Gesund soll es sein: In eine Brotbox für Schule oder Kindergarten gehören ein Vollkornbrot sowie frisches Obst oder Gemüse.  Foto: dpa/ Ralf Hirschberger

Essen ist längst mehr als die reine Nahrungsaufnahme. Wenn man es richtig macht, tut man etwas Gutes für sich und seine Gesundheit. Doch Fallen und falsche Mythen rund um die Ernährung lauern sprichwörtlich an jeder Ecke. Der KURIER enthüllt zehn Ernährungs-Irrtümer, die Sie wirklich erstaunen werden.

Gemüsechips sind die schlankere Alternative?

Sie haben ein gesünderes Image und werben mit Aussagen wie „weniger Fett als Kartoffelchips“ und „mehr Eiweiß“: Gemüsechips sind trotzdem nicht gesünder als herkömmliches Knabbergebäck. Zu diesem Schluss kommt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nach einem Nährwertcheck von 80 Gemüsechip-Produkten.

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Zum Vergleich: Kartoffelchips enthalten rund 530 Kilokalorien und 33 Gramm Fett pro 100 Gramm. Im Schnitt haben Gemüsechips aus Roter Bete, Süßkartoffel oder Pastinake mit 500 Kilokalorien und 32 Gramm Fett pro 100 Gramm kaum einen geringeren Energiegehalt. Auch der Salzanteil ist bei Chips aus Kartoffeln oder Gemüse in etwa gleich hoch.

Vegane Brotaufstriche immer gesund?

Wer einen veganen Brotaufstrich kauft, sollte sich die Zutatenliste mal genauer anschauen. Denn nicht immer ist Gemüse der Hauptbestandteil. Grob können Käufer davon ausgehen: Produkte mit wenig Gemüse enthalten meist mehr Fett. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Zeitschrift „Öko-Test“ (9/2020).

Die Tester haben vegane Bio-Brotaufstriche der Geschmacksrichtung Paprika-Tomate genauer unter die Lupe genommen und beispielsweise beim Gemüseanteil gewaltige Unterschiede festgestellt: Die Spanne reichte von 17 Prozent bis zu üppigen 84 Prozent.

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Smoothies sind super gesund?

Falsch! Sie sind höchstens zweite Wahl – und auch dann nur in Maßen. Da fast ausschließlich geschälte Früchte verwendet werden, enthalten Smoothies weniger Ballaststoffe, Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe als ganze Früchte, erklärt die Verbraucherzentrale. Denn viele dieser wichtigen Inhaltsstoffe sitzen in und unter der Schale. Außerdem werden fertige Smoothies oft mit Saft gestreckt.

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Und auch wer seinen Obst-Cocktail selber mixt, sollte das keinesfalls täglich tun. Denn Smoothies sind wahre Kalorienbomben und damit Dickmacher. Behalten Sie im Hinterkopf: So viel Obst, wie Sie in ein solches Getränk stecken, würden Sie als Stücke auch nicht pro Tag essen.

Vitamine: Viel hilft viel?

Vitaminprodukte in Brausetablette- oder Pillenform können bei falscher Dosierung zu körperlichem Schaden führen, erklärt die Verbraucherzentrale und rät, lieber mehr Obst zu essen statt Tabletten und Kapseln. So kann beispielsweise eine Überdosis an Vitamin D zu Vergiftungs­erscheinungen führen oder die Verkalkung von Herz, Niere oder Lunge fördern. Durch zu viel Vitamin A kann sich die Haut verändern, können Haarausfall oder Kopfschmerzen auftreten. Der Tagesbedarf an Vitaminen lässt sich durch eine ausgewogene und abwechslungs­reiche Ernährung decken.

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Margarine ist besser als Butter?

Butter ist weitläufig als ungesund verschrien. Zu Unrecht! Ja, der Cholesteringehalt von satten 240 Milligramm pro 100 Gramm ist hoch. Ernährungswissenschaftler sind sich jedoch mittlerweile einig, dass Cholesterin aus Milchfetten für gesunde Menschen ungefährlich ist. Als Naturprodukt liefert Butter von Natur aus Vitamine wie Vitamin A und B12 sowie Calcium und Betacarotin.

