Jonas Müller klatscht mit seinen Kollegen an der Bande ab. Foto: Imago/Andreas Gora

Schnee und Eis sind auch im Sommer die Welt von Jonas Müller. Nur zwei Wochen nach dem Viertelfinal-Aus gegen Tschechien bei der WM in Finnland wandert der 26 Jahre alte Modelathlet mit Freundin Lisa und seinen Eltern durch die norwegische Bergwelt. Frei nach dem Motto: Das Wandern ist des Müllers Lust.

„Meinen Eltern haben eine solche Tour schon einmal gemacht. Sie sind von den norwegischen Bergen so begeistert und haben Lisa und mich angesteckt. So eine Wanderung ist super. Ich grüße Berlin aus 1200 Meter. Das ist nicht der Mount Everest, aber auch auf unsere Höhe muss man erst einmal marschieren“, erzählt der eisenharte Verteidiger übers Handy.

Von Eltern infiziert: Erst Eisbären, nun Wandern

Der blonde Urberliner Jonas Müller ist ein Eisbär vom Scheitel bis zur Sohle. Nach kurzer Stippvisite von ein paar Tagen bei den Preußen, schaute die Familie Müller bei den Eisbären vorbei: „Da war ich gerade sechs, als mich meine Eltern zum Training in den Wellblech-Palast brachten. Mein Vater ist mit mir dann mehrmals in der Woche zum Training gefahren. Später schaffte ich den Weg allein. So weit war es von unserer Wohnung in Karlshorst zur Eishalle und später zur Sportschule nicht“, erinnert sich Müller an den Anfang.

Zwischenzeitlich konnte er eine Zeit lang praktisch in Filzlatschen zum Training schlürfen, denn er bezog mit Freundin Lisa eine Wohnung in Hohenschönhausen. Der „Welli“ liegt direkt gegenüber. „Lag muss es heißen,“ berichtigt uns Jonas und er klärt dann: „Auf die Bequemlichkeit legten wir wenig Wert. Wir bevorzugen eine schöne Aussicht und erwischten eine Wohnung am Spreeufer. Ein paar Kilometer mit dem Fahrrad sind gut für die Kondition.“

Nach den ersten, wackligen Schritten auf Schlittschuhen ahnten die Müllers noch nicht, welch tolle Karriere sie ihrem Sohn auf dem Eis geglättet hatten. Das einstige „Würstchen“ gehört heute mit 1,84 und 90 Kilogramm zu den Modellathleten im Eisbärenkäfig.

Olympiasilber: Müller räumte schon so richtig ab

Der Name Jonas Müller formte sich 2018 zum Unikat, denn Müllers Bilanz ist einmalig in der deutschen Eishockey-Szene. Er schoss sein erstes Tor gegen die Russen bei den Olympischen Winterspielen 2018. Jonas gehört natürlich mit zum olympischen Silberteam und zur „Mannschaft des Jahres“. Zudem wählten ihn die Sportfans zum „Berliner Sportler des Jahres“. Ganz nebenbei sei noch erwähnt, dass er seine Plus-Minus-Bilanz in der Saison 2017/18 mit Play-off auf plus 38 trieb. Ein Wert den damals kein anderer Spieler in der DEL auch nur annähernd erreichte.

Da ist es zu verstehen, wenn Jonas die folgende Saison als „durchwachsen“, bezeichnet. In der Hauptrunde brachte er es wegen einer Schultereckgelenk-Sprengung lediglich auf 37-Spiele. In den beiden vergangenen Jahren lief es dafür erste Sahne. Zwei Meistertitel bei denen Jonas von 114 Spielen 113-mal mit über das Eis sprintete. „Wobei die verkürzte Pandemie-Saison ohne Zuschauer im vorigen Jahr besonders hart war, weil man nicht wusste, wie es weitergeht“, spricht Müller über seine damaligen Sorgen. Der Meistertitel klebten sich die Berliner als Trost auf die Seele.

Eisbären-Meister-Party mit Fans

Ganz anders in der gerade abgelaufenen Saison. Da brach unter der Bierdusche in München das Temperament bei dem eher ernsten Jonas durch: „Es war eine unheimliche Saison und endlich wieder mit unseren Fans auf der Tribüne. Ich könnte die Fans alle umarmen.“

Damit er seinen Teil zur möglichen Titelverteidigung beitragen kann, verrät der Ureisbär: „Am Montag bin ich wieder in der Halle zum Training. Einmal will ich mit Lisa aber noch eine Woche ins Warme. Wohin wissen wir noch nicht genau.“ Verdient hat sich Jonas nach immerhin schon 420 DEL-Spielen als Eisbär eine Woche Sonne.