Eisbären-Trainer Serge Aubin und der Meisterpokal – irgendwie passen die beiden prächtig zusammen. City-Press/Moritz Eden

Er kam, sah und siegte. So lassen sich die bisher drei Eisbären-Jahre von Serge Aubin (47) umschreiben. Als sich der Trainer in Berlin vorstellte, hatte er gerade eine kurze Stippvisite bei den Zürich Lions gegeben. Davor führte er die Vienna Capitals zur österreichischen Meisterschaft. Im abgebrochenen Pandemie-Jahr 2020 lauerten die Eisbären als Vierter auf die Play-offs. 2021 und 2022 folgten zwei deutsche Meistertitel. Noch Fragen zu den Trainerqualitäten des Kanadiers?

Bevor er den Titel-Hattrick angeht, macht Aubin erst einmal Urlaub und verrät: „Meine Frau Nathalie und ich fliegen zwei Wochen zu unserem ältesten Sohn Charles nach Montreal. Er studiert dort. Da treffen wir uns auch mit meiner Mutter, sie kommt aus Val-d’Or in Quebec die 430 km rüber.“

Serge Aubin: Familie ist ihm ganz, ganz wichtig

Und damit nicht genug in Sachen Familientreffen. Aubin: „Wenn alles klappt, treffen wir auch unsere Älteste Justina in Montreal. Die Große hat wenig Zeit, arbeitet als Hotelmanagerin in Miami. Nach Montreal sind wir wieder in Berlin. Dann kommt unser Sohn Benoit. Er studiert in den USA und verbringt die Semesterferien bei uns.“

Familie – für den harten Eishockey-Coach ganz, ganz wichtig. Mit seiner Nathalie feierte Serge im April 30-jähriges Liebesjubiläum und den 22. Hochzeitstag. „Wir haben uns zu Hause in Val-d’Or in der Schule kennengelernt. Meine Frau war 16, ich 17. Wir verstanden uns vom ersten Tag an bis heute immer gut.“

Der Papa trieb Serge Aubin zum Eislaufen

Der Papa legte zuvor den Grundstein für Aubins Eishockey-Karriere. Und die begann als Bruchpilot. „Er hat mir mit vier Jahren Schlittschuhlaufen beigebracht. In Val-d’Or ist im Winter überall Eis. Es ist eisig kalt. Ich bin oft hingefallen und wollte nicht mehr. Mein Vater hatte dafür kein Ohr. Also lief ich weiter und freute mich dann, dass ich immer seltener stürzte“, erinnert sich Serge.

Als Profi stand der dann felsenfest auf den Kufen, brachte es in verschiedenen Ligen (Kanada, USA, Schweiz und Deutschland) auf 999 Spiele, davon 372 in der NHL für Colorado, Columbus und Atlanta. Aubin: „Mein erstes Profispiel war kurz vor Weihnachten 1998 mit Colorado gegen Wayne Gretzky. Er spielte damals bei den New York Rangers. Wenn du gleich im ersten Spiel gegen eine solche Legende antreten darfst, vergisst du das dein ganzes Leben nicht.“

Berlin wird Zentrum der Familie Aubin

Nach 46 Spielen 2013 für die Hamburg Freezers erwarb Serge durch ein Trainerstudium 2014 dann die A-Lizenz. Der Rest (siehe vorn) ist fast schon Legende. Und soll bei den Eisbären noch möglichst lange eine Fortsetzung finden. Denn künftig soll Berlin das Zentrum und Zuhause der Familie Aubin sein.

Nur: Einer allein kann gar nichts erreichen. So ist es auch bei den Eisbären. Hinter Chefcoach Aubin hält eine geballte Kompetenz den Puck am Rutschen.

Serge Aubin hat ein starkes Team

Co-Trainer Craig Streu (54) arbeitet seit sechs Jahren an Aubins Seite. Der Deutsch-Kanadier spielte einst in Kanada, Augsburg, Iserlohn, Neuwied und Bremerhaven. In Manitoba erwarb er das Trainer-Diplom.

Chef Serge Aubin tauscht sich hinter der Bande mit Co-Trainer Craig Streu (l.) aus. Foto: Imago/Jan Huebner

Neben Aubin und Streu wirken Sebastian Elwing (42) und Daniel Mawer (31). Torwart-Coach Elwing durchlief alle Nachwuchsabteilungen der Eisbären, stand als Profi in München, Kassel, Weißwasser und bis zum Ende seiner Karriere 2014 wieder bei den Eisbären im Kasten.

Fitnesstrainer Mawer spielte von Kindesbeinen an 17 Jahre in Sheffield, wurde dann der Mann für die Physis beim britischen Eliteliga-Team, ehe er vor Jahresfrist nach Berlin kam.

Übervater des Erfolgs ist Peter John Lee

Auch abseits des Eises haben absolute Fachleute das Sagen. Ohne Peter John Lee (66) gäbe es die Eisbären mit inzwischen neun Meistertiteln wohl nicht. Lee (451 NHL-Spiele für Pittsburgh) kam 1995 nach vier Meisterschaften mit der Düsseldorfer EG als Spieler nach Berlin. Er folgten 15 Jahre als Geschäftsführer. Seit Jahresbeginn ist er in der Dachorganisation LA Kings Stellvertreter für Berlin von Boss und NHL-Legende Luc Robitaille.

Sportdirektor Stéphane Richer (56, seit 2017 beim EHC) spielte in Boston, Florida und Tampa Bay in der NHL, ehe er nach Mannheim ging und da viermal Meister wurde.

Nur Boss Thomas Bothstede schlägt aus der Art

Mannschaftsarzt Dr. Jens Ziesche (57) wurde als Aktiver mit Dynamo zweimal Meister, spielte fürs DDR-Nationalteam. Seit 30 Jahren ist Ziesche schon EHC-Doc, seit 20 Jahren der Verantwortliche. Equipment-Manager Dirk Perschau (58) ist quasi Klub-Inventar und seit 52 Jahren erst als Spieler (299 Einsätze, 82 davon DEL) und jetzt an Schleifmaschine & Co dabei.

Nur Thomas Bothstede (52) schlägt aus der Art. Der Geschäftsführer war einst als Running Back des Football-Teams der UTEP-Uni im texanischen El Paso aktiv. Aber etwas Abwechslung kann ja nie schaden.

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