Kauft man seinen Weihnachtsbaum direkt beim Erzeuger, kann man den Baum unter Umständen sogar selbst schlagen. Das ist ein Ereignis für die ganze Familie. Foto: Florian Schuh/dpa

Ein Christbaum gehört zu Weihnachten wie die Eiersuche zu Ostern. Jede Familie schmückt ihren Tannenbaum individuell - der Baum selbst aber ist in vielen Wohnungen von derselben Sorte: Die meisten Deutschen setzen auf Nordmanntannen.

Und das hat seinen Grund. „Eine Nordmanntanne bringt alles mit, was den Weihnachtsbaum ausmacht“, sagt Eberhard Hennecke, Vorsitzender der Fachgruppe Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger im Gartenbauverband Nordrhein-Westfalen. „Sie hat neben der schlanken, pyramidalen - also idealen - Wuchsform eine ausgeprägt grüne Farbe sowie eine gute Nadelhaltbarkeit.“

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Auch bei der Haltbarkeit insgesamt kann die Nordmanntanne punkten. „Sie übersteht ohne Probleme die Weihnachtszeit, auch wenn man sie schon zwei, drei Wochen vor Weihnachten aufstellt“, sagt Saskia Blümel, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Deutschland. „Die Nadeln piksen nicht, was natürlich das Schmücken angenehm macht, vor allem für Kinder.“

Auch bei den Erzeugern ist die Nordmanntanne beliebt. „Sie ist eine gut produzierbare Art“, sagt Hennecke, der einen Betrieb im Sauerland hat. Er benennt aber auch ihr einziges Manko: „Den Duft, den man sich vom Baum im Wohnzimmer wünscht, den gibt sie leider nicht her.“

Wer es duftend mag, setzt auf Blaufichte

Den typischen Tannenduft bietet dagegen die Blaufichte, auch Blautanne genannt, erklärt Blümel. Auch Nobilistanne und Rotfichte sind Alternativen. Die Nadeln von Blau- und Rotfichte piksen zwar, doch was den einen stört, ist dem anderen gerade recht. Vor allem Haustierbesitzer würden Bäume mit piksenden Nadeln sogar bevorzugen, erklärt Blümel: „Katzen springen zum Beispiel nicht in solche Bäume.“

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Die Blautanne ist noch recht gut zu bekommen, ihr Marktanteil liegt laut Blümel in Deutschland bei rund 15 Prozent. Preislich rangiert sie - wie die Rotfichte – etwas unterhalb der Nordmanntanne.

Nach einer Nobilistanne, die auch als Edeltanne bekannt ist, muss der Verbraucher dagegen womöglich länger suchen. „Sie ist sehr schwer zu produzieren“, sagt Hennecke. „Aus ihr wird meist nur Tannengrün gemacht. Man kennt sie vor allem von Adventskränzen.“ Dafür eignet sich die ebenfalls weihnachtlich duftende Nobilis gut, da ihre Nadeln höchstens grau werden, aber nicht abfallen. „Nur die Farbe ändert sich, aber sie nadelt nicht“, erklärt Hennecke.

Als ganzer Baum liegt die Edeltanne geringfügig höher im Preis als die Nordmanntanne. „Bei einem Zwei-Meter-Baum sind das etwa drei, vier Euro“, schätzt Hennecke. „Aber sie ist eben nicht überall zu bekommen.“

Baum direkt beim Erzeuger kaufen

Und das lässt viele dann doch beim Klassiker Nordmanntanne bleiben. Die gibt es in jedem Baumarkt. Wer etwas anderes möchte, sollte zu einem Stand gehen, an dem der Erzeuger direkt verkauft, sagt Blümel. „Oder direkt auf dessen Hof.“ Auch Hennecke rät zu Gärtnereien oder zum qualifizierten Einzelhandel im Straßen- beziehungsweise Standverkauf: „Der bietet häufig auch alternative Sorten an.“

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Mag die pyramidale Nordmanntanne mit ihrer Wuchsform punkten, können die Alternativen individueller sein. „Sie sind ein bisschen breiter und ausladender, sie sind luftiger, nicht so voll gewachsen“, sagt Blümel. „Sie haben auch eher mal „Schönheitsmakel“. Dafür können sich diese Sorten zum Beispiel für Fans echter Kerzen lohnen, da die Etagen nicht so eng angeordnet sind.“

Egal, für welcher Sorte man sich entscheidet: Individualität gibt es auch beim Kauf an sich. Viele Betriebe bieten Kunden an, ihren Baum selbst zu schlagen. „Die machen ein Riesenevent daraus, das ist eine tolle Sache“, sagt Hennecke. „Gerade Familien nehmen das vermehrt in Anspruch.“

Bio liegt auch bei Christbäumen im Trend

Zwar ist auch ein Trend zu Bio-Bäumen zu beobachten. „Der Bio-Anteil von Weihnachtsbäumen liegt sicher aber unter zehn Prozent“, sagt Hennecke und betont: „Schon im konventionellen Anbau sind die Produktionsstandards sehr hoch gesteckt.“

Mancher meint, dem Baum etwas Gutes zu tun, wenn er ihn im Topf kauft und nach den Feiertagen im Garten wieder einpflanzt. Das gelingt in der Regel aber nicht, weiß Hennecke. „Der herkömmliche Topf, der mit Baum angeboten wird, ist nur ein Frischhalteballen.“ Die Wurzel, die tief in die Erde reicht, wird dafür einfach gekappt. „Das bedeutet eine Verlängerung der Haltbarkeit, aber ein An- und Weiterwachsen ist in den seltensten Fällen gegeben.“

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Ist ein Mietbaum sinnvoll?

Saskia Blümel rät vom Modell des Mietbaums ab, das es seit ein paar Jahren gibt. Ihrer Meinung nach bringt es mehr Aufwand als Nutzen: „Es muss jemand mit dem Auto kommen, der den Baum zuerst bringt und dann wieder abholt. Man tut damit nicht mehr für die Umwelt, eher im Gegenteil.“ Bei geschlagenen Bäume werde dagegen für jeden ein neuer gepflanzt: „Die CO2-Bilanz ist mindestens Plus-minus-Null.“

Ob Nordmanntanne oder eine Alternative: Wer sich einen geschlagenen Baum zu Weihnachten holt, sollte ein paar Regeln beachten. Vor dem Aufstellen wird am besten noch einmal eine Scheibe unten abgesägt. „Am besten einen Weihnachtsbaumständer mit Wasserbehälter nehmen“, rät Blümel und nennt die Faustregel: „Eine Nordmanntanne braucht pro laufendem Meter einen Liter Wasser pro Tag.“

Platziert wird der Baum am besten nicht direkt vor einer Heizung. „Lieber eine LED-Lichterkette als eine normale nehmen, die bleibt kühler“, sagt Blümel. Wer all das beachtet, kann seinen Baum ohne Probleme schon Anfang Dezember kaufen und bis Heiligabend genießen.