Hat mächtig an Ansehen verloren und soll in Panik um sein Vermögen sein: Noch-Chelsea-Besitzer und Oligarch Roman Abramowitsch. Foto: dpa

Thomas Tuchel platzte der Kragen. „Nein, hört mir zu! Ihr müsst damit aufhören, ich bin kein Politiker“, brach es plötzlich aus dem Chelsea-Teammanager raus. Grund für den emotionalen Ausruf: Die immer wiederkehrenden Fragen nach dem Krieg in der Ukraine und dem russischen Klubbesitzer Roman Abramowitsch. Ein Name, der derzeit wie eine dunkle Wolke über dem Klub-Weltmeister hängt. Der Druck auf Russlands Oligarchen im europäischen Fußball wächst. 

Der milliardenschwere Oligarch hatte nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine angekündigt, „die Verantwortung und Fürsorge“ für den Champions-League-Sieger an Treuhänder der wohltätigen Stiftung von Chelsea zu übertragen. Aber dieser Prozess zieht sich noch hin.

Schweizer will Chelsea kaufen

Doch der Druck steigt, auch ein Verkauf scheint nicht mehr ausgeschlossen. Der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss berichtete im Interview mit Blick, dass er mit drei anderen Personen ein Angebot für den Klub der Nationalspieler Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Timo Werner erhalten habe.

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„Er will Chelsea schnell loswerden“, sagte Wyss. „Wie alle anderen Oligarchen ist er in Panik.“ Denn den schwerreichen Russen drohen Sanktionen, die an das geliebte Vermögen gehen. Im englischen Parlament wurde bereits vorgeschlagen, Abramowitschs Konten einzufrieren.

Auf der EU-Sanktionsliste steht der 55-Jährige, dem eine Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin nachgesagt wird, noch nicht. Im Gegensatz zu manch anderem, dessen Geld bereits in den europäischen Fußball geflossen ist.

Everton trennt sich von russischen Sponsoren

Alischer Usmanow, geschätztes Vermögen 14,3 Milliarden US-Dollar, Putin-Vertrauter und bislang finanzieller Unterstützer des FC Everton. Denn erste Konsequenzen bekam der ehemalige Anteilseigner des FC Arsenal zumindest sportlich schon zu spüren. Everton gab am Mittwoch bekannt, die kommerziellen Sponsoring-Vereinbarungen mit Unternehmen, an denen der 68-Jährige bedeutend beteiligt ist, sofort auszusetzen.

Sein Amt als Präsident des Fecht-Weltverbandes FIE legte Usmanow bis auf Weiteres nieder. In seinem Statement auf der Verbands-Homepage bezeichnete er die gegen ihn verhängten EU-Sanktionen als „unfair“ und sprach von „falschen und diffamierenden Anschuldigungen“, die seine Ehre, Würde und berufliche Reputation zerstörten.

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Weniger Aufruhr gibt es da bislang noch um den französischen Erstligisten AS Monaco, Klub des Nationalspielers Kevin Volland und von U21-Europameister Isamil Jakobs. Dort hält Dimitri Rybolowlew als Präsident die Fäden in der Hand. Mit der monegassischen Justiz geriet der 55-Jährige schon einmal 2018 aneinander. Korrupte Machenschaften im Rahmen eines Kunstskandals lauteten die Vorwürfe.

Chelsea-Coach Tuchel blockt Abramowitsch-Fragen

Wyss zieht unterdessen den Chelsea-Kauf in Erwägung. Aber: „Abramowitsch fordert derzeit viel zu viel“, erklärte der 86-Jährige. Chelsea stehe bei „ihm mit zwei Milliarden Pfund in der Kreide“, habe aber kein Geld. „Bedeutet: Diejenigen, die Chelsea kaufen, sollen Abramowitsch entschädigen.“

Für Tuchel habe die Besitzer-Diskussion keinen Einfluss auf die tägliche Arbeit, sagte der Chelsea-Coach, und er bat nochmals, Fragen nach der Ukraine einzustellen. Er habe niemals Krieg erlebt, „ich fühle mich schlecht, alleine darüber zu reden, weil ich sehr privilegiert bin und hier in Frieden sitze“.

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