Fast der Held des Abends: Marcus Thuram trifft hier zum 1:0 und später zum 2:0. Zum Sieg reicht das aber nicht. Foto: Imago Images

Mönchengladbach Was ist das für ein krummes Ding! Da schnuppert Borussia Mönchengladbach bis in die dritte Minute der Nachspielzeit am Triumph gegen Real Madrid, hat den Sieg fast sicher. Doch zwei ganz späte Tore bringen die Fohlen um den Lohn in Europas Königsklasse. Darum fühlt sich das 2:2 (1:0) fast wie eine Niederlage an.

So geht Effizienz: ein Torschuss – drin! Wie sehr sich Real spielerisch auch bemüht, den Ball zirkulieren lässt, nicht die Spanier finden die Lücke, sondern die Borussia. Eines der ganz seltenen schludrigen Zuspiele von Toni Kroos bringt das Gefüge im Gäste-Spiel durcheinander. Vor allem der letzte Pass des feinen Konters hat es in sich: Alassane Plea zirkelt die Kugel auf den linken Fuß von Marcus Thuram. Gegen dessen Hammer unter die Latte ist selbst Thibaut Courtois, der 1,99-m-Hüne im Real-Kasten, ohne Chance (33.).

Ein wenig ist die Partie auf den Kopf gestellt. Wobei: Die Fohlen reizen ihre Möglichkeiten sensationell aus. Etwas Glück ist auch dabei, weil die Spanier sich fein bis zum Strafraum kombinieren, das eine oder andere Mal auch weiter, ganz schaffen sie es jedoch nicht. Zum einen steht die Vierer-Abwehr stabil und kommt nur deshalb ins Schwitzen, weil der Ball an den ausgestreckten Arm von Matthias Ginter springt, der Video-Assistent aber nicht eingreift (17.). Glück gehabt, dafür hat es auch schon Elfmeter gegeben.

Glück allein aber ist es nicht, auch eine Portion Können und ein starker Yann Sommer im Kasten. Der Schweizer fischt einen Distanzschuss von Kroos aus dem unteren Eck (29.) und ist auch gegen Asensio da (38.). Das baut auf und bringt den Gegner zur Verzweiflung. Der ist angezählt, zumal schon der Start in die Königsklasse gegen Schachtjor Donezk mit 2:3 in die Hose gegangen war. Trotzdem bleibt Real scharf, doch Asensio scheitert am Aluminium (46.) und Vinicius Junior trifft den Ball in bester Position nicht richtig (50.).

Borussia wackelt, spielt aber umso mutiger weiter. Es ist verrückt, doch für die deutlich torgefährlichen Szenen sorgen nun die Gladbacher. Noch wird Christopher Kramer von Casemiro geblockt (54.), als aber Thuram einen von Courtois mit Mühe abgewehrten Schuss von Plea zum 2:0 abstaubt (58.), ist das Glück nahezu perfekt. Es ist der zweite Abschluss – und auch der sitzt. Das hat was von Klasse! Real-Coach Zinedine Zidane kennt den Jungen, der seinem Team derart zusetzt: Mit Thurams Vater Lilian ist er 1998 Welt- und 2000 Europameister geworden. Zudem verdienen sich die Gladbacher den Vorsprung, weil Plea nur hauchdünn an Courtois scheitert (61.) und Lars Stindl mit einem Distanzschuss knapp das linke Eck verfehlt (66.).

Und Real? Da muss doch was kommen, zumal Luka Modric eingreift. Es kommt das 2:1 durch Karim Benzema (87.) und das ganz große Zittern! Vier Minuten Nachspielzeit, die dann doch den Nackenschlag durch Casemiro bringen (90.+3). So nah ist der grandiose Triumph. Doch so bitter ist nunmehr die Enttäuschung.