Vorbildliche Schusshaltung! Heiner Backhaus, der neue Cheftrainer des BFC Dynamo, zeigt, dass er noch nicht alles verlernt hat. Patrick Skrzipek

Heiner Backhaus schreibt mit Genuss den Namen Beck an die alte Taktiktafel im Trainerzimmer im Kabinentrakt des Sporforums. Er hätte getrost auch den Namen Joey Breitfeld (25) schreiben können. Denn das Eigengewächs und auch Abwehr-Ass Chris Reher (28) bleiben dem BFC Dynamo ebenso erhalten wie zuvor Torjäger Christian Beck (34). Alles andere war kurz zuvor von der Fläche  abgewischt worden, als der KURIER-Reporter bei seinem Antrittsbesuch beim neuen Trainer der Hohenschönhauser ins Allerheiligste durfte.

Nicht dass durch einen zufälligen Blick die Namen von potenziellen Neuzugängen erspäht werden, die der Meister der Regionalliga Nordost gerne holen möchte, aber die noch nicht unterschrieben haben. Könnte ja die Konkurrenz auf den Plan rufen ... „Natürlich haben wir Planspiele gemacht und hier eine mögliche Mannschaft skizziert“, so Backhaus mit Blick auf das Whiteboard. Wer könnte wo eine Rolle spielen? Was wären mögliche Alternativen?

Ebenfalls weiter mithelfen beim Unternehmen Titelverteidigung werden Darryl Geurts (27) und Torwart Dmitri Stajila (30), die ja letzten Sommer Zweijahresverträge erhalten hatten. Alles Weitere muss sich finden. Und wer Wirtschaftsratschef Peter Meyer und Klub-Boss Norbert Uhlig kennt, weiß, dass die beiden in den letzten Tagen alles andere als auf der faulen Haut gelegen haben.

Was Dynamo-Trainer Backhaus mit Felix Magath verbindet

Backhaus, der zuletzt bei Südwestregionalligist TuS Koblenz gearbeitet hat – und da sicher auch den einen oder anderen Kicker auf seinem Zettel hat – ist heiß drauf, endlich loslegen zu können. Es kribbelt. Grinsend präsentiert er sich mit zwei Medizinbällen unter dem Arm. Wohl wissend, dass am anderen Ende der Stadt vor Kurzem jemand als Fußballlehrer unterwegs war, für den diese Kugeln unabdingbar sind. Bei Backhaus bleiben sie zwar nicht im Schrank, sind aber allenfalls ein Utensil in der Vorbereitung. Genauso wie der Laptop.

„Berlin und ich, das passt. Das habe ich schon bei meinem ersten Engagement hier in der Stadt gemerkt“, so Backhaus. Den Vereinsnamen nimmt er nicht in den Mund, weil er weiß, dass der in Hohenschönhausen verpönt ist. „Ich bin ein Kind des Reviers“, meinte der 40-Jährige. „Ähnlich wie im Pott sind hier die Leute sehr direkt, da bleibt nichts auf der Strecke. Ich mag das“, meint der dreifache Vater, dessen beide Söhne aus erster Ehe mit 16 (Louis) und 15 (Leo) schon ein gewisses Alter erreicht haben. Anders als sein jüngster Schatz. Töchterchen Carlotta ist süße sieben Monate jung.

Medizinbälle wie bei Felix Magath? Eher nicht so das Ding von Heiner Backhaus. Patrick Skrzipek

Von der wird er in den Vorbereitungswochen nicht ganz so viel haben. Seine Lebensgefährtin bleibt weiter zu Hause. Sie wohnen im Landkreis Nienburg, nicht weit von Hannover entfernt. Doch seine ganze Kraft gilt jetzt Dynamo. Da will der Trainer ein größeres Maß an Flexibilität aufs Spielfeld bringen. „Wir werden jetzt nicht alles ändern, was gut war. Ich weiß aber auch, dass es völlig egal ist, welches System wir spielen, wenn wir nicht gewinnen. Nur Siege zählen“, so Backhaus.

BFC-Coach Heiner Backhaus hat keine Angst vor schwierigen Typen

Sein Vorgänger Christian Benbennek (49) hat da die Messlatte hoch gelegt in seiner dreijährigen Wirkungszeit, die gefühlt durch Corona so anstrengend war wie vielleicht sonst sechs Jahre am Stück. Wenn man es so will, hat der gebürtige Soltauer die Dynamos wachgeküsst wie einst der Prinz im Märchen sein Dornröschen. Nun gilt es aber, die Braut auch in den Hafen der Ehe, sprich in die Dritte Liga zu führen.

Hat das, um was es geht, fest verinnerlicht! Heiner Backhaus will mit dem BFC Dynamo wieder Platz eins angreifen. Patrick Skrzipek

Dass man da auch gewisse Reibungspunkte in einem Team braucht, weiß Backhaus. Und ihm ist davor nicht bange. Nur Liebkindsein hat noch nie den Erfolg gebracht. „Ich habe da keine Hemmungen. Auch mit schwierigen Typen komme ich klar. Vielleicht weil ich als Spieler selber nicht so einfach war. Als Trainer versuche ich immer so zu sein, wie ich mir früher einen gewünscht hätte“, so Backhaus weiter, der sich selber als impulsiven Typen an der Seitenlinie beschreibt.

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