Die Basilius-Kathedrale in Moskau ist eines der Wahrzeichen Russlands.   Imago 

Es gibt einen Chinesischen Garten, einen Orientalischen Garten, einen Irrgarten, einen Italienischen Renaissancegarten, einen Englischen Landschaftsgarten und seit neustem auch einen Jüdischen Garten. In den Marzahner Gärten der Welt ist Internationalität Programm. Nun könnte ein weiterer Themengarten hinzukommen. Mario Czaja, CDU-Abgeordneter in Marzahn-Hellersdorf, trommelt für einen „Russischen Garten“ in seinem Bezirk.

Beziehungen zwischen Deutschland und Russland

Mario Czaja ist Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Wuhletal und er weiß um die vielfältigen Beziehungen zu Russland in Marzahn-Hellersdorf, wo einen große Community von Russlanddeutschen zu Hause ist, und generell in Berlin. Als Gesundheitssenator pflegte er eine enge Beziehung zu Moskau. Der interkulturelle Dialog ist ihm wichtig, immerhin seien Berlin und Moskau Partnerstädte.

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„Die aktuellen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind in keinem guten Zustand“, sagt Mario Czaja. Dabei gebe es gerade in Marzahn-Hellersdorf viele Anknüpfungspunkte. Hier, wo die Rote Armee das erste Mal Berliner Boden betrat, um Berlin zu befreien, hier wo das Unternehmen Knorr Bremse eine strategische Partnerschaft mit RZD, der staatliche Eisenbahngesellschaft der Russischen Föderation und dem russischen Engineering Center for Railway Transport (ECRT)  geschlossen hat und Hochgeschwindigkeitszüge für Russland baut. Hier, wo immerhin 35.000 Spätaussiedler leben, 200.000 Menschen, die Russisch sprechen. Es gibt russische Supermärkte, Vereine, Schulen und Kitas. Man findet Pelmeni, ebenso wie Putin T-Shirts. In den Gärten der Welt gibt es zwar eine Mischa- und Mascha-Bärenschaukel- einen eigenen Russischen Garten aber eben bisher nicht. Und das soll sich ändern. 

Mario Czaja (CDU) macht sich für einen Russischen Garten stark.  dpa

Unterstützung durch das Russische Haus Berlin

Auch im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur, eine staatliche Einrichtung der Russischen Föderation, ist man der Idee wohlgesonnen. Man habe einen ersten Kontakt zum Direktor des Botanischen Gartens in Moskau hergestellt, so Czaja. Die gemeinsame Idee: Ein Garten könnte die unterschiedlichen Klimazonen des Riesenlandes Russland exemplarisch abbilden und so nicht nur zur interkulturelle Verständigung beitragen, sondern auch pädagogischen Anspruch haben.

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Publikumsmagnet Irrgarten in den Gärten der Welt. Der Idee, einen Russischen Garten zu gestalten, stehen viele im Bezirk offen gegenüber. 
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„So ein Garten könnte dazu beitragen, die Beziehungen  zu Russland zu revitalisieren“, sagt Mario Czaja. Wenn man Entspannung erreichen wolle, dann zuerst niedrigschwellig mit Kultur, Sportveranstaltungen und dergleichen.

Russen in Berlin 

Hinter dem Vorstoß steckt aber auch ein weit größeres Themenfeld, so Czaja. Die Gruppe der Spätaussiedler im Bezirk werde mit ihren Kompetenzen nur bedingt abgeholt. Noch immer sind viele ihrer Abschlüsse nicht in Deutschland anerkannt. Viele arbeiten im Niedriglohnsektor. Dabei brauche etwa der Clean Tech Businesspark Fachkräfte.

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Der Vorsitzende der Gemeinschaft der Russlanddeutschen Lyra Marzahn e.V. Walter Gauks befürwortet das Projekt ebenfalls.„ Ich finde das großartig“, sagt er im Namen vieler Spätaussiedler. „Es wäre ein Zeichen für ganz Berlin. Auch viele Einheimische sprechen sich für ein gutes Miteinander aus.“ Ein Treffpunkt, ein Ort für Veranstaltungen stärke den kulturellen, aber auch wirtschaftlichen Austausch. 

2021 ist ein wichtiges Jahr für deutsche-russische Beziehungen 

Im Bezirk ist man den Plänen gegenüber aufgeschlossen. „Ich stimme Ihnen zu, dass ein 'Russischer Garten' sowohl historisch als auch ökologisch eine Bereicherung für unseren Bezirk und die 'Gärten der Welt' wäre und zudem ein sichtbares Zeichen für eine Wiederaufnahme von ernsthaften Bürgerbeziehungen“, schreibt Wirtschaftsstadträtin Nadja Zivkovic ihrem Parteikollegen auf dessen Vorstoß hin. 

Der nächste Schritt wäre nun ein Gespräch mit Grün Berlin, welche die Gärten der Welt verantwortet. Berlin und Moskau verbindet seit 30 Jahren eine Städtepartnerschaft, auch sonst befinde man sich 2021 in einem wichtigen Jahr. Vor 80 Jahren überfiel das Deutsche Reich die Sowjetunion, 80 Jahre ist es her, dass der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR „Über die Umsiedlung der im Wolgagebiet ansässigen Deutschen", das Leben vieler Menschen veränderte. „Man hat den Eindruck, dass in dieser Hinsicht kaum etwas in den beiden Ländern passiert“, sagt Mario Czaja. „Berlin könnte jedoch – im positiven Sinne – zu einem Brückenkopf für eine Revitalisierung dieser so wichtigen Beziehungen werden.“