BFC-Trainer Christian Benbennek macht sich beim 1:1 bei Chemie Leipzig im Alfred-Kunze-Sportpark lautstark bemerkbar. Foto: Patrick Skrzipek

Das wird keine Liebesbeziehung mehr. Auf dem Platz nicht und auch drumherum. Duelle zwischen dem BFC Dynamo und Chemie Leipzig sind immer sehr speziell. Auch das 1:1 am Sonntag. Der Regionalliga-Spitzenreiter verlor zwei wichtige Punkte, Chemie in großen Teilen leider die Kontrolle über sich.

Schon beim Hinspiel im September im Sportforum (2:0) hatte es mehr als geknistert. Nach dem Abpfiff gab es Zoff unter den Fans, gegenseitige Vorwürfe, wer von wem beleidigt und womit beworfen wurde. Der NOFV verhängte im Anschluss für den BFC 10.000 Euro Strafe und ein Geisterspiel auf Bewährung (läuft bis 30. Juni 2022).

Drohung gegen Matthias Steinborn

Um neuen Provokationen und jeglichem Ärger aus dem Weg zu gehen, verzichtete Dynamo fürs Spiel im Alfred-Kunze-Sportpark auf alle Eintrittskarten, veranstaltete stattdessen im Sportforum ein Public Viewing. Für die Chemie-Ultras kein Grund zur Zurückhaltung.

BFC-Trainer Christian Benbennek: „Als die Mannschaften aufs Feld laufen, kommt aus der Kurve ‚Steinborn, heute stirbst du‘ und ‚Steinborn, du Hurensohn‘. Das muss man sich mal vorstellen. Dass auf einem Fußballplatz mal gepöbelt wird, gehört dazu. Aber doch nicht so.“

Auch Benbennek wird beleidigt

BFC-Stürmer Matthias Steinborn lief auch ein Jahr für den Stadt-Rivalen Lok auf. Benbennek in Richtung Chemie: „Dieser Verein will immer so anders sein, spricht bei jeder Gelegenheit von Toleranz, hat eine Regenbogenfahne im Block – und dann das. Diese Heuchelei ist für mich unerträglich. Die sind kein Stück besser als andere.“

Auch der Coach selbst war Ziel der Krakeler: „Während des Spiels war hinter unserer Bank im Block alles gut. Normale Fans, die wollten unserem Busfahrer sogar ein Bier ausgeben. Aber aus der Kurve wurde auch ich als ‚Fotze‘ und ‚Hurensohn‘ beleidigt.“

PK-Verzicht als Selbstschutz

Benbennek tat dann, was er noch nie tat: Er ließ die offizielle Pressekonferenz nach dem Spiel sausen: „Da war auch ein Stück Selbstschutz dabei. Hätte gut sein können, dass ich beleidigend geworden wäre.“

Denn nicht nur das Verhalten in der Kurve hatte sein Blut in Wallung gebracht, auch der Spieluntergrund. Benbennek: „Ich habe auch schon Mannschaften trainiert, die sportlich unterlegen waren, und wo man ein bisschen getrickst hat. So weit sind wir aber nie gegangen.“

Lesen Sie auch: Das Streben nach Glück kann auch nach hinten losgehen >>

Der „Rasen“ war eine „Katastrophe“

Was er meint: Der „Rasen“ (BFC-Torjäger Christian Beck: „Eine Katastrophe, eine Frechheit“) war furztrocken, bei jedem schnellen Schritt und jedem Ball-Auftipper gab es eine große Staubwolke. Benbennek süffisant: „Da muss man sich schon Mühe geben, einen Platz so herzurichten.“

Sein größter Wunsch: „Ich will das am liebsten alles schnell abhaken und vergessen. Viel wichtiger ist jetzt unser Spiel am Sonntag gegen Luckenwalde.“