Das Leben als Mutter ist herausfordernd und verlangt uns vieles gleichzeitig ab. Doch das Handy sollte immer an zweiter Stelle stehen.
Das Leben als Mutter ist herausfordernd und verlangt uns vieles gleichzeitig ab. Doch das Handy sollte immer an zweiter Stelle stehen. imago images/ingimage

Man sieht es auf dem Spielplatz und auf den Straßen sowieso: Mütter, die während sie den Kinderwagen schieben, auf ihr Handy schauen. Väter, die während die lieben Kleinen im Sand krabbeln,  YouTube checken. Das allgegenwärtige Smartphone lenkt uns vom Süßesten ab, was die Natur zu bieten hat, von unseren Kindern. Doch wie sehr schaden wir den Kleinen mit dem ständigen Blick aufs Display?

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Augenkontakt mit den Eltern fördert eine gelungene Bindung zwischen Baby und Mama und Papa, weiß der Kreuzberger Kinder- und Jugend-Psychiater Dr. Andreas Wiefel. Starren Eltern hingegen andauern auf ihr Telefon, bemerken sie oft die Versuche ihres Nachwuchses gar nicht, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Man nennt das „Stillface“, eingefrorenes, starres Gesicht. „In solch einer ausdruckslosen Mimik kann das Kind nichts lesen, sich nicht rückversichern, weshalb es anfängt zu quengeln, um wieder mehr Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt Frauke Mecher in der Berliner Zeitung. Als Physiotherapeutin behandelt sie viele Säuglinge sowie Kleinkinder. Ein dauerhaft unterbrochener Augenkontakt mache dem Kind Angst, was einem behüteten Aufwachsen entgegenstehe.

Dauerhaftes Handy-Schauen ist ein Problem für Babys

Dabei geht es nicht um das gelegentliche SMS-Schreiben oder Telefonieren. Aber dauerhaftes Handy-Glotzen ist für Kinder ein Problem. Nicht nur für kleine Kinder, sondern auch für größere. Dann nämlich, wenn es darum geht, Vorbild zu sein.

Wenn das Baby schläft, hat auch Mama endlich eine Pause.
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Wenn das Baby schläft, hat auch Mama endlich eine Pause.

Wie lebenswichtig Zuwendung für Kinder ist, hat man schon vor Jahrzehnten erforscht: Babys wurden dabei beobachtet, wie sie reagieren, wenn die Mutter voll und ganz bei ihnen ist, empathisch reagiert, lächelt. Diese Kinder waren in der Regel ausgeglichen und entspannt. Dann hat man untersucht, wie sie reagieren, wenn die Mütter dauerhaft wegschauen oder ohne Mimik auf den Säugling herabblicken. Hier reagierten die Kleinen hektischer, weinten und strampelten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und die Mutter zu einer Reaktion zu bewegen.

Wie schauen Sie aufs Kind: liebevoll oder genervt?

„Aus diesen Experimenten stammt auch der Begriff ‚Stillface‘“, weiß Psychotherapeut Dr. Andreas Wiefel. „Allerdings waren das sehr künstliche Situationen, die so in der Realität eher selten vorkommen, weil kein Elternteil absichtlich ausdruckslos guckt.“

Natürlich gibt es im Alltag immer wieder Gründe, warum Eltern ihre Kinder nicht anschauen. „Früher hat man Zeitung am Frühstückstisch gelesen, und das war auch in Ordnung“, so Wiefel  in der Berliner Zeitung. Heute sei es eben ein anderes Medium, das Handy. Zugleich gibt es Situationen, in denen man wegguckt, etwa weil man die rote Ampel im Blick behalten muss oder mit einem älteren Geschwisterkind spricht. „Auch Babys müssen lernen zu akzeptieren, dass Eltern mal keine Zeit haben. Solange es im Grundsatz ein liebevolles, bindungsorientiertes Miteinander gibt, wird das Kind keinen Schaden davontragen“, sagt der Therapeut.

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Jeder feinfühlige Elternteil müsse auch sagen dürfen: „Warte mal kurz!“, so Wiefel. Das sei eine Form der Selbstfürsorge und von daher in Ordnung. Eltern sollten sich jedoch generell fragen, ob das Abgelenkt-Sein eine Ausnahme ist oder Routine. Ist man ständig mehr mit seinen eignen (Handy-)Interessen beschäftigt, oder ist man präsent und ansprechbar für die Kinder? Wie schaut man auf sein Kind: liebevoll oder genervt? Mit Interesse oder nicht? Der Rat des Experten: „Schauen Sie nicht auf die Uhr, sondern in Ihr Herz.“

Ein Handy kann auch verbinden. Auf die konkrete Nutzung innerhalb der Familie kommt es an.
Ein Handy kann auch verbinden. Auf die konkrete Nutzung innerhalb der Familie kommt es an. IMAGO/NurPhoto

Auch Babys brauchen mal Blick-Pause

Und übrigens: auch Babys brauchen Pausen vom Blickkontakt, wollen mal etwas anderes sehen. Kein Kind braucht permanente Aufmerksamkeit. „Das Anschauen ist kein Selbstzweck, vielmehr geht es um Austausch. Wenn der stattfindet und insgesamt positiv ist, darf man auch ruhig zwischendurch zum Handy greifen“, sagt der Therapeut.

Zu einem Problem wird das Handy erst, wenn es wichtiger wird, als das Baby. „Sobald das Handy emotional zu einem gehört, man quasi gar nicht mehr ohne kann, leiden echte menschliche Beziehungen. Und dabei ist dann nicht das Telefon selbst das Problem, sondern der Mensch, der es in der Hand hält.“