So berichtete der KURIER damals vom Skandalspiel.  Foto: zVg

Freitag beginnt endlich, endlich auch für die Eisbären mit dem Heimspiel gegen Bremerhaven (19.30 Uhr, MB-Arena) eine wohl verrückte, auf jeden Fall aber besondere neue DEL-Saison. Doch schon am Mittwoch steht ein Jubiläum an. Ein eher schaurig-trauriges!

Auf den Tag genau vor 30 Jahren gab’s beim (Bundesliga-)Derby zwischen damals noch dem EHC Dynamo und dem BSC Preussen die wohl heißeste Eis-Schlacht in der Geschichte des Berliner Profi-Eishockeys.

Mit den Russen kam die Wende

Rückblende. Noch vor der Wiedervereinigung wurden der EHC und Weißwasser im Einheits-Freudentaumel in die Bundesliga aufgenommen. Quasi über Nacht hatten die bis dahin konkurrenzlosen Preussen in Berlin einen Rivalen direkt vor der Haustür. Damit nahm das Drama seinen Lauf.

Das erste Derby am 21. September 1990 stieg im Welli: Die Preussen siegten 12:0, es ist immer noch die höchste Pleite der Hohenschönhauser Klubgeschichte. Damit waren für die Charlottenburger die Fronten geklärt. Entsprechend groß war der Frust, als am 19. Oktober im ersten Aufeinandertreffen an der Jafféstraße die mit den Russen-Stars Sergej Jaschin und Wladimir Schaschow aufgepeppten Ossis 3:1 triumphierten. Dann kam der 16. Dezember ...

Hartmut Nickel ist fassunglos

Dass der EHC 3:2 gewann, ist beinahe immer noch nur Randnotiz. Im Gedächtnis blieb der blanke Hass! Auf dem Eis gab’s hässliche Szenen in Dauerschleife. Am Ende hatte Schiri Gerhard Lichtnecker 132 Strafminuten verteilt.

Torwart René Bielke und Steffen Ziesche sowie die Preussen Dave Silk und Harry Birk wurden nach Matchstrafen für jeweils vier Spiele gesperrt und mussten Geldstrafen zahlen. Bielke hatte nach einem Stockstich durch seine Torhüter-Maske eine Platzwunde, Preusse Schorsch Holzmann erlitt einen Handbruch. Der damalige, im Juni 2019 im Alter von 74 Jahren verstorbene EHC-Trainer Hartmut Nickel, war fassungslos: „Die Preussen haben regelrecht Jagd auf Bielke gemacht.“

Die Polizei war fortan immer dabei

Auch auf den Tribünen flogen unter den Fans die Fäuste. Der Hallenmeister schaltete in seiner Not sogar das Licht aus und machte damit alles fast nur noch schlimmer. Dieser Abend war dann auch der Anlass, dass die folgenden Derbys immer auch ein ziemlich großes Polizeikontingent nötig machten. Erst 2002 mit dem Lizenzentzug für die inzwischen in Capitals umgetauften Preussen kehrte wieder Ruhe ein. Gut so.

Die Recken von damals sind längst versöhnt, können heute über die Grusel-Szenen nur noch schmunzeln. Und einstige Preussen- und Dynamo-Fans feuern in der MB-Arena – wenn es denn erlaubt ist – gemeinsam die Eisbären an.