Wer ernsthaft fasten will, sollte dies nicht ohne medizinische Unterstützung tun. Foto: imago stock&people

Gewicht reduzieren oder den Köper entgiften? Motivationen für eine Fastenkur gibt es verschiedene. Und im Herbst setzen besonders viele Menschen dieses Vorhaben in die Tat um. Fakt ist: Fasten ist für den Körper im ersten Moment eine große Belastung. Kontrollierte Fastenformen können sich dann aber durchaus positiv auf die Gesundheit auswirken, etwa bei Allergien, Herz- und Kreislaufbeschwerden und um die Immunabwehr zu stärken. Richtig durchgeführt sollte die Leistungsfähigkeit erhalten bleiben und auch kein Hungergefühl beim Fastenden aufkommen. Doch welche Fastenkur ist nun die richtige für Sie? Der KURIER gibt einen Überblick und erklärt, was bei welcher Form erlaubt ist.

Eins noch vorweg: Wer ernsthaft fasten will, sollte dies nicht ohne medizinische Unterstützung tun. Eine Beratung und Untersuchung beim Hausarzt sollte vor der Ernährungsumstellung selbstverständlich sein. Noch besser: Fahren Sie zu einer Fasten-Kur. Dort werden Sie begleitet und betreut, haben außerdem die Ruhe, die ihr Körper in einer Stress-Situation wie dem Fasten braucht.

Null-Diät: Schlecht für den Körper, schlecht fürs Gewicht

Beim klassischen, strengen Fasten verzichtet man komplett auf Nahrung. Alles was man zu sich nehmen darf, sind Wasser und Kräutertees. Das bedeutet für den Stoffwechsel: höchste Alarmstufe. Mit dem Effekt, dass alle Prozesse im Körper verlangsamt werden. Der Organismus beginnt, bestehende Energie-Depots zu verwerten. Das sind Fettreserven, aber auch Eiweiß-Verbindungen der Muskeln. Wer so fastet, muss sich auf massive Müdigkeit und Kopfschmerzen einstellen. Wer sich danach wieder normal ernährt, kann förmlich zusehen, wie sich der Zeiger auf der Wage mehr und mehr nach rechts bewegt. Der Körper setzt Reserven an, falls eine ähnliche „Not“ wiederkehrt. Diese Fastenmethode ist also weder für die Gesundheit gut, noch um Gewicht zu verlieren.

Fastenkur nach Hildegard von Bingen: Gemüsebrühe und Dinkelschrot

Die berühmte Nonne und Naturärztin Hildegard von Bingen hat eine Fastenkur entwickelt, die den Kontakt zur Seele und die innere Einkehr erleichtern soll. Und so geht’s: Ein- bis zweimal täglich wird eine Gemüsebrühe mit Dinkelschrot und vielen frischen Kräutern gegessen. Dazu gibt es gedünstete Äpfel, viel Fencheltee und ausreichend Bewegung. Man reduziert seine Kalorienzufuhr massiv, maximal 800 Kalorien am Tag sind drin. Das klingt wenig und ist auch wenig, ist aber immerhin wesentlich sanfter als der Komplettverzicht auf Nahrung.

Heilfasten nach Buchinger: Mit Säften entschlacken

Bei dieser Methode nimmt man ausschließlich flüssige Nahrung aus Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäften zu sich. So sollte man auf maximal 250 Kalorien am Tag kommen. Das ist nur ein Achtel von der normalen, gesunden Kalorienzufuhr, die ein Durchschnitts-Erwachsener zu sich nehmen sollte. Buchinger-Kliniken empfehlen zwei bis vier Wochen stationären Aufenthalt.

Molkekur: Nur in Kombination wirklich gut

Eigentlich ist Molke ein Abfallprodukt, das bei der Verarbeitung von Milch entsteht. Deshalb sind sowohl Molke-Drinks als auch das Pulver oft mit zusätzlichen Vitaminen und Nährstoffen angereichert und werden in den verschiedensten Geschmacksrichtungen angeboten. Molke hat gegenüber Milch einen entscheidenden Vorteil für eine Diät: Sie ist extrem kalorien- und fettarm. Der Fettgehalt beträgt etwa 0,2 Prozent. Deshalb ist eine reine Molkekur auch fast eine Null-Diät und damit nicht zu empfehlen. Was aber gut geht, ist – zum Beispiel – eine Mahlzeit am Tag durch Molke zu ersetzen. Ein Molke-Drink täglich kurbelt die Verdauung an, vertreibt das Hungergefühl, entwässert den Körper und ist ein kalorien- und fettarmer Ersatz für deftiges Essen.

Intervallfasten: Ein Fass ohne Boden

Intervallfasten ist der vielleicht größte aktuelle Hype, wenn’s ums Abnehmen geht. Und irgendwie scheint hier auch jeder, die zum ihm passende Form zu finden. Zum Beispiel diese: 8:16 – also nur an acht Stunden des Tages kalorienhaltige Lebensmittel zu sich nehmen. Oder so: Die 5:2-Diät – an fünf Tagen in der Woche normal essen, an den beiden Fastentagen ist etwa ein Viertel der sonst üblichen Energiezufuhr „erlaubt“. Das erfordert einiges an Disziplin. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kritisiert, dass die meisten Konzepte des Intervallfastens keine oder nur sehr vage Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl beinhalten. Laut Ernährungs­experten kann periodi­sches Fasten nur etwas bringen, wenn Praktizierende sich dauer­haft gesund ernähren.