„In Jo’thal soll es heute brodeln, kein Fan bleibt heut’ daheim …“: Ronny Rothé stimmt die Sportfreunde Johannisthal ein. Foto: Thomas Uhlemann

Wer Lust hat, die Spiele der Sportfreunde Johannisthal in der Landesliga – der siebten Liga im Fußball – zu verfolgen, der sollte rechtzeitig da sein. Denn bevor die Spieler auflaufen, beginnt acht Minuten vor Anpfiff das wahre Highlight auf dem Sportplatz am Segelfliegerdamm. Dann schnappt sich Stadionsprecher Ronny Rothé das Mikro und beginnt seine Show.

Geliebt auch von Fans gegnerischer Teams

Der 65-Jährige singt dann seine selbst geschriebene Vereinshymne und ruft: „Die erste Strophe unserer Hyyymmneeee!“ Und die beginnt so: „In Jo’thal soll es heute brodeln, kein Fan bleibt heut’ daheim…“ Und erst danach verliest er die Mannschaftsaufstellungen. In der Halbzeit geht er in die Kurve zu den treuesten Fans und zelebriert Schlagermusik.

Rothé ist Berlins einziger singender Stadionsprecher und stolz auf sein Alleinstellungsmerkmal. Er hat viele Schlager in seinem Repertoire, die von den eigenen Fans und auch von gegnerischen Anhängern geliebt werden. Es soll Leute geben, die nur zu den Spielen pilgern, um Rothés kleine Show zu sehen und zu hören. Man kann sich dabei tatsächlich sehr gut amüsieren.

Rothé, gelernter Elektriker, war viele Jahre Jugendtrainer bei den Sportfreunden im Südosten Berlins, ehe er eines Tages gefragt wurde, ob er nicht Stadionsprecher werden wolle. Das war 2010. Doch nur sachliche Ansagen reichten ihm nicht. Rothé liegt vor allem die Musik und der Hang zur Unterhaltung im Blut. Sein Vater war Musiker, Sänger und Gitarrist der bekannten und in den 60er-Jahren erfolgreichen Band „Die 3 Travellers“. Die schufen 1970 auch den Hertha-Song „Blau-Weiße Hertha“, der noch heute ab und an im Olympiastadion gespielt wird.

Rothé erzählt gern, wie er plötzlich zu einem lokalen, aber sehr populären Entertainer wurde. „Bei einem Spiel gegen Tennis Borussia wurde mein Auftritt gefilmt und später auf YouTube gestellt. Danach war die Hölle los und viele Fernseh- und Rundfunksender meldeten sich.“ Dann der Durchbruch während der Weltmeisterschaft 2014.

Sechs Minuten Auftritt in der ,Sportschau‘

Während eines Public Viewings in Berlin, bei dem Rothé auftrat, war die ARD-Sportschau dabei. „Es war das Spiel Deutschland gegen die USA. Ich war beinahe sechs Minuten in der ,Sportschau‘ zu sehen“, sagt Rothé, der natürlich einen kleinen Hang zur Selbstdarstellung hat.

Dann häuften sich die Anfragen und er gab viele Gastauftritte bei anderen Vereinen, er moderierte und sang bei Benefizspielen. „Das hat unglaublich viel Spaß gemacht“, sagt Rothé. Er besitzt eigene Autogrammkarten und wirbt auf seiner Visitenkarte mit den Worten: „Die mobile Disco mit der persönlichen Note für jeden Anlass.“

Seit drei Jahren tritt er auch regelmäßig als singender Sprecher beim ambitionierten Regionalligisten VSG Altglienicke auf. Dort gibt er die Hymne „VSG Olé“ zum Besten. Den Spielern gefällt es. „Das kommt sehr gut an. Gegen Cottbus habe ich vor 1000 Zuschauern gesungen. Aber ich unterhalte auch gern fünf Fans bei Minusgraden.“ Wenn er nicht im Einsatz ist, geht er auch ab und an ins Olympiastadion zu Hertha. „Aber mir liegt auch Union am Herzen.“

„Botschafter des friedlichen Fußballs“

Für den Rentner ist sein Zeitvertreib, bei dem er viele Leute gut unterhält, eine wunderbare Abwechslung. Er sagt: „Der Fußball verbindet, und ich sehe mich schon als Botschafter des friedlichen Fußballs.“

Und wie lange will er noch auf dem Platz singen und moderieren? Ronny Rothé weiß es ganz genau: „Solange das Publikum sagt: Ronny, mach weiter!“

Fußball-Landesliga: Sonntag, 1. März: Sportfreunde Johannisthal gegen BFC Preussen; Anstoß: 14 Uhr, Kunstrasenplatz Segelfliegerdamm 47a; Eintritt: 6 Euro.