Bayerns Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn blickt mit Sorge auf die Auslandsvermarktung der Bundesliga. Foto: Imago

Das Thema TV-Rechte und Auslandsvermarktung der Bundesliga köchelt seit Jahren vor sich hin, sorgt immer mal wieder für Streit zwischen den kleinen und großen Klubs, bis sich dann doch alle einigen können. Bis jetzt. Denn nun deutet Bayern-Boss Oliver Kahn an, dass der Rekordmeister eine eigenständige Vermarktung nicht mehr ausschließt. Es geht natürlich ums Geld.

„Es sollte keine Denkverbote geben, was mögliche Lösungen betrifft, denn wir alle können aktuell nicht mit den Erlösen aus der Auslandsvermarktung der Bundesliga zufrieden sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München in einem Interview der Sport Bild.

Hintergrund sind die insbesondere im Vergleich zur englischen Premier Legaue mickrigen Beträge, die die Bundesliga aus der Auslandsvermarktung kassiert. Und: Während die Einnahmen der Bundesliga aus der der internationalen TV-Vermarktung in den vergangenen Jahren geradezu eingebrochen sind (etwa 40 Prozent), kassieren die Klubs auf der Insel immer mehr. In den kommenden drei Jahren umgerechnet 6,28 Milliarden Euro.

Bundesliga-Meister kassiert weniger als Premier-League-Schlusslicht

Der Grund für Kahns Vorstoß: Der FC Bayern hat Angst, international abgehängt zu werden. So kassiert sogar der Letztplatzierte (!) der Premier League insgesamt mehr TV-Millionen als der Meister der Bundesliga.

Um im Rennen um die TV-Millionen aufzuholen, schließt Kahn eine eigenständige Auslandsvermarktung des deutschen Rekordmeisters in Zukunft nicht aus. Ein solches Szenario wäre für alle anderen Klubs ein Riesennachteil.

Kahn: FC Bayern kein Ausbildungsverein

Kahn sagte aber auch, dass er den derzeitigen Verteilerschlüssel für die Einnahmen aus der Auslandsvermarktung für „ein gutes Maß“ halte, „das die Verursachung der Einnahmen einerseits als auch die notwendige Solidarität andererseits gut widerspiegelt“. Derzeit gehen 35 Prozent der Einnahmen gleichmäßig an alle Bundesligisten, die anderen 65 Prozent werden je nach Abschneiden im Europacup verteilt.

Trotz der immensen Mindereinnahmen im Vergleich zu den anderen Top-Klubs Europas, als Ausbildungsverein für die finanzstarken Klubs aus der Premier League sieht Kahn den FC Bayern nicht. Die Corona-Pandemie habe zwar auch bei den Bayern „massiv eingeschlagen“ und das viel zitierte Festgeldkonto angegriffen, „aber wir werden auch in Zukunft sportlich und wirtschaftlich stark und attraktiv für Top-Spieler sein“, versprach der 52-Jährige.

Kahn verteidigt Champions-League-Reform

Kahn weiter: „Wir wissen genau, auf welchen Feldern wir mehr als konkurrenzfähig sind und wo wir uns weiterentwickeln wollen.“ Er sei positiv gestimmt, „dass wir ein weiteres erfolgreiches Bayern-Jahrzehnt erleben können“.

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Kahn verteidigte in diesem Zusammenhang die Reform des Champions-League-Formats. Die Königsklasse werde „ab 2024 auf die nächste Entwicklungsstufe gehoben“. Der frühere Nationaltorwart verspricht sich vom Liga-System mehr Spannung als in der aktuellen Gruppenphase, das hätte die Simulation der UEFA ergeben.

Über die vorgesehenen zwei Wild Cards für Topklubs könne man „sicherlich streiten“, meinte Kahn, der aber auf das Leistungskriterium der Fünf-Jahres-Wertung verwies.

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