Die Palette an Milchersatzprodukten ist riesig: Hafermilch,  Soja- oder Reismilch sind nur einige der Alternativen zu echter Milch. Imago/Niehoff

Knapp 50 Liter Milch trinkt jeder Deutsch pro Jahr. Dazu kommt der Verzehr von Milchprodukten. Doch was viel klingt, ist ein massiver Rückgang in den letzten Jahren. Der Grund scheint beim Blick in die Milchregale schnell klar zu sein: Neben echter Milch von Kuh, Ziege und Co. stehen dort regaleweise Milchersatzprodukte. Von der Hafermilch über Soja- bis zu Mandelmilch. Es gibt „Milch“ aus Hanfsamen, Haselnuss, Cashewkernen, Erdnuss, Lupinen, Erbsen, Gerste, Kokos – zum Teil auch als Bioware. Die Auswahl ist riesig und unübersichtlich. Aber sind Milchersatzprodukte eigentlich gesund? Warum fahren immer mehr Menschen darauf ab und warum heißt Hafermilch nur im Sprachgebrauch Hafermilch, nie aber auf der Verpackung? Der KURIER klärt auf.

Welche Gründe sprechen für einen Verzicht auf Milch?

Tierwohl: Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie ein Kalb gebären. Das wird der Mutter dann aber weggenommen, damit ihre Milch zu uns in den Kühlschrank gelangen kann. Außerdem haben die Tiere wenig Auslauf und werden ihr ganzes Leben lang darauf gezüchtet, unnatürlich viel Milch zu produzieren. Dass das Tierschützern nicht gefallen kann, ist klar.

Ökobilanz: Bei der Herstellung von einem Liter Milch entsteht schon so viel Kohlenstoffdioxid wie bei der Verbrennung von einem Liter Benzin (2,4 kg). Und dabei sind die Emissionen aus Transport, Verarbeitung und Lagerung noch nicht mit eingerechnet. „Beim Kauf sollte man aufpassen, nicht auf vorgetäuschte Regionalität hereinzufallen“, rät die Verbraucherzentrale, die der Milch dennoch attestiert, frisch und umweltfreundlich zu sein.

Unverträglichkeit: In Deutschland sind rund 15 Prozent der Bevölkerung laktoseintolerant. Das ist die logischste Erklärung, warum man auf Kuhmilch verzichten sollte. Denn Kuhmilch besteht zu 4,9 Prozent aus Laktose.

Was spricht gegen den Verzicht auf Milch?

Fehlende Nährstoffe: Kein Milchersatzprodukt enthält von Natur aus Kalzium. Das brauchen wir aber für den Aufbau und Erhalt von Knochen. Deshalb sollten vor allem Kinder im Wachstum und ältere Menschen ausreichend Kalzium zu sich nehmen. Das geht nun einmal am besten über Milchprodukte. Übrigens: Nur Sojamilch besitzt ähnlich viel Eiweiß und Fett, enthält aber mehr Zucker.

Der Geschmack: Wer denkt, ein Milchersatzprodukt schmeckt zumindest ansatzweise nach Milch, hat vermutlich noch nie eines probiert. Zwar kann man Haferdrinks und Co. zu allem verwenden, für das man auch Milch nutzen würde (Müsli, Kaffee, Smoothies etc.), mit dem gewöhnungsbedürftigen Geschmack muss man aber leben.

Künstliche Herstellung: Um Pflanzendrinks nährstoffreicher zu machen, wird ihnen oft Kalzium zugesetzt. Auch Süßungsmittel, Verdickungsmittel, Aromen oder pflanzliche Öle sind oft in den Milchersatzprodukten enthalten. Kein Wunder, das Pflanzenmilch in Deutschland als „verarbeitetes Lebensmittel“ gilt und deshalb auch teurer ist. Sie wird anders besteuert als Kuhmilch, welche als „Grundnahrungsmittel“ gilt.

Nur Milch von Tieren darf auch als Milch bezeichnet werden. IMAGO/Panthermedia

Welche Milchersatz-Drinks gibt es?

Haferdrinks: Super, Hafer! Der steckt schließlich voller wertvoller Ballaststoff. Stimmt. Nur leider werden die bei der Herstellung von Hafermilch nahezu gänzlich zerstört. Haferdrinks enthalten keine Laktose, dafür aber Gluten. Sie sind also nicht für Zöliakie-Patienten geeignet. Aber: Hafermilch ist die ökologisch beste Alternative zur Kuhmilch. Der Wasserverbrauch von Hafer ist gering und die Transportwege kurz. Hafer wird überall in Europa angebaut. Außerdem haben bei einem Test der Stiftung Warentest alle Haferdrinks überzeugt und waren mikrobiologisch einwandfrei.

Sojagetränke: Sojagetränke besitzen ähnlich viel Eiweiß und Fett, enthalten aber mehr Zucker. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt davor, Sojagetränke für Baby- oder Kleinkindnahrung zu verwenden. Der Grund: die Isoflavone im Soja. Das sind Stoffe, die in ihrer chemischen Struktur dem weiblichen Hormon Östrogen ähneln.

Mandeldrinks: Mandeldrinks sind reich an Spurenelementen und Vitaminen, haben wenig Fett und Eiweiß.  Aber: 80 Prozent der weltweit verarbeiteten Mandeln kommen aus Kalifornien. Dort brauchen die Bäume für ein Kilogramm Mandeln mehr als 10.000 Liter Wasser. Dazu kommt der lange Transportweg. Für eine gute Ökobilanz sind Mandeldrinks also keine Alternative.

Warum ist Milchersatz eben keine Milch?

„Ernährungsphysiologisch betrachtet, unterscheiden sich die alternativen Getränke erheblich von der Kuhmilch. Diese enthält natürlicherweise Laktose, Milcheiweiß und in geringen Mengen Cholesterin, was – gerechtfertigt oder nicht – einige Verbraucher meiden wollen“, erklärt das Bundeszentrum für Ernährung. Das sieht auch der Verbraucherschutz so. Gemäß Anhang VII der europäischen Verordnung Nr. 1308/2013 über eine gemeinsame Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse dürfen nur Produkte, die einen tierischen Ursprung haben, als Milch bezeichnet werden. Deshalb steht auf den Verpackungen der pflanzlichen Ersatzprodukte statt Milch meist „Drink“.