Eine Mitarbeiterin baut auf der Frankfurter Buchmesse den Stand ihres Verlags auf.  dpa/Arne Dedert

Ob bunt illustrierte Comics, romantische Jugendromane oder dicke Fantasy-Wälzer: Soweit das Auge reicht, gibt es auf der Frankfurter Buchmesse Lesestoff in allen Formen und Farben. Doch pünktlich zum großen Branchentreffen rückt ein Thema in den Fokus, das die Branche bislang kaum beschäftigte. Der wohl kostbarste Rohstoff wird knapp: das Papier.

Die Papierknappheit sei ein so „großes Problem“, dass Jonathan Beck, Chef des Publikumsverlags bei C. H. Beck, kürzlich im Handelsblatt empfahl, vor Weihnachten rechtzeitig Buchgeschenke zu besorgen. Er befürchte stark, dass die Leute sich nicht sicher sein könnten, jedes Buch auch noch kurzfristig zu bekommen. „Bei vielen Büchern wissen wir jetzt schon, dass vor Weihnachten kein Nachdruck mehr möglich ist.“

Schnelle Nachdrucke vorm Fest nicht möglich

Ähnlich äußert sich Simon von Libri: „Bei Titeln, die man normalerweise vielleicht nachgedruckt hätte, was jetzt nicht mehr möglich ist, könnte es sein, dass die zu Weihnachten eventuell schwierig oder gar nicht mehr zu bekommen sind.“ Das betrifft nach seiner Einschätzung vor allem Bücher aus der zweiten Reihe und weniger die Bestseller: „Dort haben die Verlage ein besonderes Augenmerk darauf, dass diese Titel verfügbar sind.“

Papier-Krise schon seit Monaten bemerkbar

Zurzeit betreffe der Papiermangel alle Verlage, sagt Sabine Glitza, Vertriebsleiterin vom Verlag Kiepenheuer & Witsch, am Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Die Krise mache sich seit ein, zwei Monaten bemerkbar. Besonders für Sonderformate, aber auch Bücher, die besondere Farben benötigen, müsse man jetzt mehr Zeit einplanen.

„Wir haben uns aber darauf eingestellt und haben die Disposition entsprechend etwas verändert, weil wir natürlich lieferbar sein wollen und nicht ins Risiko laufen wollen, dass wir keine Bücher haben“, erklärt sie.

Verlage, die in der Vergangenheit langfristige Verträge über die Lieferung von Papier abgeschlossen haben, profitieren in der jetzigen Situation davon, wie auch Thorsten Simon, Pressesprecher des Bücherzwischenhändlers Libri, beobachtet. „Viel ist just in time produziert worden, man konnte relativ flexibel und kurzfristig seine Auflagen planen und seine Papiere bestellen.“ Das sei nun in vielen Fällen nicht mehr möglich, weil es durch die weltweiten Lieferketten zu Verknappungen gekommen sei, erklärt er.

Mangel an Altpapier mit schuld

Grund für den Papiermangel sei auch, dass in den vergangenen Jahren weniger Zeitungen oder Kataloge produziert worden seien und somit der Bedarf an Druckpapier zurückging, so Bettina Knape, Sprecherin beim Bundesverband Druck und Medien (bvdm). „Die Papierhersteller haben ihre Kapazitäten abgebaut oder sind umgeschwenkt auf boomende Produkte wie Verpackungsmaterial. Sie können jetzt nicht plötzlich wieder die Produktion umstellen.“

Zum anderen gebe es einen Mangel an Altpapier, aus dem ein großer Teil der Druck-Erzeugnisse hergestellt wird. So gab es dem bvdm zufolge in der Corona-Pandemie weniger Papiererzeugnisse, auch weil deutlich weniger Werbematerial benötigt wurde. Und: Die ohnehin geringen Altpapier-Bestände würden enorm von China nachgefragt, wo der Bedarf groß sei und ein guter Preis gezahlt werde. „China kauft die Märkte leer“, erklärt Knape. Sie geht aber auch davon aus, dass sich die Situation allmählich wieder halbwegs einpendele, jetzt, wo sich die Corona-Lage entspanne.

Erhöhen Verlage die Buchpreise?

Dennoch stellt sich die Frage, ob die Leserinnen und Leser aufgrund des Mangels künftig mehr Geld für ihren Lesestoff ausgeben müssen. „Die Preise für Altpapier sind explodiert und damit auch die für Papier. Ich kann mir vorstellen, dass das auch mit einem Preisanstieg für Bücher einhergeht“, sagt Knape.

Wegen der gebundenen Buchpreise habe der Papiermangel bisher keine Auswirkung auf die Preise gehabt, sagt Sabine Glitza von Kiepenheuer & Witsch. „Gucken wir mal, wie es sich entwickelt und wie sich die Papierpreissituation auch im Frühjahr entwickeln wird. Da gibt es sehr unterschiedliche Prognosen.“