Lutz Berger machte sein Hobby zum Beruf. Nachdem der Wasserwanderer selbst ein Bausatz-Boot baute, ist er nun im deutschsprachigen Raum der einzige Anbieter für Holzkajaks und Kanadier zum Selberbauen. Bernd Friedel

Laufkundschaft hat Lutz Berger selten. Wer sich in seiner Werkstatt ganz hinten auf dem Gelände der ehemaligen Fahrbereitschaft in Lichtenberg einfindet, kommt oft von weit her und hat ein klares Ziel vor Augen: ein selbst gebautes Boot auf dem Autodach oder per Anhänger mit nach Hause nehmen. Eins für die Ewigkeit, eins zum Vererben und ja, auch eins zum Angeben auf den Seen und Flüssen hier und in der Ferne.

Lutz Berger bietet Bootsbausätze an. Komplette Sätze an Puzzleteilen aus Sapeli und Okumé-Bootsbausperrholz, die jeder Hobbyhandwerker, der einen Hobel gerade halten kann, selbstständig zusammenfügen kann, sagt Berger. Selbst das nötige Werkzeug sollte in jeder halbwegs gut ausgestatteten Heimwerkstatt vorhanden sein. Stichsäge, Schraubklemmen, Schleifmaschine. Mit Herz und Hand entstehen dann binnen weniger Tage kleine Kunstwerke, die erst mit Draht zusammen genäht und dann mit einem Überzug aus Glasfaser und Epoxidharz versehen, unverwüstlich und wartungsfrei sind. Für diejenigen, die beim Bauen gerne in Gesellschaft sind und sich das Herzens-Projekt vielleicht doch nicht in Eigenregie zutrauen, bietet Berger regelmäßig Workshops zum Selberbauen an: „Der jüngste Teilnehmer bisher war 19 Jahre alt, der älteste 80“, sagt Lutz Berger. Eheleute kommen, und Menschen, denen zum runden Geburtstag eine größere Runde ein besonderes Geschenk machte.

Zwei Schweizer verwirklichen ihren Traum 

Oder Männer, die sich hier einen Traum verwirklichen. Männer wie Alois Ebi (62) und Andreas Hofmann (49). Die beiden Schweizer treffen sich in der Lichtenberger Werkstatt zum ersten Mal. Hofmann, ein Tierarzt, hat zwei Wochen gebraucht, um sich anzumelden. Ebi, der Förster, trägt sich schon seit zwei Jahren mit dem Vorhaben. Jetzt stehen sie hier und an Tag fünf des Kurses sind Stand-Up-Paddleboard und Wanderkanu schon als solche zu erkennen. Die beiden sind handwerklich fit, Hilfestellung benötigen sie kaum.   Schon als Jugendlicher hat sich Andreas Hofmann sich ein eigenes Surfbrett gebaut. Sein handgemachtes Stand-up-Board will er im Rhein benutzen und auf den Schweizer Seen. „Die Saison beginnt eigentlich im Mai, aber dieses Jahr bin ich bestimmt früher dran“, sagt er. Und kann es kaum abwarten sein Schmuckstück zu Wasser zu lassen.

Pfeilschneller Hingucker: ein selbstgebautes Kajak.  Foto: Berger Boote 

Alois Ebi plant Touren mit seiner Frau, die schwedischen Seen, die Müritz will er unter den Kiel nehmen. „Das hier wird keine Badewanne“, sagt Ebi und streicht stolz über das Boot. Drei Wohnmobile habe er schon selber ausgebaut, aber das hier sei sein erstes Boot. Die Kajaks, die Lutz Berger anbietet, haben klingende Namen: Yura, Chesapeake, Shearwater, oder Night Heron warten auf ihre Erbauer, ebenso die Kanadier Kymi River, Repovesi oder Sassafrass Mark II. Das klingt nach Nebel überm See, nach Sonnenuntergang und Stille. 40 verschiedene Modelle und damit Outdoorträume hat Berger auf Lager. Darunter eigene Entwürfe, ein Großteil aber als Lizenzprodukte verschiedener Designer.

90 Euro kostet der Bauplan, bei dem man selber fräsen muss, einen Bausatz aus dünnen Sperrholzplatten für ein Kajak gibt es ab 1200 Euro, 3000 Euro sind für ein großes Ruderboot fällig.   Lutz Berger, ein studierter Politologe und Ethnologe war lange Zeit selber auf den Wassern und in der Natur Skandinaviens unterwegs. Als Wanderführer, als Wasserwanderer. Etwas mit den eigenen Händen schaffen, Natur und Handwerk verbinden – das wäre was, dachte er sich. Als er 2010 sein erstes Kajak mit einem Bausatz baute, platze der Knoten. Noch heute hängt das Kajak Numero eins an der Wand hoch oben unter der Decke der Lichtenberger Werkstatt. www. bergerboote.de