Im bekannten DEFA-Märchenfilm „Das Feuerzeug“ werden unter anderem Speckknödel gereicht. Fotos: Imago/Shotshop, DEFA-Stiftung

Gerade feierte die DEFA, die Traumfabrik des Ostens, ihr großes 75-Jahre-Jubiläum – die Filme liefen im TV, viele guckten wieder die Streifen, die früher alle begeisterten. Doch was die wenigsten wissen: Jeder kann sich ein Stück DDR-Filmgeschichte auf den eigenen Esstisch holen! Denn: Schon zum 70. Geburtstag der DEFA schrieb die Berliner Autorin  Elke Pohl ein Buch über jene Dinge, die in den beliebten Filmen so gegessen wurden. „Das Defa-Film-Kochbuch“ sammelt Rezepte von „Die Legende von Paul und Paula“ bis „Die Spur der Steine“.

„“Gundlage für die Arbeit war eine Seminararbeit, in der vor Jahren mal jemand analysierte, in welchen Defa-Filmen das Essen eine wichtige Rolle spielte", sagte Pohl dem KURIER. Sie sah sich über 30 Defa-Filme an und untersuchte, was in den Streifen auf den Tisch kam. „Das war manchmal leicht zu erkennen, manchmal schwer.“ Oft half die Phantasie weiter - im Jugendfilm „Sieben Sommersprossen“ pflücken die Verliebten, Karoline (14) und Robert (15), Äpfel - im Buch wird zu den Filminfos das Rezept für „Borsdorfer Apfeltorte“ serviert.

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„Außerdem gab es Filme, in denen viel gesoffen wurde“, sagte Pohl. Das ist bei „Spur der Steine“ der Fall - hier gibt's für den Leser die Rezepte für den Kirschlikör-Cocktail „Blutgeschwür“ und den „Blonden Engel“. Zu jedem Film hat Pohl auch gesammelt, welche Lebensmittel im Jahr des Erscheinens aktuell waren - vom Goldbroiler über den Pizza-Ersatz „Krusta“ bis zum Hamburger „Grilletta“. Das Buch ist inzwischen leider vergriffen, nur vereinzelt im Netz erhältlich. Hier gibt’s drei Rezepte zum Ausprobieren!


Eclairs sind ideal als süßer Nachtisch oder Leckerei zum Kaffeetrinken. Foto: Imago/Panthermedia

Der geteilte Himmel: Eclairs mit Eierlikörfüllung

„Der geteilte Himmel“ (1964) spielt in den zwei Jahren vor dem Mauerbau, dreht sich um die Liebe von Lehrerstudentin Rita und Doktorand Manfred. Weil die DDR-Bürger sehr erfinderisch waren und sogar ihren Eierlikör selbst herstellten, gibt's hier Liebes-Eclairs mit Eierlikörfüllung.

Rezept: 125 ml Milch mit 1/8 l Wasser, 1 Prise Salz und 75 g Butter in einem Topf aufkochen. 200 g Mehl zugeben und rühren, bis sich der Kloß vom Topfboden löst. Teig in eine Schüssel füllen, 1 Ei unterrühren, abkühlen lassen. 3 Eier unterrühren. Backofen auf 225 °C vorheizen (Ober- und Unterhitze). Teig in einen Spritzbeutel mit großer Lochtülle füllen. 12 Streifen von je 10 cm Länge auf ein mit Backpapier belegtes Blech spritzen, 20 Minuten backen. Heiße Eclairs aufschneiden und abkühlen lassen. 500 ml Schlagsahne mit 2 Pck. Vanillezucker und 2 Pck. Sahnesteif aufschlagen. 6 EL Eierlikör unterrühren. Sahne auf die unteren Eclairhälften verteilen. Obere Hälften aufsetzen. 150 g Zartbitter-Kuvertüre mit etwas Sahne und Kokosfett schmelzen, Masse etwas abkühlen lassen und auf die Eclairs geben.


Echte Hausmannskost: Weißkohlrouladen schmecken jedem, ob groß oder klein! Foto: Imago/Shotshop

Der Kinnhaken: Weißkohlrouladen

„Der Kinnhaken“ (1962) erzählt die Geschichte der Liebe von Bardame Carolin und Mauerbau-Wächter Georg. In ihrer Wohnung kocht die junge Frau für ihn Kohlrouladen.

Rezept: 1 Weißkrautkopf in Blätter zerlegen und in Salzwasser 10 Minuten bei schwacher Hitze garen. Herausnehmen, in kaltes Wasser legen, abtropfen lassen. 1 große Zwiebel würfeln, Würfel und eine zerdrückte Knoblauchzehe in 1 EL heißem Schmalz dünsten. Nach dem Erkalten mit 2 EL gekochtem Reis, Pfeffer, Salz, Majoran, Kümmel, Paprikapulver, 500 g gemischtem Hackfleisch und 1 Ei gut vermischen. Hack-Masse auf die Krautblätter verteilen und vom Stielansatz aus aufwickeln, dabei die Seiten nach innen schlagen. Mit Küchengarn befestigen. Schmortopf mit Schmalz ausstreichen, Rouladen hineinlegen und in der Bratröhre garen. Ab und zu etwas Flüssigkeit eingießen. Kurz vor dem Garwerden können, je nach Geschmack, 100 g in Scheiben geschnittener Speck auf den Rouladen verteilt werden. Zum Schluss die Soße mit etwas Mehl binden und je nach Geschmack mit saurer Sahne verfeinern.


Speckknödel sind die perfekte Beilage zu einem deftigen Mittagessen. Foto: Imago/Chromorange

Das Feuerzeug: Speckknödel

Im Märchenfilm „Das Feuerzeug“ (1958) geht es um einen Soldaten, der gutes Essen sehr zu schätzen weiß, und seinen Freund Hans - dessen Leibgericht sind Speckknödel.

Rezept: 250 g Brötchen oder Weißbrot vom Vortag würfeln, in 1/4 l lauwarmer Milch einweichen und 30 Minuten stehen lassen. 120 g Speck ohne Fett leicht anbraten, auf Küchenpapier abtropfen lassen. Brotmasse salzen und pfeffern, Speck und 2 EL gehackte Petersilie zugeben. Mit 3 EL Mehl bestäuben und alles zu einem festen Teig verkneten. Mit feuchten Händen Knödel formen (8 Stück), leicht bemehlen. In einem Topf Salzwasser zum Kochen bringen. Die Knödel nacheinander in das sanft kochende Wasser geben und kurz aufkochen lassen, bis sie an die Oberfläche steigen. Temperatur senken, bis das Wasser nur noch leicht köchelt. Zwei Kochlöffel auf den Rand des Topfes legen, darauf kommt der Deckel. So köcheln die Knödel etwa 25 bis 30 Minuten weiter. Achtung: wenn die Knödel nach unten sinken, Temperatur erhöhen! Speckknödel schmecken zu einer Pilzpfanne oder Bratengerichten mit viel Soße.