Rudi Assauer auf Schalke mit seiner damals obligatorischen Zigarre im Jahre 2002. imago/Bernd König

Es klingt noch heute bitter, wenn man die Bestandsliste der Habseligkeiten des verstorbenen Schalke-Managers Rudi Assauer liest. Unter anderem gehörten ihm noch ein defekter Fernseher, eine Pfeife, ein defektes Brillengestell, ein beschädigter Glastisch. Vom Millionenvermögen des Fußball-Funktionärs war zum Zeitpunkt seines Todes im Jahre 2019 so gut wie nichts mehr übrig. Noch zehn Jahre zuvor hatte Assauer ein Vermögen von 2,3 Millionen Euro besessen. Wie ist das möglich?

Die Wochenzeitung Die Zeit erhebt schwere Vorwürfe gegen Assauers Tochter Bettina Michel (56). Assauer litt an Demenz, die Tochter kümmerte sich in den letzten Jahren um die Belange ihres Vaters. Sie pflegte Rudi Assauer bei sich zu Hause, soll laut Die Zeit Zugriff „auf ein Schattenreich von Konten“ sowie Schließfächer gehabt haben, die bei der Volksbank Ruhr Mitte in Gelsenkirchen angelegt waren. 

Staatsanwaltschaft Essen ermittelt wegen Untreue

Laut einer Aufstellung des Bundeszentralamtes für Steuern gehörten Bettina Michel mehrere dieser Konten, andere ihrer Mutter, andere wiederum einer früheren Sekretärin Assauers. Dann soll es wiederum Konten einer Firma namens Mirandum GmbH gegeben haben, die unter anderem von einem mit Assauer befreundeten Schönheitschirurgen geführt wurden. Auf all diese Konten habe Bettina Michel Zugriff, so Die Zeit.

Bettina Assauer bei der Trauerfeier ihres Vaters Rudi. Ina Fassbender/dpa

Bereits im August 2020 hatte demnach die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen wegen Untreue aufgenommen. Der Verdacht richtet sich laut Die Zeit gegen Bettina Michel sowie zwei frühere Bevollmächtigte. Im Namen der drei bestreitet ein Anwalt die Vorwürfe. Laut Die Zeit sollen die Bevollmächtigten windige Verträge über den Verkauf von Immobilien abgeschlossen haben, die Assauer gehörten.

So fehlt etwa in einem Vertrag die Kontoverbindung, sodass unklar ist, wer den Kaufpreis erhielt. Laut Vermögensaufstellung sollen von den Besitztümern zum Todeszeitpunkt neben Assauers Habseligkeiten nur noch 15.000 Euro Bargeld, Firmenanteile im Wert von 25.000 Euro sowie ein fast zehn Jahre alter Opel Meriva übriggeblieben sein.