Der Kabarettist Dieter Hallervorden, 85, ist der einzige Theaterleiter in Deutschland, der juristisch gegen die coronabedingte Schließung seines Hauses vorgeht, das Schlosspark Theater in Berlin. Foto: imago images/POP-EYE

Der Kabarettist Dieter Hallervorden, 85, ist der einzige Theaterleiter in Deutschland, der juristisch gegen die coronabedingte Schließung seines Hauses vorgeht, das Schlosspark Theater in Berlin. Vergangenen Donnerstag reichte er einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht ein. Wir befragten ihn dazu. Da Dieter Hallervorden gerade mit Dreharbeiten für die ZDF-Serie „Mein Freund, das Ekel“ beschäftigt ist, hat er die Fragen schriftlich beantwortet.

Lieber Herr Hallervorden, sind Sie ein Corona-Leugner?

Absolut nicht! Im Gegenteil: Ich schließe mich der Meinung von Hippokrates an, der sagte: „Wohlgetan ist es, die Gesunden sorgfältig zu führen, damit sie nicht krank werden.“ Selbstverständlich sind wir verpflichtet, die AHA-Regeln strikt einzuhalten. Und genauso verhalten wir uns alle im und am Theater.

Warum gehen Sie dann juristisch gegen die Schließung Ihres Theaters vor?

Weil ja die Theater – mit exemplarischen Hygienekonzepten und mit modernster Klima-Anlage ausgestattet – laut Angela Merkel „sichere Orte“ sind. Ich halte die Schließung von Theatern für rechtswidrig.

Sie nennen die Schließung unverhältnismäßig. Worin besteht aus Ihrer Sicht die Unverhältnismäßigkeit?

Wieso müssen Theater schließen, während Friseursalons offen bleiben dürfen? Friseure kommen ihren Kunden doch viel näher als Schauspieler ihren Zuschauern! Außerdem: Warum bleiben Sportgeschäfte und Media-Märkte offen, Theater dagegen müssen schließen? Ich empfinde das als reine Willkür.

Sie berufen sich auf die Kunstfreiheit, die ja im Grundgesetz verankert ist. Als dieses niedergeschrieben wurde, hat dabei niemand an ein Virus gedacht. Warum lässt sich das Grundgesetz Ihrer Meinung nach trotzdem auf diese Situation anwenden?

Sobald man es zur Regel werden lässt, bei jeder neuen Herausforderung in der Verfassung verankerte Grundrechte nach Belieben außer Kraft zu setzen, beschädigt man die Demokratie.

Viele im Kulturbereich regen sich über die Schließung von Theatern, Kinos oder Opernhäusern auf. Sie sind der einzige, der gerichtlich dagegen vorgeht. Wie kommt das?

Ich fühle mich ungerecht behandelt, und ich bin vom Charakter her eher Rebell als Duckmäuser. Und dass ich nicht aus egoistischen oder gar finanziellen Gründen das Schlosspark Theater wieder öffnen möchte, liegt ja wohl auf der Hand.

Dieter Hallervorden hat bei Gericht einen Eilantrag gegen die Schließung seines Hauses eingereicht.
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Erfahren Sie Zuspruch?

Von Zuschauern gab es für meine Art des Überlebenskampfs sehr viel Anerkennung und Zustimmung. Auch von Kollegen habe ich sehr viel Ermunterung und Daumendrücken bekommen. Viel Durchhalteparolen und verbales Schulterklopfen, aber nur in Einzelfällen aktive Solidarität.

Wie ist es mit Kritik?

Verglichen mit dem Sturm an Zustimmung sind kritische Äußerungen nur eine leichte Brise.

Das Schlosspark Theater ist ein Privattheater, der erneute Lockdown bringt Sie auch wirtschaftlich in Schwierigkeiten, oder? Ist die Existenz des Theaters gefährdet?

Seit der Wiedereröffnung habe ich unentgeltlich gespielt und zur Bezahlung der Angestelltengehälter und sonstiger Unkosten pro Vorstellung 2.500 Euro aus eigener Kasse beigesteuert. Ich werde aus persönlichen Rücklagen weiterhin für Verluste einstehen, wobei das – wenn man mein Alter bedenkt – eigentlich das Erbe meines Sohnes mindert. Wenn denn überhaupt von dem Ersparten ein Rest übrig bleibt.

Was ist mit staatlicher Unterstützung?

Die zuständigen Senatsdienststellen sind sehr kooperativ und zeigen viel Verständnis für unsere Situation. Wir stehen in regelmäßigen Kontakt.

Haben Sie nicht Angst, dass keiner kommt – aus Angst, sich anzustecken, selbst wenn Sie wieder öffnen können?

Angst ist ein äußerst schlechter Ratgeber. Unsere Erfahrungen im September und Oktober waren sehr ermutigend. Wir waren ständig „ausverkauft“, wobei das natürlich ironisch zu verstehen ist, wenn man von 473 Plätzen nur 105 anbieten darf.