Bundesliga live im Visier der Kamera - das wird es wohl längere Zeit so nicht geben. Foto: imago images/Sven Simon

Der Wahnsinn hat ein Ende! Nach einem 24-stündigen Zick-Zack-Kurs sagt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wegen der sich ausbreitenden Corona-Pandemie kurzfristig den 26. Spieltag doch noch ab. Erst mal bis zum 2. April rollt in der 1. und 2. Bundesliga kein Ball mehr. Weitere Virus-Fälle und der Druck von Spielern und Politikern zwang die DFL zur Kehrtwende und zu einer historischen Entscheidung. Es ist ein Sieg der Vernunft!

„Angesichts der Dynamik des heutigen Tages mit neuen Corona-Infektionen und entsprechenden Verdachtsfällen in direktem Zusammenhang mit der Bundesliga und 2. Bundesliga hat das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga kurzfristig beschlossen, den ursprünglich heute beginnenden 26. Spieltag in beiden Ligen zu verlegen“, hieß es in der DFL-Mitteilung. Dabei sah es lange nicht nach der Kehrtwende aus. Noch am Morgen wollte die DFL den Spieltag wegen der noch ausstehenden letzten Zahlung des TV-Geldes auf Biegen und Brechen über die Bühne bringen.

Paderborn-Verteidiger Kilian positiv getestet

Um 10.34 Uhr verkündete die Liga, dass die Geisterspiele stattfinden und der Fußball erst ab kommender Woche pausieren soll – obwohl bereits alle anderen großen Ligen ihren Spielbetrieb einstellten. Um 16.19 Uhr, knapp vier Stunden vor dem Anpfiff des Freitagsspiels, folgte die Rolle rückwärts. Dass es zu der historischen Absage kam – erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg (1944/45) ist der Ligabetrieb unterbrochen –, lag an der harschen Kritik von Spielern, Fan-Verbänden und Politikern sowie neuen Covid-19-Fällen, die gefühlt im Minutentakt auf die DFL einprasselten.

So teilte etwa Zweitligist 1. FC Nürnberg einen positiven Befund auf das Coronavirus mit. Außerdem gab es im Mannschaftshotel von Erstligist Paderborn, der eigentlich am Abend in Düsseldorf spielen sollte, Aufregung um Trainer Steffen Baumgart, der Krankheitssymptome zeigte, später aber negativ getestet wurde. SC-Innenverteidiger Luca Kilian (20) hatte weniger Glück, er war am Abend der erste positiv getestete Bundesliga-Profi.

Nürnberg verbietet Italien-Länderspiel

Zudem sagte die Stadt Bremen die Partie am Montag gegen Bayer Leverkusen ab. Die Hansestadt hatte trotz des vorgesehenen Geisterspiels mindestens 2000 bis 3000 Menschen rund ums Weserstadion erwartet und daher diese Entscheidung getroffen. Am Abend folgte die Stadt Nürnberg, untersagte Bundestrainer Jogi Löw und seinen Stars das Geister-Testspiel gegen Italien am 31. März.

Dass die Vernunft letztendlich über das (TV-)Geld siegte, begrüßen viele. „Es ist die richtige Entscheidung, das jetzt zu stoppen und alles dafür zu tun, die Ausbreitung des Virus aufzuhalten“, schrieb der Berliner Bayern-Profi Jerome Boateng in einem Sozialen Netzwerk.  „Wir alle lieben das Spiel, aber am Ende gibt es viel wichtigere Dinge als Fußball.“ Der 31 Jahre alte Rio Weltmeister appellierte: „An alle, bleibt daheim, bleibt sicher, bleibt gesund!“

Hertha auf dem Weg zum Flughafen gestoppt

DFL-Vize-Boss Alexander Wehrle erklärte: „Wir haben uns heute Nachmittag dazu entschieden, alle Spiele abzusagen, weil weitere Verdachtsfälle aus der 1. und 2. Bundesliga dazugekommen sind. Es ist nicht auszuschließen, dass morgen oder am Sonntag weitere hinzukommen. Die Gesundheit aller hat oberste Priorität. Nächste Woche werden wir gemeinsam überlegen, wie es weitergeht.“

Gerade noch rechtzeitig erfuhr Hertha von der Absage des Spieltags. Die Blau-Weißen befanden sich bereits auf dem Weg zum Flughafen, um die Reise zum Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim anzutreten. Manager Michael Preetz begrüßte die Entscheidung: „Vorausgesetzt, die Liga folgt am Montag der Empfehlung des Präsidiums, haben wir nun einige Wochen Zeit, die Entwicklungen bezüglich des Virus zu beobachten und dann die Situation neu zu bewerten.“