Am 11. März rollte beim Geisterderby zwischen Gladbach und Köln (2:1) bisher zum letzten Mal der Ball in der Bundesliga. Geht es vier Wochen weiter? imago images/Sven Simon

Berlin - Belgien hat wegen der Corona-Krise kapituliert, verkündete den Saisonabbruch, Meister ist der FC Brügge. In Holland gibt es auch Überlegungen. Marc Overmars, Sportdirektor von Ajax Amsterdam plädiert auch für ein vorzeitiges Ende der Spielzeit. Die Bundesliga hofft dagegen weiter, dass der Ball nächsten Monat wieder rollt. Alles neu macht der Mai.

Die Uefa ist seit der belgischen Absage in höchster Alarmbereitschaft. Die Befürchtung in der europäischen Fußballzentrale ist groß, dass andere nationale Ligen folgen und wie Dominosteine umfallen. Der Appell in einem Brandbrief an alle Fußballverbände war unmissverständlich, die Wortwahl drastisch.  Von „überragender Bedeutung“ sei es trotz dieser „zerstörerischen Pandemie“, dass die Entscheidungen auch weiterhin „auf dem Spielfeld“ fallen.

Ein plötzlicher Saisonabbruch wie in Belgien? Überhaupt keine Option und momentan total „verfrüht und ungerechtfertigt“ – trotz steigender Corona-Fallzahlen. Das Schreiben war aufgesetzt von den Uefa-Bossen, der Klubvereinigung ECA und der kontinentalen Ligavereinigung. Das Motiv war auch klar: Ausreißer wie Belgien sollen verhindert werden. „Ein Abbruch sollte der allerletzte Ausweg sein“, heißt es in dem Schreiben.

Solidarität ist doch keine Einbahnstraße

Der erzürnte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin brachte der Alleingang der Belgier in Rage: „Das ist nicht der richtige Weg, Solidarität ist doch keine Einbahnstraße. Man kann nicht nach Hilfe fragen und dann einfach selbst entscheiden, wie es gerade passt.“ Das einzige Druckmittel des europäischen Verbands: Wer seine Saison abbricht, wird für die neue Saison in der Champions League und Europa League gesperrt.

Die Bundesliga liegt auf Uefa-Kurs. Die DFL hofft weiter, dass die bisher nur unterbrochene Saison im Mai fortgesetzt werden kann. Borussia Dortmunds Präsident Reinhard Rauball bleibt optimistisch: „Wir sind schon froh, wenn wir jetzt die Möglichkeit haben, das Training ordnungsgemäß zu beginnen und das brauchen wir auch, um dann ideal am 2. Mai oder um den 2. Mai herum mit dem ersten Spieltag zu beginnen.“

Möglich wäre auch der 9. Mai. „Dann würden wir in jedem Fall, und das ist eigentlich das vorrangige Ziel, was uns allen vorschwebt, dann könnten wir noch bis zum 30.6. die Saison abschließen unter Einschluss des DFB-Pokals“, sagte der 73-Jährige. In Frankfurt arbeitet man „unter Hochdruck“ an einem Masterplan für eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu arbeiten.

Hofft wie alle, dass ab Mai der Ball wieder rollen kann: Dortmunds Präsident Reinhard Rauball. Foto: imago images/Eibner

Angesichts bundesweit neuer Infektionen könnten die Lösungen für (fast) alle Probleme aber eigentlich nur sogenannte Corona-Schnelltests sein. Es wird schon spekuliert, ob alle Profis jeden dritten Tag so einen Test machen müssen, damit sie sich beim möglichen Spielbetrieb nicht gegenseitig anstecken. Ganz abgesehen davon. müssen sich die Klubs auch beim Trainingsbetrieb an die staatlichen Verordnungen halten. „Der Fußball wird immer alle behördlichen Vorgaben einhalten“, erklärt die DFL in einem Brief. „Wir können natürlich nicht unsere eigenen Regeln machen, das ist klar. Wir richten uns nach den Beschlüssen der Politik“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Nach jetzigem Stand ist alles nur ein Hoffen. Denn keiner kann sagen, wie sich das Covid-19-Virus weiter ausbreitet. Wenn überhaupt wieder gespielt, dann wohl nur ohne Zuschauer. So bekämen die Klubs wenigstens noch die TV-Einnahmen.

Politik muss mitspielen

Doch auch das kann sich ändern, wenn die Politik die Parameter der Schutzmaßnahmen ändern sollte. Zum Beispiel könnten schon von Corona geheilte Fans, die keinen Mitmenschen mehr anstecken können, vom bisher allgemeinen Kontakts-verbot ausgenommen werden. Und sie dürften dann auch zurück in die Bundesliga-Stadien. DFL-Boss Christian Seifert bleibt bei allen Gedankenspielen optimistisch:  „Wir glauben, dass wir es hinbekommen, die Saison auf einigermaßen regulärem Weg bis zum 30. Juni zu Ende zu spielen.“

Alles neu macht der Mai.