Ein sonniges Plätzchen, blühende, abwechslungsreiche Pflanzen in unmittelbarer Nachbarschaft - fertig ist das Paradies für Wildbienen.  Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Eberhard Theis steht total auf Bienen. Seit 35 Jahren ist der 75-Jährige aus Frankfurt (Oder) Hobby-Imker, züchtet und umsorgt Honigbienen. Seine Liebe hat er an Sohn Lutz weiter gegeben, der die Imkerei als Meister hauptberuflich betreibt. „Honigbienen machen allerdings viel Arbeit, müssen umfassend betreut werden“, sagt Theis Senior. Seine Leidenschaft gehört nun jenen pflegeleichteren Bienenarten, die zwar keinen Honig produzieren, dafür aber auch nicht stechen. „Die haben gar keinen Stachel“, erklärt der Frankfurter lächelnd.

Gerade deshalb ließen sich Wildbienen auch gut an Laien vermieten, erklärt Theis. „Meine Zielgruppe sind vor allem Kinder. Ich will ihr Bewusstsein für die Umwelt schulen“, erklärt er. Wer die Bienen beobachte, verfolge auch, wohin sie flögen, welche Blüten sie bevorzugten. Die überwiegende Zahl seiner Bienen-Miet-Kunden seien ältere Frauen, die sich die Insekten für ihre Enkelkinder ausleihen würden. „Und die Kinder lernen auf diese Weise, das Bienen wichtig sind für das Bestäuben von Blüten und für die Artenvielfalt“, sagt Rentner Theis.

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Eberhard Theis, Hobby-Imker, zeigt in seinem Garten eine kleine Kiste mit speziellen Brutröhrchen für die Gehörnte Mauerbiene.

Je größer das Blütenangebot, um so größer ist nach Angaben der Sielmann-Stiftung die Vielfalt der Wildbienen - in Deutschland gibt es über 570 Arten. Die Stiftung schützt und schafft deutschlandweit Lebensräume in Naturlandschaften und Biotopverbünden für Hunderte von Wildbienenarten - darunter auch in Brandenburg. „Die Mohnbiene beispielsweise klebt sich eine rote Tapete an die Nestwand“, erzählt Sprecherin Elisabeth Fleisch.

Bienen fliegen nur 150 Meter weit

Wildbienen flögen nur in einem Umkreis von 150 Metern umher, seien daher ideal für Kleingärtner oder für den heimischen Balkon, wenn sie dort blühende Pflanzenarten vorfinden würden, erzählt Theis. Die von ihm beschriebene Faszination lässt sich vor dem Wildbienenhotel am sonnigen Eingang der Frankfurter Imkerei gut beobachten. Mehrere Ziegelstein große Kästen mit unzähligen kleinen Röhren sind dort verbaut. In die neun Millimeter kleinen Öffnungen zwängen sich Wildbienen. „Fliegt die Biene vorwärts rein, will sie das Innere der Röhre putzen, rückwärts hingegen streift sie die gesammelten Pollen von ihrem Hinterteil ab“, erklärt er. Die Pollen würden die Tiere für die Eiablage benötigen. Insgesamt fünf Eier in separaten Pollen-Betten passen laut Theis in eine Röhre. Ist die voll, wird sie mit Erde und Speichel verschlossen, wie bereits an etlichen Exemplare im Wildbienenhotel zu erkennen ist.

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Wildbienen, unter ihnen Hummeln als wohl bekannteste Art, gelten als effiziente Bestäuber. „Wildlebende Insekten erreichen bei den meisten Pflanzen mit der gleichen Zahl von Blütenbesuchen sogar einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen, wie internationale Studien belegen“, weiß Elisabeth Fleisch, Sprecherin der Sielmann-Stiftung. In Brandenburgs Kiefernwäldern fühlt sich wegen der reichlich vorhandenen Heidelbeersträucher die Heidelbeer-Sandbiene (Andrena lapponica) heimisch. Sie ernährt sich ausschließlich von Heidelbeer- oder Preiselbeerblüten und lebt in lichten Wäldern, Heiden und Mooren.

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Eberhard Theis, Hobby-Imker, zeigt eine kleine Kiste mit den leeren Brutwaben der Gehörnten Mauerbienen.

Deutschlandweit gehe die Heidelbeer-Sandbiene allerdings zurück, da einige ihrer Lebensräume wie Moore und auch lichte Waldstrukturen vielerorts verloren gingen, berichtet Dr. Hannes Petrischak, Leiter des Bereichs Naturschutz bei der Stiftung. Sie steht daher in der Roten Liste der Bienen Deutschlands auf der Vorwarnliste.

Bienen-Verleih für Kleingarten oder Balkon kostet 43 Euro

Bereits im vierten Jahr verleiht Theis Wildbienen für 43 Euro. „Die Leute vermissen zunehmend Bienen in ihrem Kleingarten oder auf dem Balkon einfach“, so die Erfahrung des Frankfurter Imkers, der von Jahr zu Jahr eine steigende Nachfrage für seine Miet-Bienen verzeichnet. 150 Päckchen hat er in den vergangenen Wochen deutschlandweit verschickt: Darin befindet sich ein hölzernes Kästchen mit 100 Kokons, in denen die jungen Bienen vor dem Schlüpfen ruhen. In der 10. Kalenderwoche kommen sie durch das Loch im Kästchen ins Freie. Zum Bienen-Leihpaket gehören zudem 90 Pappröhrchen sowie ein Drahtgitter, das vor die Öffnungen gesetzt wird, um zu verhindern, das Vögel das Innere herauspicken.

Zwei Gehörnte Mauerbiene sind auf speziellen Brutröhrchen zu sehen.  Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Auch ein Rücksendeschein liegt bei, denn Theis möchte seine Wildbienen bis Oktober zurückgesandt bekommen. Dann schneidet er die vollen Röhrchen, der Länge nach auf und legt die Kokons bei fünf Grad Celsius in den Kühlschrank, bis sie Anfang des neuen Jahres wieder in Holzkästchen verpackt werden. Für seine Zucht hat er sich die gehörnte Wildbiene (lateinisch Osmia Cornuta) ausgesucht. „Es ist die Art, die im März als erste ausfliegt und bis Juni unterwegs ist“, begründet er seine Wahl. Statt eines Verkaufs hat er sich für das Ausleih-Modell entschieden, da die Bienen sehr anfällig für Parasiten seien. Laien könnten dagegen nichts tun, erfahrene Imker und Züchter schon, sagt er.

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„Wenn es der Wildbiene gut geht, geht's auch den Honigbienen gut“, weiß Holger Ackermann, Sprecher des Landesimkerverbandes aus Groß Schauen bei Storkow (Oder-Spree). Als Beispiel nennt er die „Weiden-Seidenbiene“, die als Wildbiene für einen kurzen Zeitraum die Weiden bestäubt. Weiden versorgen auch Honigbienen als erstes mit Pollen. Deshalb setzten sich die Imker dafür ein, dass Weiden erhalten bleiben oder vermehrt werden, so Ackermann.