Erling Haaland von Borussia Dortmund. 
Erling Haaland von Borussia Dortmund.  Foto: imago images/Moritz Müller

Borussia Dortmund und RB Leipzig in der Champions League - die einen feierten, die anderen reisten verbittert heim.  

So blau kann das Auge gar nicht werden, mit dem der BVB in der Champions League auf Kurs gekommen ist. Eine Vorstellung zum Davonlaufen bringt die Borussia gegen Zenit St. Petersburg mit Mühe glücklich ins Ziel. Erst ein Elfmeter sorgt für die Erlösung, er ist die Basis für ein 2:0 (0:0), das trotzdem viele Fragen offen lässt.

Ist das schon alles, was der BVB in der Königsklasse gebacken bekommt? War das 1:3 zum Start bei Lazio Rom schon mau, dann ist auch der mühsame Dreier gegen die Russen alles andere als eine Offenbarung. Es klappt nicht immer so wie zuletzt in der Liga beim 3:0 gegen Schalke, als sich Borussia den Gegner eine knappe Stunde zurechtgelegt und dann abgeschossen hat.

Die Hoffnung, die Partie gegen Russlands Top-Verein könnte ein Double dessen werden, wird immer kleiner. Der BVB dominiert, hat deutlich mehr Ballbesitz, findet aber kaum die Lücke in Zenits Defensivbeton. Erst als Joker Thorgan Hazard von Wjatscheslaw Karawajew niedergerissen wird und Jadon Sancho das Elfmeter-Geschenk sicher einklinkt (78.), ist die Blamage abgewendet.

Was zuvor abgeht, ist ganz schwere Kost. Mit einer Vierer-Abwehr und einer Fünferkette nimmt Zenit dem BVB-Spiel jeglichen Raum. Marco Reus (der Kapitän steht mal wieder in der Startelf), Erling Haaland und Kollegen sind so gut wie nicht zu sehen.

Das größte Dilemma aber ist: Die Schwarz-Gelben bekommen kein Tempo in ihre Angriffe, sie gefallen sich in kleinteiligen Aktionen, gewinnen kaum Tiefe und kommen fast nie hinter die gegnerische Abwehr. Zäh quälen sich die Dortmunder durch die Partie. Von einfachem, geradlinigem Spiel ist nichts zu sehen.

Je komplizierter, desto Borussia. Ein Schuss von Giovanni Reyna (15.), ein Versuch von Reus (39.), eine durchaus dicke Chance von Haaland (42.) – das ist es für ganz lange Zeit. Fast wäre es noch böser gekommen. Weil Roman Bürki zu spät aus seinem Kasten kommt, ist Alexander Jerokin mit dem Kopf da, zielt zum Glück aber drüber (35.).

Selbst als mit Artjom Dziuba der einzige Gäste-Stürmer zur Pause leicht verletzt in der Kabine bleibt und das eigentlich harmlose Angriffsspiel der Russen noch durchschaubarer wird, entschlüsselt wird die Zenit-Abwehr-DNA trotzdem nicht.

Das, was da in Schwarz-Gelb durch das zuschauerlose Stadion wuselt, kann nicht der BVB sein. Viel zu pomadig geht es nach vorn, die Umständlichkeit ist geradezu spürbar und die zunehmende Verunsicherung zieht sich durch alle Mannschaftsteile.

Das bringt Lucien Favre, den ohnehin schon angeknacksten Trainer, in zusätzliche Erklärungsnot. Selbst wenn der Schweizer seinem Team einen Matchplan mitgegeben hat, zu erkennen ist keiner. Zu verschwommen, zu unstrukturiert und viel zu fahrig präsentiert sich der BVB. Für Europas Königsklasse ist das Gemurkse viel zu wenig, selbst als Haaland in der Nachspielzeit (90.+1) das 2:0 glückt. Das Ergebnis stimmt, die Leistung aber bleibt ein einziges Fragezeichen.                   

... und RB Leipzig geht in Manchester 0:5 unter 

Mason Greenwood trifft für Manchester zum 1:0.  
Foto: imago images/PA Images
Mason Greenwood trifft für Manchester zum 1:0.  

Auch RB Leipzig hat die fast zwei Jahrzehnte anhaltende Dominanz von Manchester United im Old Trafford gegen deutsche Teams nicht stoppen können. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann ging am Mittwochabend beim englischen Rekordmeister mit 0:5 (0:1) unter und musste mit der ersten Pflichtspiel-Niederlage der Saison auch die Tabellenführung in der Gruppe H der Königsklasse abgeben. RB ist nach dem Auftaktsieg gegen Basaksehir nun punktgleich mit Paris Saint-Germain. Die Franzosen gewannen zuvor 2:0 in Istanbul. Der letzte deutsche Sieg in der altehrwürdigen Spielstätte in Manchester gelang dem FC Bayern München 2000/2001 (1:0).

Mason Greenwood (21. Minute), mit 19 Jahren der jüngste Spieler auf dem Platz, schoss die Red Devils vor der Geisterkulisse im Old Trafford in Führung, ehe Rashford mit einem Dreierpack (73./78./90.+2) und Anthony Martial per Foulelfmeter (87.) den ersten Heimsieg in dieser Saison perfekt machten. Zuvor gab es es in der Premiere League ein 1:3 gegen Crystal Palace, ein krachendes 1:6-Debakel gegen Tottenham Hotspur und ein 0:0 gegen den FC Chelsea.

Nagelsmann, der an der Seitenlinie mit einem grau karierten Sakko auffiel, ließ die zuletzt leicht angeschlagenen Marcel Sabitzer und Tyler Adams zunächst auf der Bank. In der Dreierkette der Innenverteidigung bekam der Franzose Ibrahima Konaté den Vorzug vor Willi Orban. Man-United-Coach Ole Gunnar Solskjaer überraschte mit Paul Pogba auf der linken Seite und mit Donny van de Beek im Mittelfeld und verzichtete überraschend auf Rashford in der Startelf. Dafür setzte er auf Greenwood, was sich sofort auszahlte.

Der Stürmer lief nach einem Pogba-Pass in abseitsverdächtiger Position halblinks kurz Dayot Upamecano davon und schob an RB-Keeper Peter Gulacsi vorbei zur Führung ein (21.). Trotz Gegencheck der Video-Referees wurde der Treffer nicht zurückgenommen. Für die Sachsen war es ein Wachrüttler: Erst testete Christopher Nkunku (21.) United-Keeper David de Gea, dann blieb Kevin Kampl (24.) mit seinem Schuss in der Abwehr hängen. RB bemühte sich, konnte spielerisch aber gegen laufbereite Gastgeber wenig Akzente setzen.

Nach dem Wechsel erhöhte RB das Tempo, spielte die Bälle direkter und hatte somit mehr Freiräume in Umschaltsituationen. Meistens war jedoch an der Strafraumgrenze Endstation. Man United blieb in den Zweikämpfen enorm präsent und spielte in der Offensive genauer. Nach gut einer Stunde brachte Nagelsmann erst Kapitän Sabitzer, dann den Norweger Alexander Soerloth - Solskjaer parallel Rashford.

Den Ausgleich für RB verhinderte in der 65. Minute de Gea mit einer Glanzparade nach einem Kopfball von Konaté aus Nahdistanz. Auf der Gegenseite stand Gulacsi (71.) nach einer Standardsituation gegen den hereinspringenden Anthony Martial goldrichtig. Danach startete die Show des eingewechselten Rashford, der gleich dreimal eiskalt verwandelte.