KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke trifft Regina Lemnitz im Büro des Argon-Verlages. Die Synchronsprecherin ist auf dem Hörbuch von Tina Turner als deutsche Stimme der Rock-Lady zu hören. Foto: Verlag Argon

Sie ist für Film-Fans keine Unbekannte. Doch es ist nicht das Gesicht, sondern die so unglaublich fesselnde Stimme von Regina Lemnitz (74), die fast jeder kennt. Als sich der KURIER mit der Schauspielerin, Sängerin und Synchronsprecherin auf ein Käffchen trifft und sie zu erzählen beginnt, scheint es, als säßen einem plötzlich Whoopi Goldberg, Kathy Bates, Roseanne Barr oder Diane Keaton gegenüber. Denn Regina Lemnitz hat in ihrer Stimme die Stars aus Hollywood. Diese leiht die Berlinerin jetzt auch einer großen Rock-Lady – Tina Turner (81).

Nein, es ist kein Film und keine Dokumentation. Lemnitz musste auch nicht die Hits von Tina Turner („Private Dancer“) auf Deutsch einsingen. Dabei geht es schon um eine CD. Genauer um die Hörfassung zu Tina Turners Buch „Happiness – Mein spiritueller Weg“, die gerade im Berliner Argon-Verlag erschienen ist. Darin will die Rock-Queen, die  seit 40 Jahren bekennende Buddhistin ist, ihre Erkenntnisse über diese Weltreligion an ihre Fans vermitteln. Dabei hilft ihr Regina Lemnitz.

Regina Lemnitz in dem Aufnahmestudio, in dem sie aus dem 300 Seiten starken Tina-Turner-Buch vorlas. Über fünf Stunden Spielzeit hat die Hörfassung. Foto:  Verlag Argon

„Ich war überrascht, als ich vom Verlag erfuhr, dass mich Tina Turner höchstpersönlich als ihre deutsche Stimme für das Hörbuch auserwählt hatte“, sagt die Synchronsprecherin. „Ich würde mich gerne mit ihr einmal treffen, um mich dafür zu bedanken. Denn ihr Buch vorlesen zu dürfen, ist eine große Ehre für mich.“

Sollte es zu dem Treffen kommen, würde die Berlinerin dem Weltstar auch beichten, dass sie es einmal in einem Tina-Turner-Konzert nicht lange aushielt und die Show frühzeitig verließ.  „Das lag nicht etwa an meiner Vorliebe zur klassischen Musik“, sagt Lemnitz. Im Gegenteil, sie hatte sich riesig gefreut, als in den 80er-Jahren Tina Turner ihr Comeback feierte, und sich eine Karte für das Konzert in der Deutschlandhalle besorgt. „Doch die bei Rock-Konzerten üblichen heftigen Basstöne aus den Lautsprecher-Boxen drangen so in meinen Körper, dass ich dachte, ich würde zerplatzen. Daher verließ ich das Konzert bereits nach 40 Minuten“, sagt Lemnitz. „Eigentlich schade.“

Tina Turner bei einem ihrer Konzerte: 2006 beendete sie ihre Bühnenkarriere. Foto: dpa

Den Grund, warum Tina Turner sie für das Hörbuch auswählte, kann die Berlinerin nur ahnen. Die Rock-Sängerin dürfte kaum Lemnitz  in Musicals- oder  Kabarett-Aufführungen sowie in Filmen („Rosa Luxemburg“) und TV-Rollen (wie in der ZDF-Serie „Unser Charly“) gesehen haben. Vermutlich wird Tina Turner eher einen Film mit Whoopi Goldberg angeschaut und deren deutsche Stimme gehört haben.

Whoopi Goldberg und ihre „deutsche Stimme“: Regina Lemnitz traf den Filmstar in Hamburg. Foto: Lemnitz/privat

Lemnitz synchronisiert seit 1985 fast ausnahmslos den Filmstar. Dafür sorgte Steven Spielberg („Jurassic Park“, „Schindlers Liste“). „Er führte damals in dem Film ,Die Farbe Lila‘ Regie, in dem Whoopi Goldberg die Hauptrolle spielte“, sagt Lemnitz. „Spielberg suchte auch die deutsche Synchronstimme für sie aus, die mädchenhaft, aber auch reifer klingen sollte. Aus mehreren Aufnahmeproben wählte er meine.“

Ausgerechnet bei „Ghost – Nachricht von Sam“ (1990), in dem Goldberg mitspielte und dafür den Oscar erhielt, versagte ihre deutsche Dauerstimme. „Ich hatte damals eine Bronchitis, konnte Whoopi unter anderem deshalb nicht synchronisieren. Dabei hätte ich mit ihr so gerne den Oscar bekommen“, sagt Lemnitz.

Oscar-Preisträgerin Kathy Bates („Misery“) wird seit 1991 von Regina Lemnitz synchronisiert. Foto: imago images/ZUMA

1991 bekam die Berlinerin aber ihre Chance, als Kathy Bates für die Hauptrolle im Stephen-King-Horrorfilm „Misery“ den Oscar erhielt. „Ich sah die Verleihung im Fernsehen. Als ich danach im Synchronstudio stand, war ich richtig happy, als ich auf der Leinwand Kathy Bates sah und erfuhr, dass ich sie in ‚Misery‘ synchronisieren darf. Da hatte ich nun meine Oscar-Preisträgerin, der ich seitdem meine deutsche Stimme leihe.“

Auch ihr leiht Lemnitz ihre Stimme: US-Serien-Star Roseanne Barr („Roseanne“). Foto: imago images/Sadou

Von den Stars traf Lemnitz nur Whoopi Goldberg. Das war vor zehn Jahren  in Hamburg.  Die Berlinerin sang im Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“, die Amerikanerin stellte die Musical-Version von „Sister Act“ vor. „Ich saß in der Pressekonferenz, stand am Schluss auf und fragte: ,Hat noch jemand eine Frage?‘ Worauf Whoopi von vorne rief: ,Da ist ja meine deutsche Stimme!‘“ Diese leiht Lemnitz ihr erneut: „Ich synchronisiere gerade Whoopie in ,The Stand‘, einer TV-Serie nach einem Stephen-King-Roman.“