Artur Viral (r.) tackelt Joey Breitfeld und sieht Rot. Grafik: BFC Dynamo

Die Möglichkeiten, seinem Verein in der Virus-Krise weiterzuhelfen, sind mannigfaltig. Aber überall werden die gleichen Mechanismen angewandt. Fiktive Bratwurst und Bierverkäufe übers Internet, virtuelle Benefizspiele. Der BFC Dynamo trieb es auf die Spitze. Statt die Fans mit der Wiederholung eines Klassikers zu langweilen, streamten sie gestern eine Videoanimation ihres Kicks gegen den FC Corona Covid-19. Der wurde dann auch noch 4:3 (1:3) gewonnen. In der Nachspielzeit, versteht sich. Oder hatte jemand was anderes erwartet?

Ja doch, es war ein großer Spaß, der da in knapp 70 Minuten über die Monitore flimmerte. Mit Pressekonferenz und Interview mit Wirtschaftsratsboss Peter Meyer, der an die Dynamo-Familie appellierte, in diesen finsteren Zeiten zusammenzustehen. Fast 4000 Fans der Weinrot-Weißen hatten zur besten Regionalliga-Sendezeit (13.30 Uhr) ihren PC angeschmissen, um das fiktive Spektakel im „Stadion der Weltjugend“ live auf Youtube zu verfolgen.

Sie wurden nicht enttäuscht, der Kick gegen den wohl verhasstesten Gegner des Planeten sprach für sich. Der BFC gewann, obwohl im Vorfeld kaum Analysen übers Virus-Team bekannt waren und man kaum weiß, wie man die Abwehrkräfte dagegen mobilisieren kann.

Duell mit Artur Viral und Erk Ältung

Ja, warum das nicht alles mal mit einer gehörigen Portion Humor nehmen. Die Liebe zum Detail strahlte zu jeder Sekunde aus dem Video heraus. Allein eine Ballstafette des FC Corona in der von BFC-Pressesprecher Martin Richter und Marketingmann Matthias Moldenhauer kommentierten Partie riefen beim Beobachter ein Schmunzeln hervor. Der spanische Torwart-Oldie Influenza leitete die Kugel weiter auf den Norweger Erk Ältung, der passte zum Italiener Mi Gräne und vorne wirbelten Artur Viral und George Pest. Köstlich!

Herrlich auch die Reminiszenz an Sportreporter-Legende Heinz Florian Oertel (92). Als Ronny Garbuschewski den Siegtreffer – hatten wir schon gesagt, dass der BFC-typisch erst in der Nachspielzeit fiel? – markierte, appellierte Moldenhauer an die weiblichen BFC-Fans, bei ihren künftigen Sprösslingen Mut zu beweisen und sie Ronny zu nennen ...

Insgesamt eine wirklich tolle Aktion, bei der die Hohenschönhauser von ihren Anhängern nicht nur Geld einsammelten – die Spendensumme hatte bei Anpfiff des Kicks schon 71000 Euro erreicht und es wurde mittendrin weiter fleißig virtuell konsumiert –, sondern ihnen im Gegenzug auch etwas mehr boten als die vage Hoffnung, irgendwann mal wieder live im Stadion den Ball verfolgen zu können.