Die neue Ausstellung „Die Mauer – The Wall“ setzt vor allem auf Fotos. Fotos:  Berliner KURIER / Andreas Klug

Nirgendwo wird die deutsche Teilung so oft thematisiert wie in Berlin – und nun einmal mehr: Still und heimlich, während der Corona-Zeit, öffnete am Leipziger Platz ein neues Mauer-Museum seine Pforten. Jörg Moser-Metius, der sich für die Sanierung des DDR-Wachturms in der Nähe einsetzte, zeigt Artefakte aus vergessenen Zeiten.

Zugegeben: Es könnte keinen ungünstigeren Zeitpunkt für die Eröffnung eines Museums geben – der Start für die neue Ausstellung „Die Mauer“ am Leipziger Platz ist deshalb mehr als holprig. „Eigentlich wollten wir die Türen am 1. Mai öffnen, aber dann kam Corona“, sagt Jörg Moser-Metius, Chef der Ausstellung. Seit drei Wochen können Besucher die Schau nun bestaunen, doch das Geschäft läuft langsam an. „Aber man bemerkt, dass immer mehr Touristen in die Stadt kommen, dass das Leben auf den Leipziger Platz zurückkehrt.“

Die Stacheldraht-Rolle entdeckte Moser-Metius in einer Scheune bei Torgau. Fotos: Berliner KURIER / Andreas Klug

Moser-Metius machte sich unter anderem damit einen Namen, dass er einen der letzten DDR-Wachtürme, der versteckt in der Erna-Berger-Straße steht, sanierte. Auch der KURIER berichtete. „Viele historische Gebäude sind heute dem Verfall preisgegeben. Ich finde es aber wichtig, solche Relikte zu retten“, sagte er damals. Zur Geschichte der Mauer gestaltete er bereits mehrere Ausstellungen, zuletzt in der Mall of Berlin. Später stieß er auf die freien Räume am Leipziger Platz. „Die Exponate waren da, also entstand die Idee einer Dauerausstellung“, sagt er.

Moser-Metius mit zwei Panzersperren, die den Eingang der Ausstellung säumen. Sie waren einst bei Stahnsdorf verbaut. Fotos: Berliner KURIER / Andreas Klug

In den Räumlichkeiten (Eintritt: 10 / 8 Euro) wird die Geschichte der Teilung erzählt, Moser-Metius will dabei unter anderem mit verschiedenen Mythen aufräumen. Nicht korrekt sei etwa, dass mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961 begonnen wurde. Denn zuerst wurden nur die Grenzen abgeriegelt und Stacheldraht gezogen, die „Mauer“ entstand erst später.

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Eine der Draht-Rollen, die Moser-Metius in einer Scheune bei Torgau entdeckte, ist in der Ausstellung zu sehen. „Sie wurden unter dem Vorwand geliefert, sie seien für die Landwirtschaft gedacht – und heimlich gesammelt“, sagt er. Ein Wetterbericht vom 17. und 18. August, der ebenfalls ausgestellt ist, zeigt einen plötzlichen Temperaturabfall. „Der kalte Krieg war also wirklich kalt“, sagt er und lächelt.

Jörg Moser-Metius zeigt Uniformen – Originale der Soldaten aus der Zeit des Kalten Krieges. Fotos: Berliner KURIER / Andreas Klug

Vor allem Fotos werden gezeigt, Moser-Metius hat sich dafür durch die Archive gewühlt. Rekonstruiert wird auf einer Tafel unter anderem der „Sprung in die Freiheit“ des Volkspolizisten Conrad Schumann, der über den Stacheldraht sprang und gen Westen floh. Das Foto ging um die Welt. In der Ausstellung ist der Moment aus verschiedenen Perspektiven zu sehen.

Der Wetterbericht gibt Aufschluss über den Abfall der Temperaturen rund um den Bau der Mauer. Fotos: Berliner KURIER / Andreas Klug

Viele Bilder erzählen vom Alltag in der DDR und im Westen – und von den Entwicklungen, die zum Fall der Mauer führten. Allerdings mit wenig Schrift. „Ich wollte, dass die Fotos wirken, dass die Besucher nicht so lange Texte lesen müssen.“ Zu sehen sind auch ein Beton-Block, der in der Berliner Mauer verbaut war, Soldaten-Uniformen – und eine gelbe Schärpe aus Stoff mit der Aufschrift „Keine Gewalt“. „Diese Schärpen trugen Mitarbeiter der Stasi, als sie sich bei den Demos in Leipzig unter das Volk mischten.“

Moser-Metius hofft, dass seine Schau angenommen wird, dass bald noch mehr Besucher kommen. Bisher seien die Reaktionen positiv. „Es gab Tage, da habe ich sehr schlecht geschlafen, da die Ausstellung privat finanziert ist“, sagt er. „Aber der Optimismus war nie ganz verloren.“