Auf dem Teller oder im Glas: Alkohol sollte nicht zum täglichen Begleiter werden. Foto: 
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Ein knusprige Ente mit deftiger Soße, fein-süßlichem Rotkohl und einem leckeren Kloß. Dazu eine Rotwein-Soße. Da läuft einem schon beim Lesen dieser Zeilen das Wasser im Mund zusammen. Ein Fläschchen Bier in der Thüringer Suppe. Oder besser zwei? Essen und Alkohol gehören für die meisten Erwachsenen unwiderruflich zusammen. Und gegen das eine oder andere Glas Rotwein am Abend wird doch wohl auch keiner was sagen. Oder? Und Alkohol in Suppen und Soßen ist doch sowieso unschädlich, weil verkocht – nicht wahr?!

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Dr. Darius Chahmoradi Tabatabai, Chefarzt an der Hartmut-Spittler-Fachklinik Berlin am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum ist zwiegespalten bei dieser Frage. „Jeden Tag ein Gläschen? Statistisch gesehen ist es ein Konsum, der schädlich ist. Denn die Leber muss mindestens zwei Tage in der Woche vom Alkohol in Ruhe gelassen werden“, sagt er. Ein Spielverderber ist er aber nicht. Alkohol ganz zu verbieten – das wäre auch in seinen Augen nicht sinnvoll oder zielführend. Das Bewusstsein muss gestärkt werden. 

Hätten Sie gewusst, dass in diesen Lebensmitteln Alkohol steckt?

  • Fruchtsäfte: dürfen bis zu 0,38 Prozent Alkohol enthalten (z.B. im Apfelsaft: 0,2 Prozent); in Traubensaft sind bis zu 1 Prozent erlaubt
  • Malztrunk („Kinderbier“): enthält rund 0,5 Prozent Alkohol 
  • Roggenbrot: enthält durch die Herstellung rund 0,3 Vol.-Prozent
  • Reife Banane: bringt es auf 0,6 Prozent Alkoholgehalt
  • Sauerkraut: enthält rund 2 Prozent Alkohol durch die Herstellung
  • Kefir:  enthält rund 2 Vol.-Prozent

Wein in der Soße: Alkohol verkocht? Von Wegen!

Aber wie ist es nun mit unserer Suppe? Oder dem Wein in der Soße? Einmal aufkochen und die Aromen der Zutat bleiben erhalten, der Alkohol aber löst sich dann sowieso in Luft auf? Nicht ganz! Wein, den man kurz vor dem Servieren zum Abschmecken in die Sauce oder Suppe gibt, behält danach sogar noch rund 85 Prozent seines Alkohols. Nach 30 Minuten köcheln sind noch 35 Prozent nachweisbar und selbst Wein im Schmorbraten, der 90 Minuten lang kochte, enthält noch 20 Prozent des ursprünglichen Alkoholgehalts.

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Da der Alkohol im Essen aber nur einen Bruchteil der Gesamtmenge ausmacht, darf die Panik vor dem Kater nach einer guten Rotweinsoße aber getrost zurückgeschraubt werden. Denn, und das vergessen viele, die dem Alkohol am liebsten ganz abschwören wollen, auch sehr reife Bananen bringen es auf 0,6 Prozent Alkoholgehalt und beim Sauerkraut gehen die Werte sogar in Richtung 2 Prozent.

Eine Ausnahme gibt es aber wirklich: Sitzen Kinder mit am Tisch oder trockene Alkoholiker, findet man für Suppe und Soße eine Alternative zum Bier, Schnaps oder Wein. „In dem Augenblick in dem Alkohol im Körper ist, ist es ein Rückfall“, warnt Dr. Tabatabai. Dass jeder noch so kleine Tropfen Kindern schadet, das muss an dieser Stelle wohl nicht extra betont werden.