Zum Wegschauen: Füchse-Trainer Velimir Petkovic muss seinen Hut nehmen. Michael Hundt

Letztlich ist es eine Frage der Einstellung. Denn das bei den Füchsen personell das Potential für Großes vorhanden ist, lässt sich nicht bestreiten. Eine Frage der Einstellung war es auch, als die stark verletzungsgeschwächte Rumpftruppe vor gerade einmal zwei Wochen zuhause gegen den SC Magdeburg gewann. Von allen Seiten regnete es Respekt darüber, dass es Trainer Velimir Petkovic gelungen sei, ohne Spieler wie Simon Ernst, Fabian Wiede und Mattias Zachrisson eine Mannschaft aufzubauen, die sich bis auf die Champions League-Plätze vorarbeiten konnte.

Von Sportvorstand Stefan Kretzschmar wurde der 63-Jährige sogar als „Zauberer“ bezeichnet. Vierzehn Tage und drei Niederlagen später wurde diese Leistung zwar nicht negiert, allerdings so stark relativiert, dass sie in der Freistellung des Trainers resultierte. Eine Kehrtwende um einhundertachtzig Grad möchte man meinen.

Als Begründung führten die Verantwortlichen an, neue Impulse für die bevorstehenden wichtigen Aufgaben setzen zu wollen. Ein Trainerwechsel ist in diesem Moment meist die einfachste Veränderung und eine Möglichkeit, die in den letzten Wochen gerne genutzt wurde. Bundestrainer Christian Prokop wurde vorzeitig das Vertrauen entzogen, der Vertrag von Kai Wandschneider in Wetzlar nicht verlängert, Kristjan Andresson wurde nach nicht einmal einer Saison bei den Rhein-Neckar-Löwen entbunden und Heiko Grimm ereilte bei der MT Melsungen vor wenigen Tagen das gleiche Schicksal.

Auch unter Roth fehlen viele Spieler verletzt

Jetzt traf es Velimir Petkovic bei den Füchsen. Der Februar entwickelte sich zu einem wahren Trainerbeben und wirft damit einhergehend die Frage auf, in welche Richtung sich der Handball-Sport entwickelt. Beim Fußball sind derartige Vorgehensweisen schon lange Usus. Es wäre allerdings traurig, wenn Deutschlands Mannschaftssportart Nummer zwei sich bei dem Blick auf den großen Bruder ebenfalls die negativen Eigenschaften abschaut und sich dabei selbst vergisst. Sicher, es geht beim Handball gleichermaßen letztlich um das Geschäft. Ergebnisse müssen erreicht, Anforderungen erfüllt werden. Doch sollte man sich vor überhasteten Entscheidungen hüten.

Ob Petkovics Entlassung eine derartige ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Denn unter dem neuen Trainer Michael Roth muss der Hauptstadt-Klub weiter auf eine Reihe von Leistungsträgern verzichten. Der Rückraum bleibt ausgedünnt und es ist an Spielern wie Stipe Mandalinic und Michael Müller ihre Qualität abzurufen und sich auf dem Feld maßgeblich zu steigern. Ein anderer Fall ist die Defensive. Denn hier boten sich zuletzt Lücken auf, die bei einer Aufstellung von Jakov Gojun, Dainis Kristopans, Mijajlo Marsenic und Marko Kopljar – alle über zwei Meter groß – nicht nachvollziehbar sind. In der Abwehr gewinnt man die Spiele und Abwehr, das hat auch Petkovic immer betont, ist eine Frage der Einstellung.