Bennet Roßmy hat schon in der DEL im Eisbären-Trikot gezeigt, dass er richtig was drauf hat. Foto: Imago/Chai v.d. Laage

Beim Eishockey-Nachwuchs-Camp der NHL-Organisation der Los Angeles Kings vergangene Woche in Berlin schaute der KURIER bei den sechs US-Trainern ganz genau hin, nutzte jede Möglichkeit zum Interview. Immerhin bringen es diese sechs Männer über den Daumen gepeilt zusammen auf rund 6000 NHL-Spiele. Drei Eisbären wurden von den Puck-Cracks immer wieder gelobt: Bennet Roßmy, Marlon Braun und Eric Hördler.

Wenn erfahrene NHL-Haudegen wie Jarret Stoll (39/zweimal Stanley-Cup-Gewinner) oder Weltmeister Glen Murray (49) so etwas äußern, muss man schon hellhörig werden. Roßmy und Braun sind erst 18, Eric Hördler gar erst 17 Jahre jung.

Eisbären: Wurzeln in Weißwasser

Eric Hördler ist erst 17 Jahre jung und hat trotzdem schon einen Profivertrag bei den Eisbären und bei Nachwuchs-WM-Turnieren für Deutschland gespielt. Foto: Imago/ActionPictures

Eisbären-Kapitän Frank Hördler (37) ist nicht nur der Vater von Eric, er könnte locker auch der Papa der beiden anderen Jungprofis sein. Alle drei sind zudem auf irgendeine Weise mit Weißwasser verwurzelt. Frank Hördler ist ebenso in der Lausitz geboren wie 19 Jahre später Marlon Braun.

Der sportliche Werdegang der Eisbären-Jungen fußt auf politischen Hintergründen. Frank Hördlers Vater Jochen zog mit seiner Familie 1990 einem Job in Oberfranken hinterher. Nach einer kurzen Stippvisite in Weißwasser setzt Frank deshalb mit sechs Jahren die Schlittschuhkufen in Selb auf das Eis.

Marlon Braun eifert Opa Frank nach

Marlon wiederum landete in Weißwasser, weil dessen Opa Frank Braun (270 Länderspiele und 15 WM-Partien für die DDR) von den DDR-Sportfunktionären das Messer auf die Brust gesetzt wurde: entweder Weißwasser oder Schluss mit Eishockey. Frank Brauns Verein ASK Crimmitschau wurde 1970 praktisch über Nacht aufgelöst.

Marlon Braun hat mit 1,88 m und 85 Kilo schon mal Verteidiger-Gardemaß. Foto: Imago/Nordphoto

Opa Braun liebte Eishockey, also zog er in die Lausitz, kehrte aber nach der Eishockey-Karriere wieder zurück nach Crimmitschau, wo er im vergangenen April im Alter von 72 Jahren verstarb. Sohn Marco blieb mit seiner Familie in Weißwasser, Marlon startete dort seine Karriere.

Corona spült Bennet Roßmy nach Berlin

Möglicherweise spülte Corona das Stürmer-Talent Roßmy nach Berlin. Der Angreifer wirbelte nämlich fast neun Jahre in Tschechien übers Eis. Durch die Pandemie war Ende 2020 plötzlich Schluss mit dem Eishockey im Nachbarland.

„Die U20-Liga stellte den Spielbetrieb ein, das Internat wurde geschlossen. Ich durfte nicht mal zum Training einreisen“, klagt Bennet noch heute. Aber wie das Leben so spielt: Wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf.

„Füchse-Manager Dirk Rohrbach bot mir die Möglichkeit, in der DEL2 bei Weißwasser zu spielen. Die Chance habe ich genutzt“, schaut Roßmy zufrieden zurück. Mit sechs Toren und zehn Vorlagen brachte sich der damals 17-Jährige gleich bei den ersten Spielen in den Vordergrund. Bei den Eisbären durfte er in der abgelaufenen Meister-Saison – bei gut fünf Minuten Eiszeit pro Spiel – in 32 DEL-Begegnungen ran, schoss zwei Tore und gab vier Vorlagen.

Bennet Roßmy rockt Tschechien

Die Roßmys wohnen in Olbersdorf. Die Gemeinde liegt nur einen Steinwurf von Polen und von Tschechien entfernt im Länder-Dreieck am Fuße des Zittauer Gebirges. Eishockey gehörte zumindest im nahe gelegenen Jonsdorf zu den Traditionssportarten. „In Jonsdorf begann ich bei den Bambinis“, berichtet der jetzige Eisbär.

Bennets Eltern wollten ihrem Sohn eine möglichst erfolgreiche Karriere ermöglichen und nutzten die Chancen der EU. Sie meldeten ihren Sohn beim knapp 30 Kilometer entfernten tschechischen Spitzen-Verein Tygri Liberec an. „Ich habe dort von den Schüler bis zu den Junioren gespielt.“

Das ist ziemlich bescheiden ausgedrückt. Die Liberecer U16 führte er als Kapitän an, tat sich als Torschütze hervor und holte die tschechische Meisterschaft. Im Finale gegen Hradec Kralove trug er mit zwei Toren zum Titelgewinn bei. Vor der Pandemie schwang Bennet mit 16 Jahren für die U20 von Liberec und die tschechische Zweit-Liga Männer-Mannschaft von Benatky an der Iser den Schläger.

Auf den Spuren von Lukas Reichel und Kai Wissmann

Aber Eishockey ist nicht alles. Das weiß auch Bennet. Vom Gymnasium in Zittau wechselte er aufs Sportgymnasium in Liberec. Er verstand dort nicht nur Bahnhof. „Ich hatte schon Tschechisch am Gymnasium in Zittau. Außerdem schnappte ich von meinen Mannschaftskameraden viele Worte auf.“ Inzwischen beherrscht er die tschechische Sprache in Wort und Schrift.

Viel verdankt der Jung-Star seinen Eltern, wie Bennet betont:„ Bevor ich in Liberec im Internat einzog, fuhr ich fast jeden Tag mit dem Zug zum Training und zu den Spielen. Meine Eltern brachten mich mit dem Auto von uns zu Hause zum Bahnhof in Zittau. Von dort fuhr ich mit dem Zug. Am Abend holten sie mich wieder vom Bahnhof ab.“

Die Mühen scheinen sich zu lohnen. Wenn man die US-Trainer so hört, könnte Roßmy nach Lukas Reichel (20/Chicago) und Kai Wissmann (25/Boston) der dritte Eisbär in einem NHL-Verein werden.

Mit Abi in der Tasche richtig durchstarten

Und: Roßmy, Braun und Hördler haben mehr als nur die Puckjagd im Kopf. Roßmy will in Hamburg auf der Sonder-Akademie das deutsche Abitur erwerben. Braun und Hördler haben auf dem Berliner Sportgymnasium noch ein Jahr bis zum Abi. Die drei sind sich einig: Mit dem Abi spielt es sich besser, deshalb wollen sie die Schule bis zur Reifeprüfung durchziehen.

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