Die Spieler des BFC Dynamo haben mehr als 30 Jahre nach der Wende in der Relegation gegen Oldenburg die Chance, endlich in den Profifußball vorzustoßen. Skrzipek

Wenn sich am Sonnabend im Sportforum 5000 Fans zu einem Fußballspiel versammeln, schaut auch die breite Fanlandschaft in Berlin und vor allem im Osten Deutschlands zu. Sich für den BFC Dynamo zu interessieren, gilt auch über 30 Jahre nach der Wende als nicht angebracht. Vergleichbar vielleicht mit dem heutigen Stand von RB Leipzig. Dabei ist das Relegations-Hinspiel um den Aufstieg in die 3. Liga ab 14 Uhr gegen Nordmeister Oldenburg doch nur ein ganz normales Fußballspiel.

Abneigung und teilweise auch Hass gründen sich auf die zehn Meistertitel, die Dynamo von 1979 bis 1988 in der ehemaligen DDR einfuhr, teilweise nur dank dreister Unterstützung der Schiedsrichter. Verordnet vom einstigen Stasi-Chef Erich Mielke, gleichzeitig Boss beim BFC.

Dynamo für Trainer Benbennek ein gallisches Dorf

Foto: Skrzipek
Stolz wie Bolle: Andreas Pollasch und seine Mitspieler vom BFC Dynamo feiern den Meistertitel der Regionalliga Nordost.

Doch das ist über 30 Jahre her. Keiner der Fußballer, die am Sonnabend gegen Oldenburg auflaufen, hat damals gelebt, keiner der heutigen Macher hatte damals schon eine Hand am Ruder. Dass genau ihnen diese Abneigung entgegenschlägt,  ist ihr Schicksal. In Ordnung ist es nicht.

„Der BFC ist ein bisschen wie ein gallisches Dorf, weil viele aus der Vergangenheit heraus den Verein nicht mögen“, sagt Trainer Christian Benbennek. Dabei ist der gebürtige Niedersachse nicht Asterix, den alle gut leiden können und ihm maximale Erfolge wünschen.

Vielerorts kommt der BFC nicht aus der Stasi-Ecke

Der BFC gibt eher die Römer, die maximal verkloppt dem Publikum den größten Spaß bereiten. Seit 2019 sitzt Benbennek auf der Trainerbank und weiß mittlerweile genau, wo der BFC ein Fußball-Verein ist und in welchem Stadion auch heute noch nur der Stasi-Klub.

Sei’s drum: Der Fußballverein hat es in den vergangenen 38 Spielen der Regionalliga-Nordost allen gezeigt. Souverän, wenn auch am Ende etwas stotternd, fuhren die Dynamos den Titel ein.

Der BFC Dynamo hat sich die 3. Liga verdient

Auch dank der Tore von Christian Beck. Ein Stürmer, der aus Erfurt stammt, beim 1. FC Magdeburg zum Publikumsliebling wurde. Zwei Vereine, die einst allen Grund zur Abneigung auf den BFC hatten. Aber: Das war in einer anderen Zeit. Und so konnte Beck, mitten in der Saison als Stürmer vom BFC, sein Abschiedsspiel beim 1. FC Magdeburg steigen lassen. Es war ein Fest. Ganz ohne irgendein Dynamo-Basching.

Der BFC hat seine zweite Chance genutzt. Die Mannschaft hat sich mit der Meisterschaft die Aufstiegschance erspielt. Weil sie über eine ganz lange Saison die Besten waren. Und das wollen die Jungs heute gegen Oldenburg zeigen. Die Zeit ist reif für den ersten Auftritt des einstigen DDR-Serien-Meisters im bundesdeutschen Profifußball.

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