Margarine hingegen ist ein künstlich erzeugtes Produkt. Anders als bei Butter hängt es bei ihr vor allem davon ab, welches Öl für die Herstellung verwendet wird. Eine optimale Mischung von Fettsäuren bieten Oliven-, Raps- oder Leinöl, sagt die Stiftung Warentest.

Frisches Gemüse ist besser als Tiefkühlkost?

Fakt ist: Je schneller ein Lebensmittel eingefroren wird, umso besser ist seine Qualität. Schockfrostung heißt das Zauberwort der Tiefkühlkost. Das sehr schnelle, industrielle Tiefkühlen macht es möglich, die Frische von Lebensmitteln bestmöglich zu erhalten. Denn die Produkte werden zum optimalen Zeitpunkt und in bestem Zustand eingefroren: direkt nach der Ernte. So bleiben viele Nährstoffe erhalten und auch die Zellschädigung fällt gering aus. Das ist bei frischem Gemüse und Obst durchaus nicht der Fall. Von der Ernte bis zum eigenen Kochtopf legt frische Ware oft einen langen Weg zurück. Für empfindliche Vitamine wie Vitamin C, das auf Licht, Sauerstoff und Wärme reagiert, ist das ungünstig. Eine entscheidende Rolle spielt die Lagerungstemperatur: Bei Zimmertemperatur aufbewahrtes Gemüse verliert pro Tag bis zu 20 Prozent seines Vitamin-C-Gehalts.

Weißen Zucker sollte man meiden und Alternativen wählen

Das stimmt nur bedingt. Fakt ist, viele Zuckerersatzstoffe wie Stevia oder Xylit sind Kunstprodukte. Und die natürlichen Zucker-Alternativen sind weder kalorienärmer noch gesünder für die Zähne. Wer wirklich auf sich achten will, sollte eher seinen Zuckerkonsum generell überdenken, rät die Verbraucherzentrale. In zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln versteckt sich Zucker unter verschiedensten Namen, was erst der genaue Blick auf die Zutatenliste verrät.

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Ein Schnaps nach dem Essen ist gut für die Verdauung

Ein Verdauungsschnaps nach einem schweren, fettigen Essen räumt den Magen auf, heißt es im Volksmund. Doch das ist ein Irrglaube. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass der Verdauungsschnaps wirklich den gewünschten Effekt hat“, erklärt Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. „Der gefühlte Effekt, dass Alkohol den Magen aufräumt, kommt wohl eher daher, dass er eine leicht narkotische Wirkung hat – das unangenehme Völlegefühl wird also abgemildert“, sagt Gahl und rät, lieber einen Verdauungsspaziergang zu machen als zum Alkohol zu greifen. Denn Bewegung hilft in jedem Fall.

Trend Black Food – Aktivkohle im Essen ist gesund

Black Burger, schwarze Croissants und Smoothies oder auch „schwarzer Latte“ liegen im Trend. Es soll gesund sein, entgiften und gegen Kater oder Jetlag helfen. Aktivkohle unterscheidet jedoch nicht, welche Stoffe sie an sich bindet, warnt die Verbraucherzentrale. Vitamine nimmst sie genauso auf wie Inhaltsstoffe von Medikamenten. Vitamin- und Mineralstoffmangel und Verstopfung drohen, wenn man zu häufig Aktivkohle unters Essen mischt, Medizin wirkt dann nicht mehr richtig.

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Vitamin C hilft gegen Erkältung

Eine gute Versorgung mit Vitamin C ist wichtig für ein funktionierendes Immunsystem. Kein Wunder, dass sich manch einer mit einer Extraportion Vitamin C gegen Corona widmen will. Aber: Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, dass die Einnahme von Vitamin-C-Präparaten Erkrankungen vorbeugen oder sie heilen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb auch keine routinemäßige Einnahme eines Präparats zur Prophylaxe und Therapie von Erkältungen. Ob Vitamin-C-Kapseln sinnvoll sind, muss immer individuell entschieden werden.