Unions Julian Ryerson (22, r.) darf durch das Corona-Chaos in Norwegen auf sein Debüt in der Nationalmannschaft hoffen.  Foto: Matthias Koch

Die Skandinavier sind berühmt für ihre spannenden Krimis. Und die Corona-Posse um Norwegens Fußballverband NFF steht den Drehbuchgeschichten in nichts nach. Nach Hertha-Torhüter Rune Jarstein (36) ist nun auch Union-Verteidiger Julian Ryerson (22) mittendrin im Corona-Chaos.

Auf die Verwirrung um einen Corona-Fall und ein Reiseverbot der norwegischen Nationalmannschaft folgte am Montag die Fortsetzung des Corona-Krimis: Sollten sich die Nationalspieler nicht an die angeordnete Isolation halten, droht der in Oslo zuständige Amtsarzt Tore W. Steen mit einer Geld- oder sogar Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren.

Gegenüber dem „Dagbladet“ bekräftigte NFF-Chefin Lise Klaveness, die Spieler hätten vor ihrer Abreise versichert, „dass sie sich an die Regeln halten. Und wir haben die Wichtigkeit, dass sie dies tun, noch einmal unterstrichen“.

Inzwischen war das Ganze schon bis in allerhöchste Kreise vorgedrungen. Regierungschefin Erna Solberg stellte klar, mit Fußballern „nicht weniger streng“ umgehen zu wollen wie mit allen anderen: „Es ist unsere ganz grundsätzliche Strategie, Menschen in Quarantäne zu schicken, wenn sie in der Nähe eines Infizierten waren. Viele andere Länder um uns herum tun dies nicht, und das ist einer der Gründe dafür, dass die Zahl der Fälle bei uns kleiner ist.“ Heißt: Sie besteht darauf, dass Jarstein oder auch Dortmund-Stürmer Erling Haaland und Leipzig-Angreifer Alexander Sörloth nach ihrer Rückkehr zu ihren Klubs zehn Tage in Quarantäne müssen.

Dagegen verweist Hertha auf KURIER-Nachfrage auf die in Berlin geltenden Corona-Regeln. Jarstein müsse nach den Vorkommnissen in Norwegen zwei negative Virus-Tests vorweisen, um wieder ins blau-weiße Mannschaftstraining einzusteigen. Ähnlich sieht es Herthas kommender Gegner Borussia Dortmund (Sonnabend, 20.30 Uhr). Der BVB bangt um den Einsatz von Super-Stürmer Erling Haaland. 

Jarstein wurde bereits am Montagmorgen erstmals getestet. Sollte der 36-Jährige gegen den BVB nicht zur Verfügung stehen, stünde Nils Körber (24) als Ersatz parat.

Neu und plötzlich mittendrin im Corona-Krimi ist nun auch Unions Ryerson. Der bisherige U21-Nationalspieler (13 Einsätze) wurde für Norwegens Notelf nominiert, die am Mittwoch (20.45 Uhr) in Wien gegen Österreich um die letzte Chance auf den Aufstieg in der Nations League und den damit verbundenen vermeintlich einfacheren Lostopf bei der WM-Quali kämpft.

„Wir wollten Julian diese Chance gerne ermöglichen“ teilte Union dem KURIER mit: „Wir hätten es lieber gesehen, wenn Julian direkt nach Wien statt zunächst nach Oslo geflogen wäre.“

Der Plan der Norweger sieht anders aus: Alle neu berufenen Spieler sollen am Osloer Flughafen in einem Hotel getestet werden, bevor es am Dienstag mit einem Charterflug nach Wien geht. Dort trifft Ryerson auf Union-Kapitän Christopher Trimmel. Vorausgesetzt, der Corona-Krimi liefert keine weitere Wende ...