Dresdens Torsten Gütschow prüfte BFC-Schlussmann Bodo Rudwaleit. 33 Jahre ist das jetzt her. imago/Camera 4

Irre guter Einfall oder doch Schnapsidee? Seit gestern wird wild diskutiert, was Halles Präsident Jens Rauschenbach (51) angestoßen hat. Der Boss des Drittligisten will während der WM in Katar eine Art DDR-Meisterschaft austragen. Die Rückkehr der Oberliga sozusagen (KURIER berichtete). 

Ostdeutsche Traditionsklubs im Wettstreit miteinander statt zwei Monate Stillstand – das hätte natürlich was. Inklusive der Fifa-Abstellungsperiode ruht ja vom 14. November bis 20. Januar der Ball. Doch Rauschenbachs Idee, vorgestellt im MDR-Podcast „Badkurvenversteher“, greift manchen zu kurz. Die Spielpause betrifft ja nur die drei oberen Fußballligen. Alles darunter – von der Regionalliga bis hin zur Kreisliga C –  ist ja weiter im Spielbetrieb.

Karsten Heine begrüßt Überlegungen

„Man soll ja nicht immer gleich alles verteufeln, sondern erst mal sehen, ob das eine gute Idee ist. Grundsätzlich sind alle Anregungen, die in dieser langen Zeit ohne Einnahmen Geld in die Kassen der Klubs spülen, begrüßenswert“, meinte Altglienickes Trainer Karsten Heine, der einst als Spieler für Stahl Brandenburg und den 1. FC Union in der Oberliga gekickt hat.

Dennoch greift für ihn die Idee von Rauschenbach viel zu kurz. „Man muss sich doch nur mal in der Regionalliga umsehen, wie viele Traditionsklubs da spielen. Die könnten alle nicht mitmachen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der NOFV da kurzfristig eine Pause anordnet“, so der 67-Jährige.

Von den ersten 14 der ewigen DDR-Oberliga-Tabelle müsste dann ja nicht nur Spitzenreiter CZ Jena passen, sondern es wären mit Erfurt, Chemnitz, Lok und Chemie Leipzig sowie Frankfurt/Oder gleich fünf weitere Klubs – oder deren Nachfolger – nicht mit dabei.

Viele Traditionsklubs wären außen vor

Auch Energie Cottbus nicht, obwohl deren Zeit in der höchsten Spielklasse der DDR mit sieben Saisons eher überschaubar war. Doch weil die Lausitzer in den Nachwendezeiten eine der wenigen Ostmannschaften waren, die auch mal Bundesliga gespielt haben, würden sie so eine „neue Oberliga“ natürlich schmücken.

Wenn Rauschenbachs Idee mehr als ein Hauch von Nostalgie sein soll, dürfte man auf all diese Teams ja schwerlich verzichten wollen. Denn nur mit dem 1. FC Union, Hansa Rostock, dem 1. FC Magdeburg, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, dem Halleschen FC und dem FSV Zwickau sowie eventuell dem BFC Dynamo als achtem Team wird man so dem Anspruch Wiederbelebung der DDR-Oberliga kaum gerecht.

Karsten Heine, Trainer der VSG Altglienicke, und Dynamos Chefcoach Christian Benbennek (r.) haben gute Argumente gegen die Rückkehr der Oberliga. Patrick Skrzipek

Vom Oberliga-Rekordmeister BFC, der sowieso nur Zeit hätte, falls er sich in der Relegation gegen Nord-Meister Oldenburg durchsetzt, kommt da noch ein ganz anderes, nicht von der Hand zu weisendes Argument. „Wir werden als letztes Team mit der Saison fertig. Und nur zwei Wochen danach müssen wir fast schon wieder mit der Vorbereitung beginnen. Die 3. Liga startet ja schon wieder am 22. Juli. Wenn meine Jungs überhaupt so etwas wie Urlaub haben können, dann während der WM-Pause. Da können wir sie noch mal wegschicken zum Erholen“, so BFC-Coach Christian Benbennek.

Alles in allem eine nette Idee von Rauschenbach! Aber wirklich umsetzbar? Fortsetzung folgt ...

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