Nicht nur im kalten Herbst und Winter ist Tee eine wohltuende Sache. Foto: imago images / agefotostock

Nach der Arbeit hetzen wir noch schnell ins nächstgelegene Shoppingcenter. Neue Schuhe für die kalten Tage, ein Geschenk für den Liebsten oder die beste Freundin besorgen. Kaum zu Hause angekommen quengeln die Kinder schon nach dem Abendbrot. Und wenn die Kleinen endlich schlafen, freuen wir uns eigentlich auf den wohlverdienten Feierabend. Eigentlich. Denn plötzlich kommt uns das Meeting von morgen wieder in den Sinn, das vorbereitet werden will. Also noch mal ran an den Computer und schuften, bis die Augen zufallen. Willkommen im Alltags-Wahnsinn im immer hektischer werdenden Berlin.

Was tun also, wenn man nach all dem Stress nicht recht zur Ruhe kommt? Wenn einem das Abschalten schwerfällt? Der Griff zum Schlaf- oder Beruhigungsmittel aus der Apotheke ist dabei nicht die beste Idee und sollte nicht die erste Wahl sein. Der KURIER hat eine bessere Idee: Wie wäre es damit, sich die beruhigende Wirkung der Natur zunutze zu machen? Vor allem die der Kräuter und Tees!

Über 200 Sorten Tee an nur einem Ort

Ein Besuch bei Tee Tiwer in der Karl-Marx-Allee, direkt am U-Bahnhof Weberwiese, verschafft schon beim Öffnen der Tür eine ordentlich Prise Entschleunigung. Der kleine Laden ist hübsch dekoriert. Zwischen Teetassen gucken auch Rentiere hervor. Natürlich ist hier alles winterlich, weihnachtlich, gemütlich schön. Im Regal an der Wand stehen die Tees fein säuberlich sortiert: schwarze Tees, Kräutertees, grüne Tees, Früchtetees, Roibuschtees. Sie tragen so schöne Namen wie Quelle der Harmonie, Berliner Göre oder Grüner Hüpfer. Über 200 Sorten hat Inhaberin Alexandra Petzke im Angebot.

Alexandra Petzke betreibt den Laden Tee Tiwer in Friedrichshain und weiß, welche Wirkung verschiedene Teesorten auf Körper und Geist haben. Foto: Dajana Rubert/Berliner KURIER

Die 32-Jährige öffnet eine Dose. „Riechen Sie mal“, sagt sie. Der süßliche Geruch einer Mango-Mischung zieht in den Raum. Und schon träumen wir uns in eine gemütliche Ecke der heimischen Wohnung: Eingekuschelt auf der Couch sitzen, eine warme Tasse dieses fruchtigen Tees – frisch aufgebrüht – in der Hand. Herrlich.

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„Sehen Sie“, sagt Petzke, „genau darum geht es: sich abends die Zeit zu nehmen und gemeinsam oder allein bei einer Tasse Tee zu entspannen. Die Seele einen Moment baumeln zu lassen. Der Kopf hört auf zu arbeiten und dann geht es zu Bett, man wälzt keine tausend Gedanken mehr und das Einschlafen fällt schon viel leichter.“

Klingt plausibel. Je nachdem, welche Sorte Tee man wählt, hilft die Natur dabei, richtig runterzukommen. „Generell ist es so, dass vor allem Kräutermischungen eine beruhigende Wirkung entfalten können, je nachdem, welche Kräuter enthalten sind. Vor allem Thymian, Lavendel, Kamille und Baldrian wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Genau wie Hopfen, Melisse und Passionsblume“, verrät Petzke.

Tee als Ritual hilft beim Zur-Ruhe-Kommen

Auch Früchtetees sind eine gute Alternative. Der Geruch der Mango-Mischung liegt noch immer im Raum. „Früchtetees enthalten in der Regel kein Teein oder Koffein, schaden also nicht dem Beruhigungsgedanken“, sagt Petzke. Allerdings sind sie – und das gilt ebenso für Roibuschtees – auch nicht für eine besonders beruhigende Wirkung bekannt.

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Anders ist das bei grünem, weißem, gelbem und schwarzem Tee. „Vor dem Zubettgehen sind sie nicht gut geeignet. Der teils sehr hohe Teeingehalt hat eine aufmunternde und belebende Wirkung“, meint Petzke und ergänzt: „Zieht Schwarztee mehr als drei Minuten, setzt er aber auch beruhigende Stoffe frei.“ Deshalb sei er für manchen auch abends bekömmlich.

Generell gilt aber vor allem eins: Das Zur-Ruhe-Kommen, das Sich-Zeit-Nehmen nimmt dem Alltag die Hektik. „Genießen Sie Ihren Tee in Ruhe und stürzen Sie ihn nicht zwischen Abendessen und Nachrichtenschauen hinunter“, rät Petzke. Wir kuscheln uns gedanklich wieder in die Decke auf der Couch, ein leckeres Plätzchen in der einen, die Tasse Tee in der anderen Hand. Für einen Moment entschwinden wir dem Alltagsstress – wenn auch erst einmal nur in Gedanken.

Tee Tiwer, Karl-Marx-Allee 103, 10243 Berlin, www.teetiwer.de

Die heilsame Wirkung verschiedener Tees

Schwarzer Tee: Steigert die Herzleistung und beugt damit Herzerkrankungen vor. Senkt das Karies-Risiko durch die enthaltenen Inhaltsstoffe Mangan, Kalium, Vitamin B und Fluorid, die die Entstehung säurebildender Bakterien im Zahnbelag verhindern. 

Grüner Tee: Grüner Tee hilft gegen Bluthochdruck, Durchfall, Erkältungsbeschwerden, Zinkmangel und Hautalterung. Wer mit grünem Tee regelmäßig den Mund ausspült, bekämpft Mundgeruch, ein tägliches Fußbad aus Grüntee- und Salbeiblättern wirkt gegen Fußpilz. 

Oolong-Tee: Der Inhaltsstoff Saponine hemmt die Fettaufspaltung in der Bauchspeicheldrüse. Der Effekt: Ein Teil des Fettes wird unverdaut wieder ausgeschieden. 

Mate-Tee: Die Mineralstoffzusammensetzung der Blätter des Matestrauchs hat große Ähnlichkeit mit dem menschlichen Schweiß. Das macht den Mate Tee zum besten natürlichen isotonischen Getränk, weil er die mit dem Schweiß verloren gegangenen Mineralien perfekt ersetzen kann. 

Chai-Tee: Laut der traditionellen indischen Heilkunst fördert Kardamom die Verdauung und lindert Erkältungskrankheiten, Ingwer löst Krämpfe und stärkt das Immunsystem und Zimt desinfiziert, durchblutet und wirkt stimmungsaufhellend. 

Ingwertee: Nach einer Mahlzeit regt er den Stoffwechsel an. Zusätzliches Plus für Frauen: Ingwer wirkt entkrampfend und hilft deshalb bei Menstruationsbeschwerden. 

Yogi-Tee: Yogi-Tee ist der geschützte Markenname für „ayurvedischen Gewürztee“. Für Entspannung und inneren Frieden ist die sanft schmeckende Sorte „Jasmine“ bekannt. Gute Laune und Energie verspricht die Mischung „Grüne Energie“. Sie enthält Kombucha und Guarana mit biologisch angebauten Grüntees und natürlichen Fruchtaromen.

Grüner Tee hilft gegen Bluthochdruck, Ingwertee regt nach einer Mahlzeit den Stoffwechsel an – jeder Tee hat eine andere Wirkung auf den Köper. Foto: Dajana Rubert/Berliner KURIER