Eisbär Manuel Wiederer wurde im Finale in München hart rangenommen. Imago

Blut auf dem weißen Pullover und den Meisterpokal in den Händen. So ließe sich am besten die finalen Szenen der abgelaufenen Eishockey-Saison mit Manuel Wiederer beschreiben. Nie war der Stürmer wichtiger für die Eisbären als in den Play-offs. Beim ersten Halbfinale gegen die Adler aus Mannheim setzte Wiederer in der Verlängerung mit seinem Treffer den wichtigen Siegpunkt. Im Finale dann hatten es die Bullen aus München auf Manuel ganz besonders abgesehen. Mit aufgeplatzter Augenbraue zog der faustharte Bayer das Match durch und durfte sich danach über seinen ersten Meistertitel freuen.

Die Weltmeisterschaft musste der Play-off-Star allerdings absagen: „Ich litt nach der Saison zu sehr an Schmerzen. Es hätte keinen Sinn gemacht, einem anderen Spieler den Platz wegzunehmen“, gab Manuel wie immer ehrlich zu.

Manuel Wiederer: WM-Absage aus freien Stücken

Manuel Wiederer von den Eisbären präsentiert stolz seine Meisterplakette nach der gewonnenen Meisterschaft. Foto: City-Press

Beim Sommer-Training vorige Woche zeugten nur noch gut verheilte Stichnarben am linken Auge von den heißen Puck-Duellen und der „Gesichtsmassage“ des Münchners Patrick Hager, der im Duell auch keineswegs ungeschoren davonkam.

Mit neun Toren und 17 Assists glückte dem 25 Jahre alten Wiederer vielleicht nicht ganz die erhoffte Traumbilanz. Das interessiert Eisbären-Trainer Serge Aubin aber genauso, als ob in China ein Sack Reis umfällt. „Wiederer hat Großes geleistet. Er half der Mannschaft vor allem in Unterzahl. Was er da an möglichen Gegentoren verhindert hat, trug ganz sicher dazu bei, den Titel wieder zu gewinnen. Manuel ist ein ganz wichtiger Mann für uns. Ich freue mich, dass er bei den Eisbären bleibt.“ Viel mehr Lob geht nicht.

Im Winter 2021 war Wiederers Karriere im Eimer

Dabei sah es bei Manuel Anfang 2021 gar nicht nach großem Eishockey und schon gar nicht nach Meisterjubel aus. Hinter dem begnadeten Stürmer liegen schwere Jahre. Einmal erzählte er darüber in Deggendorf: „Ich lebte in einem irren Kreislauf. Im Winter auf dem Eis und im Sommer beim Doktor oder Physio.“ 2019 drückten die Schmerzen besonders auf das Gemüt des Spielers: Ich musste ein Zeichen setzen und bat in San Jose bei den Barracudas um eine Vertragsauflösung.“ Manuel Wiederer spielte dort in der AHL.

Im Pandemie-Winter 2020/21 führte er den Schläger für seinen Heimatverein Deggendorfer SC. „Nach zwölf mehr schlechten als rechten Spielen, legte ich endgültig eine Pause ein. Mein Körper benötigte nach den Verletzungen und Schmerzen Ruhe. Jetzt bin ich wieder voll da“, stellt der Eisbär fest und schwärmt fast, als er die nächsten Worte formuliert: „Ich fühle mich als Eisbär so gut wie lange nicht. Irgendwie massiert das gute Klima im Team auch meine Seele.

Manuel Wiederer: Ich fühle mich als Eisbär so gut wie lange nicht

Diese gute Atmosphäre im Team hatte ihm sein Deggendorfer Landsmann Christoph Gawlik vorausgesagt: „Ich habe in Berlin vier Jahre gespielt und mich immer wohl gefühlt.“ Nach einer Pause meinte der 25-Jährige Manuel dann: „ Ich sehe die Eisbären als mein persönliches Glück an.“

Der Stürmer kam im Sommer vom Oberligisten Deggendorf, zog 51 Hauptrundenspiele durch und lebte in den Play-offs so richtig auf. „Da muss ich aber ehrlich sein. Der Trainer setzt mich nicht nur in der vierten sondern je nach Bedarf auch in anderen Reihen ein. Dadurch erhöhen sich natürlich meine Tor- und Vorlagengeber-Chancen“, bleibt Manuel bescheiden.

Mit 17 Jahren spielte Wiederer schon in der DEL

Die Karriere-Bilanz des Neu-Stars kann sich schon jetzt sehen lassen. Bereits mit 16 Jahren holte ihn der Trainer aus der Jugendmannschaft in Deggendorf in das Oberligateam. Ein Jahr später unterschrieb er in Straubing und brachte es auf 29 DEL-Spiele und zwölf DEL-Partien in Kaufbeuren. Durch seine guten Auftritte in der U18-Nationalmannschaft, wurden die Vereine in Nordamerika aufmerksam. Kanada lockte. Manuel unterschrieb bei den Monconton Wildcats in der Juniorenliga der Provinz Quebec und später bei den Rouyn Noranda. Es dauerte nicht lang und er hatte ein Angebot des NHL-Teams der San Jose Sharks.

Im AHL-Team der San Jose Barracudas ließ er die Scheibe so lange kreiseln, bis der Deggendorfer im fernen Kalifornien von einem Nervenzusammenbruch erwischt wurde. Manuel bat bei Vereinschefs um eine Vertragsauflösung. Wieder in Deggendorf angekommen, versuchte er sich bei seinem Heimatverein in der Oberliga. „Es wurde nichts. Ich fühlte mich krank. Nach zwölf Spielen hörte ich auf und legte eine absolute Ruhephase ein“, beschreibt der Eisbär die damalige Lage.

Im Rückspiegel betrachtet, war das genau die richtige Entscheidung. In diesen Tagen düst Wiederer noch einmal nach Kalifornien. „Ich muss meine Möbel verkaufen und meine persönliche Sachen nach Berlin holen. Da durch meine Erkrankung alles so Hals über Kopf ging, habe ich meine Sachen alle bei einem Freund in der Garage untergebracht“, sagt Wiederer und murmelt dann noch: „Wenn ich schon mal drüben bin, mache ich noch einen Kurztrip an der amerikanischen Westküste.“ Na dann viel Spaß!

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