Bundestrainer Joachim Löw klatscht Florian Neuhaus bei seiner Auswechslung ab. Der Gladbacher war einer der wenigen Lichtblicke beim 3:3 gegen die Türkei.  Foto: imago images/Uwe Kraft

Das 3:3 gegen die Türkei war für den normalen Fußballfreund unterhaltsam. Vor allem Debütant Florian Neuhaus machte Spaß. Das Endergebnis am Ende natürlich nicht. Denn zum dritten Mal in Folge verspielte die Elf von Jogi Löw einen Vorsprung. Diesmal sogar dreifach. Und zuvor in den beiden Nations-League-Partien gegen Spanien und die Schweiz hatte die deutsche Auswahl auch das Kunststück vollbracht, eine Führung nicht ins Ziel zu bringen. 

Als eine Erkenntnis des Abends bleibt zunächst einmal, dass eine bessere B-Elf die Arrivierten wohl nicht ernsthaft gefährden kann. Die Türken traten ja auch nicht gerade mit ihrer Kernmannschaft an. 

Debütant Neuhaus immerhin könnte Perspektiven haben beim Bundestrainer, nicht nur wegen seines Tores. Bei Löw muss er sich auf Dauer im Reich der Mitte namhafter Konkurrenz stellen. Von Toni Kroos und Joshua Kimmich bis hin zu Leon Goretzka und Ilkay Gündogan. „Wer kann in Richtung EM unseren Kader verstärken?“, hatte Löw vor dem Türkei-Spiel gefragt. Neuhaus gab ihm eine erste überzeugende Antwort.

Grund zur Sorge besteht dennoch. Seit der verkorksten WM in Russland kommen Jogis Löwen nicht wirklich in die Spur. Der Verlust der alltäglichen Bindung zwischen Mannschaft und Fans, beschleunigt durch alberne Social-Media-Aktionen und lustlos heruntergekickte Länderspiele, sowie unsägliche – weil familienfeindliche – Anstoßzeiten, ist aber nicht so leicht rückgängig zu machen. Auch wenn sich der Verband spürbar um mehr Bodenhaftung und Nähe bemüht. Aber dann kommt eben wieder ein Skandal abseits des Platzes.

Ja, die Turniere, wie die kommende, auf 2021 verschobene EM, mögen noch mal Zugkraft ausüben. Aber wenn in der Nations League nicht langsam mal die Kurve hinbekommen wird – sind ja immerhin Pflichtspiele egal wie ungeliebt – und nach sechs sieglosen Spielen in diesem Wettbewerb gezeigt wird, dass man es auch anders kann, kann es ein böses Erwachen geben. 

Südkorea spielt ja beim Kontinentalturnier im kommenden Jahr nicht mit. Aber es wird sich schon einer finden, der wie weiland in Russland bei der WM die Südkoreaner spielt und das Undenkbare – vorzeitiges Aus! – erneut möglich macht. Löw muss endlich in den Tritt kommt.