Bob Hanning hat sich den Zorn der MT Melsungen zugezogen. Foto: imago/Jan Huebner

Holla, die Waldfee! Bob Hanning greift Ligakonkurrent MT Melsungen scharf an. Der Füchsemacher kritisiert in seiner Eigenschaft als DHB-Vize vor allem die deutschen Nationalspieler des Clubs. Die Antwort des Ligasechsten lässt vor der Begegnung am Mittwoch in Kassel (19 Uhr, Sky) nicht lange auf sich warten. 

Hart, härter, Hanning: Mit einer in dieser Form unvergleichlichen Attacke hat der Füchse-Boss eine Breitseite ins Hessische abgefeuert. „Ich finde es erschreckend, dass Melsungen viele deutsche Nationalspieler für viel Geld gekauft hat, aber die Mentalität im Verein nicht mitgewachsen ist“, so Hannings Vorwurf. „Es hat sich kein Spieler, seit er in Melsungen ist, verbessert. Im besten Fall haben sie stagniert.“

Axel Geerken beklagt Offensivfoul

Die Reaktion auf die scharfe Kritik des 53-Jährigen folgte nur wenige Stunden später. „Diese Art von öffentlicher Negativdarstellung eines Handball-Bundesligisten durch einen hohen DHB-Funktionsträger ist bislang ohne Beispiel“, sagte MT-Vorstand Axel Geerken und ergänzte: „Hannings Äußerungen kommen einem direkten Angriff, einem Offensivfoul auf unseren Verein und auf unsere Spieler gleich.“

Am Mittwoch dürfte der Schlagabtausch auf der Platte in die nächste Runde gehen. Eine bessere Motivation können die Hausherren eigentlich gar nicht erfinden.  Die Truppe von Gudmundur Gudmundsson wird sich vom Anpfiff der Partie hinweg zerreißen.

Dabei liegt Hanning inhaltlich gar nicht mal so falsch. Kurz vor dem Ende der Saison läuft die MT (mal wieder) ihren sportlichen Zielen hinterher, obwohl der Kader in der Vergangenheit mit teils hochkarätigen Profis verstärkt wurde. Aktuell stehen sechs deutsche Nationalspieler unter Vertrag: Silvio Heinevetter, Julius Kühn, Finn Lemke, Kai Häfner, Tobias Reichmann und Timo Kastening. Alle haben noch Chancen auf den Sprung in den Olympia-Kader, den Bundestrainer Alfred Gislason nächsten Montag benennen will. Fast alle von ihnen durchleben aber eine durchwachsene Saison bei der MT, die Qualifikation für den Europapokal wurde verpasst.

„Ich habe die Sorge, dass die Mentalität, die sich in Melsungen etabliert hat, den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gefährden kann“, so Hanning. „Ich glaube, dass dort eine unglaubliche Zufriedenheit herrscht und dass man nirgendwo mehr Geld verdienen kann als deutscher Nationalspieler. Und das färbt sich meiner Ansicht nach aufs Spielfeld ab.“ Gefühlt habe Melsungen rund 60 Millionen Euro verbrannt, um dann nicht mal in Europa zu spielen. Geerkens sieht in dem Vorwurf populistische Stimmungsmache. 

Bob Hanning beklagt fehlende Mentalität

„Wie wichtig Mentalität ist, sieht man an einem Nationalspieler wie Hendrik Pekeler. Die Rhein-Neckar Löwen haben ihren letzten großen Titel gewonnen, als er noch bei ihnen war“, sagte Hanning. „Seit seinem Wechsel gewinnt Kiel diese Titel.“ Seine Forderung: „Unsere Nationalspieler müssen europäisch spielen und auch den Anspruch haben, in ihren Vereinen Führungsverantwortung zu tragen.“ 

Schau’n mer mal, ob die so an den Pranger gestellten DHB-Auswahl-Spieler Hanning am Mittwoch zeigen werden, wo der Barthel den Most holt...