Homeschooling ist für Eltern und Kinder eine echte Belastung. Foto. imago images/photothek

Die Bundesregierung will heute den Lockdown verschärfen. Ein wichtiger Punkt: der Schulunterricht soll wieder eingeschränkt werden. Klassen im A-B-Wochenbetrieb bedeutet für berufstätige Eltern den erneuten Supergau. Im Wechsel soll ihr Nachwuchs eine Woche in der Schule lernen, die nächste aber zuhause. Berufstätige Eltern müssen sich dadurch womöglich von einem Tag auf den anderen um die Kinder zu Hause kümmern. Was heißt das für den Job und das Gehalt? Der KURIER klärt die wichtigsten Fragen:

Muss mich der Arbeitgeber freistellen, wenn ich mich zu Hause um mein Kind kümmern muss?

Ja, wenn es nicht anders geht (§ 275 Abs. 3 BGB)! „Die Aufsichtspflichten gegenüber Kindern gehen der Verpflichtung zur Arbeitsleistung vor“, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Zuvor muss ein Arbeitnehmer allerdings versuchen, sein Kind anderweitig betreuen zu lassen. Da gerade in der Corona-Pandemie aber strickte Kontaktbeschränkungen gelten und die Großeltern auf Grund des Infektionsrisikos nicht der richtig Ort zum „Parken“ der Kinder ist, wird das unter Umständen schwierig. 

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Muss ich dann Urlaub nehmen?

Urlaub soll der Erholung dienen und die Ausnahme-Situation des Homeschooling ist keine Erholung. Das sollte also die letzte Option sein. „Ich empfehle vor allen Dingen Homeoffice-Lösungen“, erklärt der Anwalt. Fakt ist aber auch: Wer neben der Arbeit sein Kind betreut, ist nicht voll arbeitsfähig. Bredereck: „Der Gesetzgeber verschließt vor diesem Problem bislang noch die Augen.“ Hier ist Fingerspitzengefühl und Nachsicht seitens des Arbeitgebers gefragt.

Eine andere Idee: Der Abbau von Überstunden während der Betreuungszeit kann eine sinnvolle Alternative zur zeitlich und der Höhe nach begrenzten Entschädigungszahlung sein. Oder Sie gehen vorübergehend in Teilzeit.  Auch möglich: Sie arbeiten am Wochenende, wenn Ihr Partner das Kind betreuen kann.

Was ist diese Entschädigungszahlung?

Die Entschädigungszahlung greift, wenn Sie absolut keine Möglichkeit haben, von zu Hause aus zu arbeiten. Um bis zu 20 Wochen Kinderbetreuung zuhause zu überbrücken, gibt es die Möglichkeit des Lohnersatzes (§ 56 Abs. 1a IfSG): Er beträgt 67 Prozent Ihres Nettoverdiensts.

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Gibt es eine Altersbegrenzung, bis zu der ich mein Kind beaufsichtigen darf oder muss?

Ja, die gibt es. Das Infektionsschutzgesetz geht davon aus, dass ein Kind bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres beaufsichtigt werden muss. „Ältere Kinder müssen beaufsichtigt werden, soweit dies wegen einer Behinderung oder eines Pflegebedarfs im Einzelfall angezeigt ist“, betont der Experte.

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Welche Rechte haben Freiberufler?

„Missverständliche Pressemeldungen erweckten zunächst den Eindruck, dass die Ansprüche nur Arbeitnehmern zustehen würden“, gibt Fachanwalt Bredereck zu bedenken. Im Infektionsschutzgesetz ist diesbezüglich ausdrücklich von „erwerbstätigen Personen“ die Rede. „Vor diesem Hintergrund gehe ich davon aus, dass auch Freiberufler Anspruch auf die Entschädigungszahlungen haben.“