr noch Platz für eine schnelle Drehung und den Schuss aufs Tor fand, Rekordtorschütze in der Bundesliga. Kein Wunder bei den schussgewaltigen Oberschenkeln, die mal jemand maß (68 Zentimeter Umfang) und verglich: Sie waren dicker als die Taille von Brigitte Bardot. Sein eigentlich für die Ewigkeit gedachter Tor-Rekord von 40 Treffern in einer Spielzeit wurde erst im Sommer von Robert Lewandowski gebrochen. 

Gerd Müller wurde Weltmeister und Europameister

Auch in der Nationalmannschaft feierte der „Bomber der Nation“ große Erfolge. 1972 gewann er die Europameisterschaft, 1974 dann die WM im eigenen Land. In 62 Länderspielen schoss Müller 68 Tore. Auch dieser Rekord blieb lange bestehen, ehe Miroslav Klose ihn 2014 brach.

Die Anteilnahme in der Fußball-Welt ist groß. „Die Welt des FC Bayern steht still“, schrieb der FC Bayern in einer Mitteilung. „Es ist ein trauriger, schwarzer Tag für den FC Bayern. Gerd Müller war der größte Stürmer, den es je gegeben hat - und ein feiner Mensch, eine Persönlichkeit des Weltfußballs“, sagte Präsident Herbert Hainer tief betroffen. Vorstandschef Oliver Kahn würdigte Müller als „eine der größten Legenden in der Geschichte des FC Bayern, seine Leistungen sind bis heute unerreicht und werden auf ewig Teil der großen Geschichte des FC Bayern und des gesamten deutschen Fußballs sein“.

Auch andere Vereine wie Borussia Dortmund sprachen ihre Anteilnahme aus. „Wir verneigen uns vor einem der größten Spieler der Bundesliga-Geschichte, der immer unvergessen bleiben wird. Wir sind mit unseren Gedanken bei seiner Familie, seiner Frau und allen Angehörigen“, twitterte der BVB. 

Gerd Müller schießt aus der Drehung am niederländischen Abwehrspieler Ruud Krol vorbei: Es ist das 2:1-Siegtor im WM-Finale 1974 gegen die Niederlande in seinem Münchener Olympiastadion. dpa/Werner Baum

Zum Ende seiner aktiven Karriere hin wechselte Müller noch einmal für einige Jahre in die USA, wo er zunächst auch blieb, nachdem er seine Laufbahn 1982 beendet hatte. In Florida eröffnete er in Fort Lauderdale ein Steakhouse, geschäftlich stellte sich jedoch kein Erfolg ein. Zunehmend verfiel Gerd Müller dem Alkohol. Die Sucht wurde er auch nicht los, als er 1984 nach Deutschland zurückkehrte.

Gerd Müller verfiel dem Alkohol, der FC Bayern half ihm, seine Dämonen zu besiegen

1991 sagte Gerd Müller seinen Dämonen aber doch den Kampf an. Auf Drängen alter Freunde und Mitspieler wie Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer begann er einen Entzug, den er erfolgreich absolvierte und so 1992 zu seinem FC Bayern zurückkehrte. Von 1992 bis 2014 war Müller als Stürmer-Trainer in der zweiten Mannschaft des deutschen Rekordmeisters angestellt, ehe er sich gänzlich aus dem professionellen Fußball zurückzog. „Ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft“, sagte Müller einmal.

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In seinen letzten Lebensjahren litt Gerd Müller an Demenz, die ihm arg zusetzte. Im Herbst 2015 hatte sein Club die Krankheit bekannt gemacht. In einem Pflegeheim kämpfte er gegen das Vergessen. Seine Frau Uschi sagte der Bild bereits im vergangenen Jahr: „Der Gerd schläft seinem Ende entgegen.“ Nun ist er im Alter von 75 Jahren gestorben.