Marcel Noebels und Mathias Niederberger feiern jetzt auch bei der WM in Riga. Imago/Action Pictures

Das deutsche Eishockey hat wieder neue Helden. Wie bei Olympia 2018 in Südkorea fiebert das ganze Land bei der WM in Lettland mit seinen Kufencracks. Vor allem am Sonnabend, wenn es gegen Finnland (17.15 Uhr, Sport1) um den Einzug ins Finale geht. Und wie vor dreieinhalb Jahren, als sich die DEB-Helden gegen Kanada ins Endspiel kämpften, ist der Mannschaft von Bundestrainer Toni Söderholm (43) gegen den Titelverteidiger alles zuzutrauen. Was auch daran liegt, dass ganz viel Eisbären-DNA diese Mannschaft antreibt. „Ich bin sehr stolz auf unsere Jungs und happy für das deutsche Eishockey“, sagt EHC-Sportdirektor Stéphane Richer (55).

Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer ist stolz auf seine Jungs

Beim 3:2-Penaltykracher gegen die Schweiz nahm Leon Gawanke 44 Sekunden vor der Schlusssirene allen Mut zusammen und hämmert den Puck zum Ausgleich ins Tor. Der gebürtige Berliner (22) spielte zuletzt bei Manitoba Moose in der American Hockey League und träumt von einer Beförderung in die NHL. Doch sein Herz hängt immer noch an der Heimat. Bevor es für ihn zurück nach Kanada ging, lief er zu Saisonbeginn für den EHC auf, für den er schon in der Jugend viele Jahre spielte.

Auch nach der Meisterschaft hoben die Eisbären ihren Keeper Mathias Niederberger (28) auf den Schild. Denn ohne eine Torwart-Wand ist kein Titel zu holen. In Riga hat er noch mal eine Schippe draufgelegt. Nicht nur mit dem Paraden-Feuerwerk gegen Kanada (3:1) in der Vorrunde hat er sich seinen Spitznamen Krake redlich verdient. „Es zeichnet ihn aus, dass er die richtigen Entscheidungen trifft“, so Richer. Auch in den kniffligen Spielen gegen Lettland (2:1) und nun gegen die Schweiz zeigte er sich so was von cool und zermürbte die gegnerischen Offensiven. Kaum jemand denkt in Riga derzeit an den in der NHL überragenden Rosenheimer Philipp Grubauer (29), der mit Colorado in den Pay-offs um den Titel spielt.

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Über die Paradereihe der Eisbären wurden in der abgelaufenen Saison schon zahlreiche Lobeshymnen angestimmt. Aber das Trio Marcel Noebels, Leo Pföderl und Lukas Reichel zeigt bei der aktuellen Riga-Sause, dass sie einfach das deutsche Offensiv-Maß der Dinge ist. Pföderl (27) mag nicht durchschlagskräftig sein wie im EHC-Trikot (bislang zwei WM-Treffer). Dass er im Schlüsselspiel gegen die Gastgeber, wo auch ein Vorrunden-K.o. im Raum stand, als wertvollster Spieler ausgezeichnet wurde, zeigt seine Bedeutung.

Reichel lässt sich selbst von üblem Check nicht kleinkriegen

Kumpel Reichel (19) ließ sich selbst von einem brutalen Check gegen den Kopf im Kasachstan-Spiel nicht unterkriegen. Ein Spiel musste er aussetzen, seitdem wirbelt er weiter, als wäre nichts gewesen. Um ein Haar hätte er in der Overtime gegen Schweiz für die Entscheidung gesorgt, konnte den Konter jedoch nicht verwandeln. Mit seiner Geschwindigkeit und sechs Scorerpunkte macht er dennoch beste Eigenwerbung, nach der WM wird er einen NHL-Vertrag bei den Chicago Blackhawks unterschreiben. Richer: „Dass er großes Talent hat, sah man früh. Aber bei dieser WM sieht jeder, dass er das Zeug für die NHL hat.“

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Noebels (29) hat mit seinem schier unglaublichen Penaltytreffer zum 3:2 gegen die Schweiz eine Saison, die man getrost als märchenhaft bezeichnen kann, gekrönt. Selbst Bundestrainer Söderholm, dem man als Finnen eher ein zurückhaltendes Gemüt attestiert, konnte sich nicht zurückhalten. „Das war ein Tor, von dem man eine Briefmarke macht – ein unglaublicher Move“, lobte der Chef der erfolgreichen deutschen Eis-Bande. Mit drei Toren und fünf Vorlagen ist Noebels zudem Deutschland erfolgreichster Turnierscorer.

Und dann gibt es noch einen Eisbär, der sich seine Tore für den ganz besonderen Moment aufhebt. Verteidiger Jonas Müller (25) traf im Olympiafinale zum 3:2 (56.). 55,5 Sekunden fehlten damals zu Gold. Nach dem Ausgleich gelang Russland in der Overtime dann noch der Sieg.

In Riga sind die Russen schon raus, Müller wird wieder versuchen, seine Mannschaft zum Sieg zu schießen. Vielleicht auch zum WM-Titel. Von dem zu träumen, ist nun erlaubt. Richer sagt: „Man sieht, dass Deutschland inzwischen mit allen mithalten kann. Das ist eine super Entwicklung.“