Eisbärin Hertha darf in der Anlage im Tierpark weiter spielen. Bis Herbst 2021 könnte sie noch in Berlin bleiben. Foto: imago images/Joko

Sie ist den Berlinern ans Herz gewachsen: Eisbärin Hertha, die am 1. Dezember im Tierpark ihren zweiten Geburtstag feiern wird. Eigentlich wäre nun die Zeit gekommen, um langsam Abschied von dem Mädel zu nehmen. Ihr Umzug in einen anderen Zoo ist geplant. Denn ab dem zweiten Lebensjahr trennen sich in der Wildnis die Eisbärenjungtiere von ihren Müttern, gehen eigene Wege. So ist es auch in den Tiergärten. Anders bei Hertha: Sie geht in Berlin in die Verlängerung.

Die Fans der jungen Eisbärin werden es mit Freuden hören, sie zählt auch in der Corona-Krise zu den Publikumsmagneten des Tiergartens in Friedrichsfelde. „So wie es aussieht, werden wir Hertha bestimmt noch bis zum Herbst 2021 im Tierpark behalten“, sagt Raubtier-Kurator Florian Sicks dem KURIER. Dabei war bis spätestens zum kommenden Frühjahr ihr Umzug in einen anderen Tierpark oder Zoo geplant, wo die junge Eisbärin später mit einem für sie auserwählten Männchen selber für Nachwuchs sorgen soll.

Eisbärin Hertha (rechts) ist schon fast so groß wie ihre Mutter Tonja. Das gemeinsame Raufen gehört zum täglichen Spiel der beiden Eisbären. Foto: imago images/Joko

Verantwortlich für den Umzug, der in Abstimmung mit dem Tierpark geschieht, ist das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) in Moskau. „Doch die Behörde hat bisher noch keine Entscheidung für Hertha getroffen“, sagt Sicks. Offenbar gibt es in den europäischen Zoos keinen freien Platz für die Berliner Eisbärendame. „Das liegt daran, dass die Einrichtungen selber recht viele junge Eisbären haben – mehr als sonst“, sagt der Kurator. Er berichtet: 2019 wuchsen insgesamt elf Eisbären-Jungtiere in den europäischen Tiergärten auf. Im Jahr zuvor, als Hertha im Tierpark auf die Welt kam, waren es sechs , 2017 sogar nur vier Eisbären-Junge.

Für die Zoologen ist der viele Nachwuchs ein Erfolg für das vom Aussterben bedrohte größte Landraubtier der Welt. Experten schätzen, dass noch bis zu 31.000 Eisbären in der freien Wildbahn leben.

Wird das Zusammenleben zwischen Hertha und ihrer Mutter Tonja im Tierpark nun künftig schwieriger? Schließlich sind Eisbären Einzelgänger. Einer der Gründe, warum sich die Weibchen von ihrem Nachwuchs trennen, wenn dieser das zweite Lebensjahr erreicht hat.

Es bestehe kein Grund zur Sorge, erklärt Sicks. „Mutter und Tochter verstehen sich nach wie vor prächtig. Sie spielen, verbringen miteinander viel Zeit. Solange es gut zwischen den beiden läuft, bleiben Tonja und Hertha zusammen“, sagt der Kurator. „Außerdem ist die Eisbärenanlage groß genug, wo jeder von ihnen einen Platz findet, um sich aus dem Weg zu gehen.“ Derzeit ist Hertha schon fast so groß wie ihre Mutter, wiegt 180 Kilogramm. Zum Vergleich: Tonja ist 260 Kilogramm schwer.

Tierpark-Kurator Florian Sicks hat Eisbärin Hertha stets im Blick. Foto: Wächter

Dass sich die Eisbärenmütter in der Wildnis von ihren zweijährigen Jungen trennen, habe auch noch einen anderen Grund. Schließlich wollen sich die Weibchen wieder im Frühjahr paaren, so Sicks. Doch im Tierpark ist derzeit kein Männchen in Sicht, das die Eintracht zwischen Tonja und Hertha stören könnte. Herthas Erzeuger, Eisbär Wolodja, hatte bereits vor Herthas Geburt den Tierpark verlassen. Anfangs wurde er im Berliner Zoo untergebracht, kam 2019 in den niederländischen Zoo in Rhenen in der Provinz Utrecht. „Auch dort war Wolodja erfolgreich, wurde Vater“, sagt Sicks. „Am 27. November 2019 wurde sein Sohn Yuka geboren. Jetzt ist Wolodja im Zoo von Rotterdam, wo er für Nachwuchs sorgen soll.“