Forscher haben auf die Minute genau berechnet, wie Nahrungsmittel unsere Lebenszeit beeinflussen. Ein Hotdog kostet uns zum Beispiel 36 Minuten. IMAGO/agefotostock

Sie haben sich zum Mittag zwischen zwei Terminen beim Würstchenmann um die Ecke schnell ein Hotdog reingezogen, um nicht zu viel Zeit zu verschwenden? Was für einer trügerischen Milchmädchenrechnung Sie da erlegen sind, zeigt eine neue Studie amerikanischer Wissenschaftler. Die haben nämlich auf die Minute genau berechnet, welche Lebensmittel unsere Lebenszeit verlängern oder verkürzen. Denn während der Hotdog vermutlich in weniger als drei Minuten in Ihrem Magen verschwunden ist (und gar nicht lange satt macht), werden Sie seinen Verzehr noch bitter bereuen: Er verkürzt Ihr Leben um sage und schreibe 36 Minuten.

36 Minuten verschwendeter Lebenszeit für einen Hotdog? Man stelle sich nur mal vor, wie viel kürzer man lebt, wenn man ein Jahr lang zwei Mal in der Woche zum Würstchen im Brot greift. Unglaubliche zweieinhalb Jahre kommen da zusammen. Zweieinhalb Jahre, die Sie länger leben könnten, wenn Sie sich bewusster ernähren. Bewusster! Nicht wie ein Freak. Nur ein bisschen gesünder.

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Denn: Nicht alles, was schmeckt, ist nach der neusten Studie auch ein Lebenszeit-Killer. Gemüsepizza zum Beispiel kostet uns nur 1,4 Minuten Lebenszeit, ein Stück Apfelkuchen bringt sogar ein Plus von 1,3 Minuten. Hier gleicht der Nachtisch im besten Fall den Hauptgang aus. Der Grund: Obst und Gemüseanteil liegt bei beiden Leckereien recht hoch, sodass er die Auswirkung schlechter Substanzen im Essen ausgleichen kann. Auch ein Erdnussbutter- oder Marmeladen-Sandwich darf als Pausensnack gern eingepackt werden - es verlängert das Leben um rund eine halbe Stunde.

Fast Food unter der Lupe: Diese Lebensmittel verkürzen das Leben

Mehr als 5800 Nahrungsmittel wurden für die Studie der Universität Michigan untersucht. Für ihren Index verwendeten die Forscher 15 Schätzungen der Ernährungsrisikofaktoren und Krankheitslast einzelner Substanzen in der Nahrung. Lebensmittel mit positiven Werten tragen zu gesunden Lebensminuten bei, während Lebensmittel mit negativen Werten gesundheitliche Folgen haben. Außerdem wurde die Umweltbelastung, die durch den Verzehr der Lebensmittel zustande kam, berücksichtigt. Schließlich klassifizierten die Forscher Lebensmittel in drei Farbzonen: Grün, Gelb und Rot – basierend auf ihren kombinierten Nährwert- und Umweltleistungen – ähnlich wie bei einer Ampel.

Die grüne Zone stellt Lebensmittel dar, die man öfter essen sollte, weil sie sowohl ernährungsphysiologisch vorteilhaft sind als auch geringe Auswirkungen auf die Umwelt haben. Lebensmittel in dieser Zone sind hauptsächlich Nüsse, Obst, Feldgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und einige Meeresfrüchte.

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Gegen ein leckeres Stück Apfelkuchen ist nichts einzuwenden. Es verkürzt unsere Lebenszeit nicht. IMAGO/agefotostock

Von den Lebensmitteln aus der roten Zone hingegen sollte man lieber die Finger lassen. Die Auswirkungen auf die Ernährung wurden hauptsächlich durch verarbeitetes Fleisch verursacht.

„Frühere Studien haben ihre Ergebnisse oft auf eine Diskussion über pflanzliche vs. tierische Lebensmittel reduziert“, erklärt Wissenschaftlerin Katerina Stylianou. „Obwohl wir feststellen, dass pflanzliche Lebensmittel im Allgemeinen besser abschneiden, gibt es sowohl bei pflanzlichen als auch bei tierischen Lebensmitteln erhebliche Unterschiede.“

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Kleine Ernährungsumstellung, große Wirkung

„Die Dringlichkeit von Ernährungsumstellungen zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit und der Umwelt ist klar“, meint auch Olivier Jolliet, leitender Autor der Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein kleiner gezielter Austausch bestimmter Nahrungsmittel eine praktikable und wirksame Strategie bieten, um signifikante Vorteile für Gesundheit und Umwelt zu erzielen. Dafür seien keine dramatischen Ernährungsumstellungen erforderlich.“

Konkret empfehlen die Forscher: Weniger Lebensmittel mit den meisten negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt, darunter stark verarbeitetes Fleisch, Rindfleisch, Garnelen, gefolgt von Schweinefleisch, Lamm und Gemüse aus dem Gewächshaus. Sowie die Steigerung der ernährungsphysiologisch wertvollsten Lebensmittel, darunter Obst und Gemüse vom Feld, Hülsenfrüchte, Nüsse und Meeresfrüchte mit geringer Umweltbelastung.

Schon wer 10 Prozent seiner täglichen Kalorienaufnahme auf die besseren Alternativen umstellt, kann 48 gesunde Minuten pro Tag dazugewinnen.