Zurück in die Zukunft oder vorwärts in die Vergangenheit? Der BFC Dynamo müsste bei einem Aufstieg in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ausweichen.
Zurück in die Zukunft oder vorwärts in die Vergangenheit? Der BFC Dynamo müsste bei einem Aufstieg in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ausweichen. Jens Kalaene/dpa

Wenn einer, der mit Mühe kaum gekrochen ist auf einen Baum, schon glaubt, dass er ein Vogel wär’ – dann irrt sich der. Es kommt einem unweigerlich Altmeister Wilhelm Busch in den Sinn, wenn man sich in diesen Wochen mit dem BFC Dynamo beschäftigt. Da sind die Weinrot-Weißen sich mühend mal so gerade eben in der Spitzengruppe der Regionalliga angekommen. Und schon kommen forsche Töne aus Hohenschönhausen – Dynamo will einen Lizenzantrag für die 3. Liga stellen!

Höhenflug nicht bekommen? Gemach, gemach! Das Gegenteil ist der Fall. Gerade weil man bei den Weinrot-Weißen keine Luftschlösser bauen will, sondern auf alle Eventualitäten eine Antwort parat haben will, soll der kostspielige Antrag eingereicht werden.

Man rechnet bei Dynamo nicht zwingend mit Platz eins am Saisonende. Aber es wäre grob fahrlässig, wenn die Meisterschaft – und in dieser ausgeglichenen Liga darf ja nichts ausgeschlossen werden! – womöglich verteidigt würde und man dann am Ende nicht in der Relegation gegen den Vertreter der Regionalliga Bayern antreten dürfte. Die im Süden würden sich ins Fäustchen lachen. Und die Tränen im Sportforum wären groß. 

BFC kalkuliert Kosten für Lizenzantrag mit rund 20.000 Euro

Um die 20.000 Euro müssten für Wirtschaftsprüfer & Co. auf den Tisch gelegt, außerdem der Stichtag 1. März eingehalten werden. Doch es wäre sinnvoll investiertes Geld. Bei jedem Antrag würde der BFC hinzulernen, künftige Fehler vermeiden. Was wichtig ist für den Fall X, sprich Aufstieg! Ob er nun jetzt oder eher später eintritt.

Und dem DFB wird damit signalisiert, dass in Hohenschönhausen vernünftig gewirtschaftet wird. Wichtig für die künftige Erteilung einer Spielerlaubnis, dass die hohen Herren in Frankfurt am Main sehen, dass da ein verlässlicher Spielpartner mit am Tisch sitzt. Vertrauen schaffen ist auch da wichtig. Das ist ein hohes Gut, das nicht unterschätzt werden sollte.

BFC müsste bei Aufstieg zurück in den Jahnsportpark

Schon in der Vorsaison hat Dynamo ja einen Antrag gestellt. Allerdings musste der BFC bei seinem kalkulierten 4-Millionen-Etat eine Bürgschaft in Höhe von 900.000 Euro nachweisen. Das gelang auch.

Die Kohle ist auch nicht weg, aber große Teile waren eben auch Bürgschaftsmittel. Und der Rest aus Spenden und Ähnlichem floss in das diesjährige Budget ein. Auch um die langjährigen Mäzene mal zu entlasten.

Bestandteil des Lizenzantrages ist natürlich eine entsprechende Spielstätte. Dynamos Plan sieht vor, für die Spielzeit 2023/24 im Falle des Aufstieges in den Jahnsportpark zurückzuziehen. Im Premierenjahr eines Klubs greift in der 3. Liga ja eine Ausnahmegenehmigung, wonach man eine Spielzeit lang keine Rasenheizung benötigt. „Dieser soll dann bis 2024 offen bleiben. In dieser Zeit wollen wir das Thema Sportforum final mit der Politik klären, da das Mommsenstadion nach der Schließung des JSP 2024 absolut KEINE Option für uns darstellt“, schrieb Wirtschaftsratsboss Peter Meyer im Fanforum der Weinrot-Weißen. 

Der BFC hofft weiter auf neues Stadion im Sportforum

Bittere Pille. Aber es hätte den interessanten Nebeneffekt, dass die Politik bei ihren 113 Millionen Euro schweren Umbaupläne des Jahnsportparks eben berücksichtigen müsste, dass der BFC halt schon drittklassig wäre und man das Problem Sportforum nicht abmoderieren oder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben kann, in der Hoffnung, dass es sich von selbst auflöst. Die Bagger sollten ursprünglich Ende 2023 im Cantian-Komplex rollen. Das würde dann um zwölf Monate verschoben werden. Aber man könnte darauf hoffen, dass im Sportforum eventuell doch ein Drittliga-fähiges Stadion mit rund 5000 Plätzen als Notwendigkeit erkannt wird.

Pikanterie am Rande: Viktoria ’89 ist ja gerade erst aus dem Jahnsportpark zurück nach Lichterfelde gezogen. Verwaist ist die altehrwürdige Sportstätte aber in der ersten Hälfte des Jahres nicht. Die VSG Altglienicke hat ihre Diaspora im Amateurstadion von Hertha BSC aufgegeben, spielt die Rückrunde 2022/23 nun im Exil des Jahnsportparks. Immer noch weit weg von der Heimat. Aber ein gehöriges Stück näher dran.

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