Den Meistertitel 2021 feiert Marcel Noebels zusammen mit seiner Freundin Elena auf dem Eis der MB-Arena. City-Press/Marco Leipold

Auch ein Eisbär braucht mal eine Pause. Marcel Noebels (30) lässt im Moment mit seiner Elena und dem gemeinsamen Sohn Liu (8 Monate) bei den Eltern in Tönisvorst die Seele baumeln. „Ich genieße die Ruhe hier mit meiner Familie. Es war eine lange Saison. Am Montag fliegen zu dritt nach Mallorca. Sonne tanken. Danach beginnt mit dem Athletik-Training wieder der Ernst des Lebens.“

Natürlich besuchte er auch die alten Freunde in Krefeld. Schließlich zog er von hier aus mit 16 Jahren in die Welt. Erst lockten die Eisbären Juniors, dann die Mannheimer Adler.

Marcel Noebels: „Eisbären waren der richtige Schritt“

Nach einem Schnupperkurs in der DEL mit 33 Spielen bei den Krefelder Pinguins ging es hinaus in die weite Welt – kreuz und quer durch Nordamerika. Trenton, Andirondack, Portland und Seattle hießen die Stationen. Mit der Erfahrung von zuletzt 97 AHL-Spielen 38 Toren und 40 Vorlagen heuerte Marcel 2014 bei den Eisbären an: „Es war der richtige Schritt.“

Meister 2022: Das Zauber-Duo Leo Pföderl (l.) und Marcel Noebels feiern auch zusammen. City-Press/Moritz Eden

Keine Frage: Olympia-Silber 2018, WM-Halbfinale 2021, dreimal DEL-Finale, zweimal Deutscher Meister. Dazu die Geburt des Traumduos, als Leo Pföderl 2019 aus Nürnberg zum EHC stieß. Die zwei passen zusammen wie Schlitt und Schuh. „Mit diesen beiden in einer Reihe ist jeder gut“, schrieb mal eine Fach-Zeitung.

Eisbär Noebels: Olympiasilber statt NBA-Vertrag

Doch bei allen Siegen und allem Glanz: Das Leben dreht manchmal dennoch seltsame Kurven. Im Spätsommer 2017 reiste Noebels mit der leisen Hoffnung zum Probetraining nach Boston, einen NHL-Vertrag mit den Bruins abzuschließen. Es wurde nichts, Marcel kehrte leicht traurig zu den Eisbären zurück.

Ohne die Absage der Bruins hätte er bei den Olympia 2018 nicht über Silber jubeln können. Mit der unerwarteten Medaille wurde das DEB-Team dann von den Sportjournalisten zur „Mannschaft des Jahres“ gewählt, Bundespräsident Frank–Walter Steinmeier verlieh den Cracks den „Silbernen Lorbeer“. Noebels: „Das alles waren schon große Momente für mich. Das sind Ehrungen, die für das gesamte Leben bleiben.“

Legendärer Noebels-Penalty bei der WM

Doch die Freude von Pyeongchang verflüchtigt sich langsam in die Rubrik schöne Erinnerung. Deshalb strebte Noebels, inzwischen bei den Eisbären längst zum Führungsspieler gereift, auch Olympia 2022 in Peking an. Rückenwind für einen erneuten Auftritt unter den fünf Ringen verschaffte sich der Topstürmer bei der WM 2021 in Riga.

Der legendäre Penalty von Marcel Noebels bei der WM 2021, Bundestrainer Toni Söderholm wollte davon eine Briefmarke drucken. imago/ActionPictures

Er brachte es auf acht Scorer-Punkte, zauberte gegen die Schweiz auch einen obercoolen Penalty in die Maschen. Der Treffer bedeutete den Einzug ins WM-Halbfinale. „Mir rutscht heute noch das Herz in die Hose, wenn ich daran denke. Nur gut, dass ich vorher gar nicht wusste, dass ich einen Penalty schießen sollte“, gibt Noebels ehrlich zu.

Schmucke Meisterringe für Marcel & Co.

In der DEL wurde Marcel in 2019/20 und 2020/21 zum besten Stürmer der Liga gewählt. Trotz der verkürzten Pandemie-Saison 2020/21 sammelte er 52 Scorerpunkte und thront als Vorlagen-König in dieser Rubrik über allen anderen.

Meisterringe haben bei den Eisbären schon eine lange Tradition. City-Press/Florian Pohl

„Das Größte ist für mich aber auf Vereinsebene der Gewinn der Meisterschaft. Für mich war es nach zehn Jahren DEL der erste Titel. Als ewiges Andenken bleibt mir die Medaille und der Meisterring.“ Das edle Stück wiegt 61 Gramm, ist aus Sterling-Silber und Weißgold, mit 86 Diamanten bestückt und eingraviertem Namen. Klub-Besitzer Philip F. Anschutz spendierte jedem Spieler einen.

Sohn Liu macht Noebels’ Glück perfekt

Marcels Glück scheint nun ziemlich perfekt. Freundin Elena brachte im Oktober den Sohnemann Liu zur Welt. „Jetzt sind die Nächte etwas unruhiger, aber das stört mich nicht“, bleibt der junge Vater locker. Inzwischen besitzt er nach einer Traumsaison mit wiederum 45 (!) Assists und 21 Toren den zweiten Meisterring.

Wie schnell sich Lebenslinien ändern können, erlebte der begnadete Eishockeyspieler nicht nur im Falle der Boston Bruins. 2017 riss ihm gleich zu Saisonbeginn das Kreuzband. Fünf Monate Pause. „Da brauchst du Freunde und Helfer“, sagt Noebels und zeigt im „Welli“ in Hohenschönhausen in Richtung Westen.

Olympia-Star macht Noebels wieder fit

DEL-Konkurrent Kölner Haie unterstützte den Eisbären-Star mit seiner Reha-Klinik. Nach der Reha zog Marcel nebst Elena nicht gleich wieder in ihr Haus im Barnim. Sie blieben bei Marcels Eltern in Tönisvorst. Von dort fuhr einst als Schüler Ende der 90er-, Anfang der 2000er-Jahre ohnehin jeden Tag nach Krefeld, wo er seine glanzvolle Karriere startete.

„Auf Eistraining habe ich lange nach dem Kreuzbandriss verzichtet. Dafür arbeitete ich mit zwei Athletik-Trainern in Krefeld. Der eine sorgte für Kraftzuwachs und der andere für die Spritzigkeit.“ Der Coach für die Kraft, Torsten Voß, olympischer Silber-Gewinner im Zehnkampf von 1988. Der Schweriner hat im Rheinland eine neue Heimat gefunden.

„Beim Einstieg ins Eistraining brannten die Füße, aber das ging wieder vorbei“, erinnert sich Marcel nur noch dunkel an die Zeit vor gut vier Jahren. Jetzt zählt nur die Gegenwart. In der glänzt der 1,90 Meter große Angreifer mit Tricks, Toren, brillanten Vorlagen und einem Vertrag bis 2026 bei den Eisbären.

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