Nach Derby-Toren macht Thorgan Hazard (l.) und Julian Brandt sogar der Corona-Jubel Spaß. Foto: AFP

Was hätten die Borussia-Fans diesen Mega-Sieg gefeiert! Das Spiel der Spiele gewonnen! Den ewigen Rivalen Schalke im 156. Derby, davon im 96. in der Bundesliga, mit 4:0 (2:0) vom Platz gefegt und Tabellenführer Bayern München, der heute beim 1.FC Union Farbe bekennen muss, bis auf einen Punkt auf den Pelz gerückt. Das Beste aus Sicht des Siegers ist: Der BVB ist im Derby-Knaller Brandt-gefährlich.

Gefeiert haben die Anhänger der Schwarz-Gelben trotzdem. Nicht wie sonst auf der Südtribüne, klar. Sondern so wie die Spieler auf neue Art – irgendwo auf Abstand. Am Ende symbolisch mit „la Ola“ vor der nicht vorhandenen gelben Wand. Denn besser kann die Rest-Saison für den Tabellenzweiten kaum beginnen. Das ist durchaus eine Ansage des Teams von Trainer Lucien Favre, es ist der höchste Derby-Sieg der Dortmunder seit 54 Jahren und der 800. Erfolg ihrer Bundesliga-Historie.

Ein 4:0 – das lässt, zumindest in Ansätzen, ein wenig ein Gefühl aufkommen an jenes legendäre 4:4 vom November 2017, als der BVB schon zur Halbzeit eigentlich uneinholbar führte, trotzdem noch total einbrach. Davon ist diesmal nichts zu merken. Nicht nur, dass die Trainer andere sind, auch vom Personal ist zweieinhalb Jahre später (hier nur Raphael Guerreiro in der Start-Elf, dort immerhin Weston McKennie, Daniel Caligiuri und Bastian Oczipka) kaum was übrig.

Brandt-Show nach der Halbzeit

Dabei sind die Schwarz-Gelben beim Re-Start der Bundesliga nach 66 Tagen nicht einmal besonders gut aufgestellt. Mit Kapitän Marco Reus (im Aufbautraining), Axel Witsel, Emre Can (beide Muskelfaserriss) und Jan-Axel Zagadou (Außenbanddehnung im linken Knie) fallen vier Stammspieler aus. Außerdem muss Talent Giovanni Reyna, eigentlich in der Start-Elf, kurzfristig doch noch passen.

Trotzdem leisten sie sich den Luxus, Jung-Star Jadon Sancho (mit 14 Saisontoren aktuell der BVB-Top-Torjäger) 79 Minuten auf der Bank zu lassen. Dafür ist Erling Haaland sofort da. Ruck-zuck geht es vor seinem 1:0 (29.) – über Lukasz Piszczek, Julian Brandt (klasse per Hacke weitergeleitet) und Thorgan Hazard ist der Norweger zu seinem zehnten Saisontor da. Als Raphael Guerreiro das 2:0 (45.) nachlegt, ist fast schon alles geklärt, zumal die Schalker kaum ein Bein auf den Rasen bekommen und bis auf eine Mini-Chance durch Daniel Caligiuri (26.) so gut wie nichts reißen und zum achten Mal in Folge sieglos bleiben.

Anders die Borussia. Bei ihr dreht vor allem Brandt auf. Wenn es schnell abgeht in Richtung 04-Kasten, dann hat der Nationalspieler seine Idee entscheidend mit eingebracht. So ist es nach dem 1:0 auch beim 3:0 von Hazard (48.) und ebenso beim 4:0 durch Guerreiro (63., toll mit dem Außenrist), das Brandt zuvor mit einem öffnenden Pass ermöglicht. „Auch unter ungewöhnlichen Umständen muss man versuchen, seinen Spaß zu finden“, sagt Brandt, „den hatten wir teilweise auch diesmal. Was gibt es Schöneres, als mit so einem Sieg wieder in die Saison einzusteigen.“