Der Rekordmeister jubelt. imago-images/Poolfoto

Das ist es nun doch – fast! Noch immer braucht der deutsche Rekordmeister zwar einen Sieg für seinen achten Titel am Stück und seinen 30. insgesamt. Nur wird er sich das nicht mehr nehmen lassen. Trotzdem: Viel Glanz hat er beim 2:1 (1:1) gegen Borussia Mönchengladbach nicht versprüht. Es ist eher ein kurioses Münchner Titel-Abc: Arbeitssieg, Bayern-Dusel, Champion.

Die Erleichterung ist nach drei Minuten Nachspielzeit regelrecht greifbar. Leon Goretzka, der Siegtorschütze, der eigentlich aus dem Nichts das 2:1 erzielt (86.), ballt die Fäuste und jubelt. „So ein spätes Tor“, sagt Goretzka, „das uns ermöglicht, schon am Dienstag Meister zu werden (bei Werder Bremen/d. Red.), da bin ich überglücklich.“ Manuel Neuer findet, dass sein Team „der Meisterschaft einen Schritt näher ist. Außerdem ist die Freude immer dann, wenn es ein bisschen knapp ist und man die Spiele doch für sich entscheidet, etwas größer.“

Lange aber, bis zu diesem 2:1, deutet gar nicht so viel auf den zehnten Bundesligasieg der Bayern in Serie. Das liegt einerseits daran, dass mit Robert Lewandowski (30 Saisontore) und Thomas Müller (7 Tore) ein bedeutender Teil der Abteilung Attacke gelb-gesperrt fehlt und mit Kingsley Coman und Alphonso Davies zwei weitere Offensivkräfte zunächst auf der Bank sitzen. Das hat zur Folge, dass die Gladbacher mehr vom Spiel haben, ein Abseitstor erzielen (Jonas Hofmann ist hauchdünn mit seiner Fußspitze drin, 16.), durch Breel Embolo eine ganz dicke Doppelchance vergeben (25.), sich andererseits aber selbst ein Bein stellen.

Sommer trifft die falsche Entscheidung

Yann Sommer, der eigentlich bärenstarke Gladbach-Keeper, der gegen Lucas Hernandez das eigentlich sichere 0:1 verhindert (22.), schießt einen kapitalen Bock. Die Absicht, den Ball im Spiel zu halten, misslingt grandios. Genau in die Füße von Jung-Star Joshua Zirkzee spielt er die Kugel – drin! Das 1:0 ist ein glattes Geschenk. „Ich bin immer um eine gute Balance zwischen Risiko und Sicherheit bemüht“, sagt Sommer, „diesmal aber habe ich die falsche Entscheidung getroffen. Das ärgert mich sehr.“

Trotzdem kommen die Gäste zurück, schaffen, wenngleich nur durch ein Eigentor von Benjamin Pavard, den Ausgleich (37.). Jetzt sind sie wieder dabei im Kampf um die Plätze für die Champions League. Sie setzen die Münchner unter Druck wie kein anderes Team in der jüngeren Vergangenheit. Dabei müssen auch sie auf ihre Gala-Angreifer verzichten. Alassane Plea brummt seine Gelb-Rot-Sperre ab und Marcus Thuram (beide je zehn Saisontore) scheidet schon nach zehn Minuten verletzt aus.

Deshalb atmet vor allem Bayern-Trainer Hansi Flick am Ende fast hörbar durch. „Ich bin happy, auch weil es ein hartes Stück Arbeit war“, sagt er. Und weil die Münchner auch dank ihrer fast schon obligatorischen Portion Dusel von ihrem neuerlichen Titel nun nur noch einen läppischen Dreier entfernt sind.