Migräne wird oft über Generationen vererbt. Trotzdem bleibt sie bei Kindern oft unerkannt. Foto: imago images/Panthermedia

Migräne bei Kindern? Das kann doch gar nicht sein! Oder doch?  Während Migräne bei Erwachsenen eine typische Volkskrankheit ist, ist sie bei Kindern völlig unterschätzt. Dabei leiden bis fünf Prozent aller Kinder an Migräne. Kein Wunder, immerhin wird sie meiste über viele Generationen vererbt. Dabei sind Kinder-Migräneattacken oft ganz anders als bei Mutti oder Vati. Wie Sie Migräne bei Ihrem Kind erkennen und was Sie dagegen tun können – der KURIER klärt auf.

Wie erkennt man Migräne bei Kinder?

Im Unterschied zu Erwachsenen gehören starke, einseitige Kopfschmerzen nicht zu den üblichen Begleiterscheinungen von Migräne bei Kindern und Jugendlichen. Sofern Kopfschmerzen auftreten, sind sie eher beidseitig und nicht von langer Dauer. Zudem können Herzrasen, Hautrötungen oder eine erhöhte Körpertemperatur mögliche Anzeichen einer Kindermigräne sein. Die diffusen Beschwerden sorgen für Verunsicherung.

Was sind typische Signale für einen Migräneanfall?

  • Der Schmerz betrifft meistens beide Kopfseiten und die Stirn.
  • Eine Kindermigräne dauert häufig ein bis zwei Stunden.
  • Ganz typisch sind Übelkeit, Erbrechen. Bauchschmerzen sind Begleiterscheinungen. Diese Symptome können ohne Kopfschmerzen auftreten.
  • Auch Schwindelattacken sind möglich.
  • Oft kommt es zum Alice-im-Wunderland-Syndrom, bei dem sich Kinder selbst oder ihre Umgebung auf halluzinatorische Weise verändert wahrnehmen. So werden zum Beispiel Gegenstände oder Teile des eigenen Körpers größer oder kleiner wahrgenommen, die Kinder wirken verwirrt.

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Was sind die Auslöser für Migräne bei Kindern?

Den persönlichen Trigger, also Auslöser für die Migräne, muss jeder selbst herausfinden. Sinnvoll ist es, wenn Eltern oder die Kinder selbst ein Tagebuch über die Anfälle führen.

Häufige Trigger sind:

  • Stress: Der Stress beginnt im Kinderzimmer. Leistungsdruck in der Schule, lange Betreuungszeiten in der Kita, fünf Hobbys an drei Nachmittagen – das ist zu viel für den Nachwuchs.
  • Kein fester Rhythmus: Unregelmäßiges Essen, unterschiedliche Schlafenzeiten, kein fester Tageszeitplan sind oft Auslöser für Migräneanfälle – vor allem am Wochenende. Grund sind ein schwankender Blutzuckerspiegel und Übermüdung.
  • Lebensmittel: Achten Sie darauf, welche  Nahrungsmittel Ihr Kind an Migräne-Tagen zu sich nimmt. Einige stehen im Verdacht, Kopfschmerzen bei Kindern zu fördern. Ganz vorn auf der Liste: Koffein, das beispielsweise in Cola enthalten ist.
  • Wetterfühligkeit: Das ist wie bei anderen Schmerzsymptomatiken auch – wechselhaftes Wetter kann das Aua verschlimmern.
  • Weitere Auslöser: Laute Geräusche (z.B. Baustelle), helles Licht, starke Gerüche (z.B. von Zigaretten, Klebstoffen oder Benzin).

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Wie kann man die Schmerzen lindern?

Akute Schmerzlinderer sind bekannte Medikamente. Paracetamol oder Ibuprofen werden meist empfohlen. Triptane, die bei Erwachsenen gegen Migräne eingesetzt werden, sind nichts für Kinder. Wichtig bei der Schmerzmittelgabe: Auch wenn Zäpfchen unangenehm sind, bei Migräne sind sie zu bevorzugen. Sie wirken schneller und können nicht durch Migräne-typische Übelkeit erbrochen werden.

Auch ein kühler Lappen auf der Stirn kann Linderung verschaffen. Noch ein Hausmittel: Pfefferminzöl auf Schläfen oder Nacken einmassieren. Das gilt allerdings erst für Kinder ab drei Jahren.

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Was hilft mittel- und langfristig gegen Migräne bei Kindern?

Um mögliche Trigger für die Migräne herauszufinden, ist es ratsam, dass die Eltern oder Jugendlichen selbst ein Migränetagebuch führen. Zudem wird ein wohlgestalteter Tagesablauf mit festen Mahlzeiten und ausreichenden Pausen empfohlen. Die Vermeidung von Stress und Leistungsdruck sowie regelmäßiger Ausdauersport und Entspannungsverfahren können die Häufigkeit und Schwere der Attacken senken.

10 Tipps für kleine Migräne-Patienten

  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch.
  • Finden Sie Ihre persönlichen Migräneauslöser heraus.
  • Trinken Sie ausreichend und essen Sie regelmäßig.
  • Bringen Sie Ordnung in Ihren Tagesablauf und muten Sie sich nicht zu viel zu.
  • Lernen Sie, auch einmal „Nein“ zu sagen.
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Lebensrhythmus.
  • Finden Sie mit Hilfe Ihres Arztes eine Prophylaxe.
  • Entspannen Sie sich – mit Yoga, Musik oder Ihrem Lieblings-Hobby.
  • Treiben Sie moderaten Ausdauersport.
  • Lernen Sie ein Entspannungsverfahren.