Jogi Löw geht nach dem Abpfiff des 1:2 gegen Nordmazedonien mit gesenktem Kopf vom PLatz. Viele Fans fragen sich: Wann geht er ganz? Foto: imago images/MIS

Achtung, das ist kein Aprilscherz! Jogi Löw (61) ist noch immer Bundestrainer. Auch nach der nächsten Blamage der Nationalmannschaft, dem 1:2 gegen Nordmazedonien in der WM-Qualifikation, reagieren die DFB-Bosse nicht und ziehen zweieinhalb Monate vor der EM nicht die Notbremse.

Seit knapp drei Jahren befindet sich die DFB-Elf im Siechtum. Historisches WM-Aus 2018 in Russland. Legendäre 0:6-Demütigung gegen Spanien im November 2020. Nach Löws Rücktrittsankündigung nach der EM ein Zwischenhoch mit dem 3:0 gegen Island, ein 1:0-Arbeitssieg in Rumänien und jetzt wieder der tiefe Fall gegen den Außenseiter Nordmazedonien. Es war die dritte WM-Quali-Niederlage in der deutschen Fußballgeschichte. Es löwt gar nichts mehr.

Nicht nur bei der Nationalelf, sondern auch beim DFB. Die Bosse haben sich zerstritten und sind momentan unfähig, gemeinsam die Reißleine zu ziehen. Stattdessen muss Löw selbst den Frontmann spielen und Fragen über eine Rückkehr der Routiniers Thomas Müller und Mats Hummels beantworten. Der Stillstand ist an den Worten des Bundestrainers abzulesen: „Die Frage ist jetzt heute nicht zu beantworten aufgrund des einen Spiels. Die Frage ist ja auch nicht gestellt worden nach den letzten beiden Spielen. Wir haben gesagt, dass die Entscheidung insgesamt dann im Mai fällt.“

Löw sieht nicht mehr, dass der Mix in diesem Team nicht stimmt. Die jungen Nationalspieler brauchen Orientierung. Der Kurs des Neuanfangs mit dem alten Bundestrainer ist gescheitert. Denn ein Umbau geht nur mit soliden Säulen in der Mannschaft.

„Wir werden uns die nächsten Tage, die nächsten Wochen intensiv Gedanken machen, werden alles nochmal überprüfen“, kündigte Löw an. Doch dafür ist eigentlich gar keine Zeit mehr. Nach der Bundesliga-Saison will er den EM-Kader berufen und dann ab dem 25. Mai das Trainingslager im österreichischen Seefeld das DFB-Team auf die EM vorbereiten – inklusive zwei Testspiele gegen Dänemark (2. Juni) und Lettland (7.Juni), bevor dann in der EM-Vorrunde Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal und Ungarn warten. Ein Vorrunden-Aus ist in der jetzigen Verfassung der Nationalmannschaft realistischer als das Erreichen des Achtelfinals.

Löw übt sich in Durchhalteparolen: „Auf keinen Fall dürfen wir jetzt völlig den Glauben verlieren an die Stärke, die die Mannschaft hat. Auf keinen Fall dürfen wir auch das Gefühl verlieren, dass wir in der Lage sind, ein sehr gutes Turnier zu spielen. Das habe ich auch den Spielern gesagt.“ Danach erklärt er: „Wenn wir etwas Zeit haben, dann werden wir da schon auch Konstanz reinbringen und die richtigen Dinge anpacken.“

Zeit hatte Löw schon seit dem WM-Aus 2018 und es passierte nicht viel.