Bleibt die Alte Försterei coronabedingt auch in der neuen Saison erstmal leer?  Foto: Matthias Koch

Alle für einen oder jeder für sich? Am Dienstag stimmen die 36 Profiklubs der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in einer virtuellen Mitgliederkonferenz über die Leitplanken einer möglichen Fan-Rückkehr ab. Die Gretchenfrage wird zur Zerreißprobe.

Wegen der Corona-Krise werden die Klub-Bosse erneut nur zum Hörer greifen, statt zur DFL-Zentrale nach Frankfurt am Main zu reisen. Die Hoffnung aller: Wie beim Hygienekonzept – das im Frühjahr während der Corona-Zwangspause unter Hochdruck erarbeitete und in der Politik breite Zustimmung fand, sodass ab Ende Mai die Saison zu Ende gespielt werden konnte – soll nun ein Plan her, der Spiele vor Publikum möglich macht.

Explizit wird dabei über vier Punkte abgestimmt, die das DFL-Präsidium erarbeitet hat. 

Keine Gästefans bis Jahresende: Normalerweise stehen mindestens zehn Prozent der Tickets der jeweils verfügbaren Stadionkapazität den Gästen zu. Aufgrund der Pandemie sollen die für viele Fans besonders reizvollen Fahrten pausieren.

Keine Stehplätze bis 31. Oktober: Zwar weiß die DFL, dass Stehplätze ein „wesentlicher Bestandteil“ der Fankultur sind. Dennoch sollen sie zunächst leer bleiben, weil „die Einhaltung eines Abstandsgebots dort nicht immer und lückenlos eingehalten und durchgesetzt werden kann“.

Personalisierte Tickets: Für viele Fans ein Albtraum. Für die DFL und vor allem die Politik in Coronazeiten ein absolutes Muss. Nur so könnten Kontaktpersonen eines später positiv getesteten Stadionbesuchers ermittelt werden.

Kein Alkohol bis 31. Oktober: Manche Fans fühlen sich gemaßregelt wie ein kleines Kind und schieben jetzt schon Frust. Für DFL und die Klubs sollte dieser von der Politik geforderte Punkt am schnellsten abzuhaken sein.

Die einfache Mehrheit genügt, um die vier Punkte zu beschließen. Zur Zerreißprobe wird vielmehr, ob sich die Klubs auch auf einen gemeinsamen Nenner bezüglich der Anzahl der Zuschauer einigen. Gelingt das nicht, droht ein Fan-Flickenteppich, der den fairen Wettbewerb massiv beeinträchtigen würde.

Denn während die Politik – sinnvollerweise – den regionalen Behörden je nach Infektionslage vor Ort die Entscheidung überlässt, was bereits wieder erlaubt ist und was nicht, wird eine solche Gangart in der Bundesliga zu einer Verzerrung  führen: Während manche Klubs weiter vor (fast) leeren Rängen spielen müssten, könnten sich andere bereits über eine prächtige Heimstimmung freuen. Der KURIER wünscht allen Klub-Bossen viel Spaß beim Telefonieren.