Jonas Hofmann ((M.) und seine DFB-Kollegen haben in Stuttgart gegen Armenien viel Grund zur Freude. Foto: AP/Matthias Schrader

Als hätte jemand jemals an diesen Jungs gezweifelt … Nach dem Quäl-2:0 gegen Zwerg Liechtenstein zaubert sich das DFB-Team in Spiel 2 von Neu-DFB-Trainer Hansi Flick in der WM-Quali zu einem 6:0 (4:0)-Hammer-Sieg gegen Armenien und setzt sich eindrucksvoll an die Gruppenspitze. Danke für das erste Flick-Fest.

Auf sie mit Gebrüll! Mit dieser Tore-Gala und Vollgas-Aktionen macht Fußball wieder richtig Spaß. Von Abtasten ist gegen den bisher ungeschlagenen Gruppenersten nichts zu sehen. Mit dem Anpfiff ist das gegenüber Flicks Debüt als Nachfolger von Joachim Löw auf sechs Positionen umgekrempelte Team nicht nur auf Betriebstemperatur, sondern heiß wie sonst was. Rechter Hammer von Serge Gnabry zum 1:0 (6.), dazu mit Hilfe des linken Innenpfostens das 2:0 (15.) durch den Bayern-Angreifer – die 18.000 Zuschauer sind aus dem Häuschen.

Das ist moderner Fußball

Die Mannschaft sieht nicht nur personell anders aus – Manuel Neuer ist zurück im Tor, dazu sind Jonas Hofmann, Antonio Rüdiger, Leon Goretzka, Marco Reus und Gnabry neu –, sie zeigt auch spielerisch ein völlig anderes Gesicht.

Wo drei Tage zuvor ein Querpass gespielt wurde, dominiert das Zuspiel in die Tiefe. Wo es gegen Liechtenstein Rückpässe gab, sucht jeder das direkte Spiel in die gefährliche Zone. Das sorgt für Dauerdruck und für massenhaft Torgefahr. Schnell, direkt, passsicher, kreativ – so sieht moderner Fußball aus.

Außerdem sorgt Flick mit einer Personal-Rochade für einen sehr speziellen Moment. Thilo Kehrer rückt in der Vierer-Abwehr nach links, Jonas Hofmann verteidigt ganz rechts. Dazu ziemlich weit vorn. Vor allem aber: Wie!

Hofmann belohnt sich selbst 

Der Gladbacher macht das als nahezu lupenreiner Rechtsaußen traumhaft. Der Lohn für den Mut ist sein erstes Tor im Adler-Trikot, ein Distanzschuss zum 5:0 (52.). Dass zuvor auch Marco Reus (35.) und Timo Werner (44.) getroffen haben und Karim Adeyemi bei seinem Debüt das halbe Dutzend vollmacht (90.+1), macht den lauen Abend im Ländle nur noch angenehmer.

Plötzlich ist das zu sehen, was so lange verschwunden war im deutschen Spiel, und das nicht nur wegen fehlender Zuschauer: Auf den Rängen schwappt „la ola“ durch die Arena. Es gibt Aktionen zum Mit-der-Zunge-schnalzen.

Mehr davon gegen Island

Leon Goretzka ist als Tore-Vorbereiter große Klasse, Joshua Kimmich als Stratege in seinem Element, sogar Leroy Sané, zuletzt zu sehr verliebt in den eigenen Übersteiger, wirbelt wie in besten Tagen und wird bei seiner Auswechslung gegen Jamal Musiala mit Beifall überschüttet.

Was noch fehlt? Erst einmal ein ähnlich souveräner Auftritt am Mittwoch in Reykjavik gegen Island.